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Ein ernüchternder erster Tag im Naturkindergarten

Ein ernüchternder erster Tag im Naturkindergarten

Heute haben wir uns das erste Mal im Garten zum Naturkindergarten getroffen und im ersten Moment war ich danach etwas ernüchtert. Nicht wegen dem Angebot, das war total schön, sondern wegen einer gänzlich anderen Reaktion meiner Tochter als erwartet. Nach einem Revue passieren lassen am Abendbrottisch sehe ich den Tag positiv. Aber erstmal der Reihe nach. 

Wir waren heute drei Mamas mit insgesamt vier Kindern. Zwei davon spanisch, zwei deutsch. Die spanische Familie kommt aus unserem Dorf, die andere deutsche Familie ist aus der nächstgelegenen Stadt. Wie vereinbart fand das Programm auf Spanisch statt.

Zur Ankunft versammelten wir uns alle unter einem großen Johannisbrotbaum auf Isomatten. Die Leiterin, eine gute Freundin von mir, erklärte uns den Ablauf, den sie sich überlegt hatte, was wir für die nächsten Male in den Rucksack packen sollten und welche Kleidung die Kinder dabei haben sollten.

Dann sangen wir ein paar spanische Lieder, die alle Kinder bis auf meins auch gut kannten und mitsingen konnten.

Alle Angebote werden mit: „Nein, müne“ abgewiesen

Eigentlich hätte ich erwartet, dass ich mich nach der Begrüßung schon ein bisschen entfernen könnte. Denn der Ablauf, die Leiterin und ihr Kind (das die Lieblingsfreundin der Tochter ist) sind vom Spielkreis schließlich bekannt. In unserem Gemeinschaftsgarten kennt sie sich auch super aus. Sollte also kein Problem sein. Ich wollte mich in Fridolin setzen, einen der Wohnwägen und ein bisschen lesen. So wäre ich auf Abruf gewesen, und wollte auch nur eine Stunde weg sein.

Aber daraus wurde nichts. Die Tochter war irgendwie nicht sie selbst. Sie kletterte nicht auf die Mauern, wie die anderen Kinder und nur ein Mal lief sie ihnen hinterher, wenn sie auf eine andere Ebene wechselten. Sie wollte kein Spiel mitmachen, sammelte keine Steine und als die anderen Musik machten, versteckte sie sich hinter einem Stuhl. Die meiste Zeit wollte sie auf meinem Schoss sitzen, auf meinem Arm sein oder nach Hause gehen. Sie ist eigentlich überhaupt nicht der Typ, der am Rockzipfel hängt, sondern eher der Typ, der um die Ecke verschwindet, wenn man mal eine Sekunde nicht guckt. Heute aber war Team Rockzipfel angesagt. Sie war „müne“ (müde), wie sie selbst zu jedem großen und kleinen Menschen sagte, der sie versuchte zu animieren.

Die anderen Kindern bastelten an einem Mandala aus Naturmaterialien, machten Musik mit Bambusstöcken und sammelten nach Anleitung verschiedene Materialien. Vor allem ein spanischer Junge nahm das Angebot sehr gut an und schien viel Spaß zu haben. Es war richtig schön, ihm dabei zuzusehen.

Verständnisprobleme und ein Entwicklungsschub

Woran lag es wohl, dass sie trotz der bekannten Nenner so zurückhaltend war?

Ich glaube, es lag einmal stark an der Sprache. Sie hat sprachlich wieder einen riesen Schub gemacht in den letzten Wochen und kann sich mittlerweile schon ganz gut ausdrücken und saugt alles auf. Sie fällt uns mittlerweile auch oft mit konkreten Fragen oder Ideen ins Gespräch, wenn uns gar nicht bewusst ist, dass sie zuhört. Zwar kann sie ein paar spanische Worte und kann sich damit verständigen, aber verstehen tut sie die Sprache (glaube ich) nicht. Und so nehme ich an, dass sie sich sehr außen vor fühlte, auch wenn ich neben ihr war und die Spiele, Lieder und Aktivitäten übersetzte.

Zum Anderen war aber ihr Gesamtbefinden Ausschlag gebend. Ich vermute, sie steht kurz vor einem Entwicklungsschub oder steckt mittendrin. Denn gerade läuft der Alltag ein bisschen holprig mit ihr. Mehr will ich darauf nicht eingehen, aber es tut sich gerade eine Menge und ich glaube, es arbeitet ganz stark in dem kleinen Mädchen, das manchmal schon groß sein will und im gleichen Moment Gebärmutterheimweh bekommt.

Auch die Leiterin und Freundin meinte, dass es auffallend ist, wie feinfühlig und weinerlich die Tochter heute war. Gar nicht so, wie sie sie sonst kennt. Und so macht das doch alles Sinn, wie der erste Tag in der „Bosquescuela“ heute abgelaufen ist. Eben so, wie es gerade läuft: Es ist mehr Aufmerksamkeit von Nöten, mehr Verständnis, Zeit und viel Nähe.

Und die bekommt sie natürlich. Denn deswegen machen wir das ja. Damit wir unsere Kinder nicht abgeben müssen, wenn sie weinend auf der Straße liegen, weil die Eltern das Gebäude nicht betreten dürfen. Sondern weil wir unsere Kinder begleiten wollen, bis ihre Wurzeln sicher genug sind, dass sie ihre Flügel entfalten wollen.



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