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Alles zu viel, aber alles zu schön! Über berufliche Ziele, Naturkindergarten und das eigene Stück Land

Alles zu viel, aber alles zu schön! Über berufliche Ziele, Naturkindergarten und das eigene Stück Land

Dieser Sommer war der Wahnsinn. So intensiv! Wir haben so viel erlebt, gespielt, gemacht, gearbeitet, geplantscht wie selten. So viele Kontakte und Aktivitäten: Unser Besuch in Deutschland, zahlreiche Besuche hier. Gerade waren die Cousinen zu Besuch und das bedeutete jede Menge Action. Im Oktober stehen noch weitere Besuche an und ich bin gespannt, ob wir unseren halb-ernsthaft geplanten Urlaub (mit dem Camping-Bus von einem Freund die Gegend hier besser kennen lernen) diesen Herbst tatsächlich noch verwirklichen können.

Ich sehne mich nach einem ruhigen Herbst, aber der ist noch nicht in Sicht.

Ich gehe abends todmüde ins Bett und stöhne: „Mir ist das alles viel zu viel!“, und stehe morgens auf und denke: „Wow, so viele tolle Sachen in Planung! Ich will ALLES machen!“. Es ist ein Paradox, aber zeigt wie voll unser Leben gerade ist. Voller toller Sachen, glücklicherweise und keine belastenden Sachen. Ein Geschenk! Ich kenne das gleiche „mir ist alles zu viel“ Gefühl auch von der negativen Seite und dann wiederum ist es eine echte Belastung. So ist es positiver Stress, der aber trotzdem ein bisschen zu viel wurde in den letzten Wochen. Es ist Zeit, ein bisschen ruhiger zu machen. Routine einkehren zu lassen.

Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Ich spüre die Belastung der letzten Monate, in denen ich versucht habe, beruflich Fuß zu fassen und trotzdem die Mama zu sein, die ich sein möchte. Das ist verdammt anstrengend. Ich bin rund um die Uhr beschäftigt: Entweder mit Arbeiten, oder mit Kinderbetreuung. Und manchmal auch mit beiden. Wenn ich zuhause arbeite, klappt das beispielsweise nicht besonders gut.

Denn ich bin ja in der Wohnung, wenn auch nicht direkt verfügbar. Aber sobald die Tochter die Gelegenheit hat, läuft sie die Treppe hoch und klopft höflich an die Tür und möchte „Duaz Hola sadn“ (kurz Hallo/Hola sagen) – ja, und so süß das auch ist, eine konzentrierte Arbeitsatmosphäre ist das nicht. Deshalb weiche ich immer öfter zu einer Freundin im Dorf auf, bei der ich arbeiten darf und genieße die kinderlose Ruhe dort.

Arbeit gibt es viel, und auch wenn sie noch nicht immer so bezahlt ist, wie ich mir das gerne wünschen würde, bin ich sehr glücklich damit, wie es läuft.

„[…] Bis September möchte ich mir als freie Texterin ein Standbein erarbeitet haben. Es muss nicht besonders groß sein, dieses Standbein, aber soll solide sein und mich vor allem wieder zu einem Selbstverständnis für meine eigene Wertigkeit führen. […]“

Das hatte ich Ende Januar in diesem Beitrag als Ziel formuliert und dieses Ziel konnte ich erreichen. Gleichzeitig habe ich gemerkt, dass ich noch viel lernen möchte, damit das Schreiben flüssiger wird. Deshalb habe ich mich für ein Fernstudium beworben und kann das im Oktober beginnen. Im Studium lerne ich das Handwerkszeug zur Journalistin und erhoffe mir, mit diesem Abschluss mein erstes Studium in Biologie und Naturschutz noch besser mit dem Schreiben verknüpfen zu können.

Das Verpackungsmaterial brachte schon mal viel Freude:

 

Und da kleine Belohnungen gut sind, gönne ich mir für mein kleines berufliches Standbein ein paar Spanisch-Privatstunden. Die erste Stunde ist schon rum und hat sehr viel Spaß gemacht. Eine Stunde die Woche werden meine Sprachkenntnisse jetzt geboostert und ich glaube, dass ich das sehr schnell merken werde. Je nach Situation und Wohlfühlfaktor mit dem Gegenüber läuft es mittlerweile schon ganz gut mit der Sprache. Aber es wimmelt immer noch so von Fehlern…

Wo ich das alles unterbringe möchte, weiß ich ehrlich gesagt noch nicht so ganz genau. Aber das Studium kann man flexibel gestalten, und sich den Inhalt bis zum Abschluss frei einteilen. Also fühle ich mich dadurch nicht unter Druck gesetzt, sondern sehe es als guten Zeitvertreib, wenn es mal weniger zu tun gibt.

 

Die erste Fremdbetreuung steht vor der Tür – Im Naturkindergarten

Und es gibt auch zusätzliche Entlastung. Dass uns die Betreuungssituation im Dorf nicht zusagt hat, hatte ich hier ausführlicher erzählt. Als Lösung sahen wir erstmal nur, dass die Tochter dann eben nicht in den Kindergarten gehen würde und wir uns über Home-Schooling informierten. Doch mit diesem Artikel bekam ich eine Nachricht von einer Freundin: „Klasse Artikel! Geht mir genauso… Lass uns was eigenes machen!“. Und damit waren die Karten plötzlich wieder neu gemischt.

Schnell war klar, dass wir uns ziemlich das gleiche wünschen: Ein Kindergarten in der Natur, nach dem Konzept von deutschen Waldkindergärten. Spanisch-Deutsch gemischt und mit einer gemischten Altersgruppe von zwei bis sechs Jahren.

Und dieses Kindergarten-Projekt beginnen wir nächste Woche. Wir wollen dieses Jahr als Testlauf erstmal nur mit „unseren“ Kindern (also unseren eigenen und denen von Freunden) starten und haben uns als Zeitrahmen zwei Mal die Woche Nachmittags für 2,5 Stunden überlegt. Ich glaube auch, dass das für den Anfang vollkommen ausreichend sein wird. Mitmachen werden 4 Familien und damit sieben Kinder. Die Betreuung teilen wir uns auf, dass immer zwei bis drei Erwachsene da sind. Je nachdem, wie es läuft und wie es klappt… Im Garten muss man vor allem bei den Kleinen schon schauen, mit den ganzen Trockensteinmauern, auf denen die Großen rumklettern…  Eine Mama (die auch eine passende Ausbildung dafür hat) wird an allen Tagen da sein wird, damit die Kinder eine feste Betreuungsperson haben.

Stattfinden wird das Ganze erstmal bei uns im Gemeinschaftsgarten. Für nächstes Jahr suchen wir uns dann ein eigenes Stück wildes Land für unseren Kindergarten und wollen ihn dann auch offiziell anmelden und für weitere Familien öffnen. Und die Vision ist, daraus eine freie Schule zu entwickeln, damit die großen Kinder in zwei bis drei Jahren nahtlos weiter machen können…. Aber erstmal gehen wir viele kleine Schritte, bevor wir einen großen machen!

Für uns ist das eine riesen Entlastung, denn jeder von uns wird jetzt ab und zu Nachmittage „frei“ haben. Und auch wenn mir trotzdem schon echt schwer ums Herz wird, wenn ich denke,  mir noch mehr Zeit mit der Tochter flöten geht (ich verbringe einfach echt gern Zeit mit ihr!): Für sie ist es ein guter Zeitpunkt. Sie kennt die anderen Familien jetzt seit ein paar Monaten aus dem Spielkreis und durch private Treffen, kennt die Kinder und die Eltern und kennt den Garten. Perfekter könnte es gar nicht sein!

Spanien bleibt unser Lebensmittelpunkt

Mit all diesen wunderbaren Entwicklungen ist klar, dass Spanien in den nächsten Jahren und auf unbestimmte Zeit unser Lebensmittelpunkt bleibt. Auch wenn die eigene Familie zum Teil schon schmerzhaft vermisst wird – das Wetter, die Nähe zum Meer, die Freundlichkeit und Herzlichkeit der Menschen im Dorf, die Gemeinschaft und das Familiengefühl im Kreis unserer Freunde: Hier fühlen wir uns so wohl, dass es uns gerade nicht zurück nach Deutschland zieht.

Und mit dieser Entscheidung, die eigentlich schon vor ein paar Monaten gefallen ist, gibt es längerfristige Planungen, die sich um Eigentum und Obst und Gemüse auf einem eigenen Land drehen, aber noch in den Sternen stehen.

Auf jeden Fall wird es erstmal nicht langweilig. Und wenn ich so drüber nachdenke… Das ist auch gut so ;).

 

 

 



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