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Ist es wirklich 50/50? Wir machen den Test zur Aufgabenverteilung im Familienalltag

Ist es wirklich 50/50? Wir machen den Test zur Aufgabenverteilung im Familienalltag

„… Es fällt mir einfach auf, dass, wenn die Küche nach „deiner“ Zeit [damit ist in unserem Tagesablauf die Zeit mit der Tochter gemeint] total durcheinander ist…“

„… Bitte häng doch die Badesachen kurz auf, wenn ihr vom Baden heimkommt. Dann riecht die Wäsche nicht so muffig.“

… Solche Sätze gibt es wahrscheinlich in den meisten Beziehungen, mit der ein oder anderen Abwechslung des thematischen Bezugs.

Mich würde interessieren, wem ihr diese Sätze zugeschrieben habt. Mir oder meinem Mann?

Denn ich muss ehrlicherweise zugeben, dass sie von meinem Mann kommen; und dass er Recht hat. Ich mache nach dem Essen lieber ein Puzzle mit der Tochter, als das Geschirr zu spülen. Dann fällt uns ein, dass wir rausgehen könnten und wir gehen nach draußen. Und aus einer halben Stunde frische Luft schnappen werden meistens zwei oder drei Stunden, in denen wir draußen herumspazieren. Und dann wieder drinnen ist gerade noch Zeit, um sich einmal um die Wäsche zu kümmern oder die Spielecke aufzuräumen. Und die Küche sieht abends noch genauso aus, wie nach dem Mittagessen. Ich steh‘ da auch dazu. Ich räum das lieber später weg, und lasse mich in der (gefühlt) wenigen Zeit mit der Tochter einfach gerne treiben.

Heißt das jetzt, dass ich im Haushalt weniger mache als er?

Mein Mann liebt eine saubere Küche. Mir ist dafür ein sauberes Bad sehr wichtig, also kümmere ich mich darum. Die Wäsche teilen wir uns; und auch sonst sind unsere Aufgaben (gefühlt) ziemlich gleichmäßig verteilt. Auch wenn manche Aufgabenbereiche immer von einer Person erledigt werden. So habe ich die Klamottengrößen der Tochter genauso im Blick, wie ihre Fingernägel. Dafür ist klar, wer zuständig ist, wenn etwas kaputt geht oder ein Knopf abreißt: „Papa heile machn“.

Ich würde also behaupten, wir erledigen die täglichen Aufgaben ungefähr 50/50. Tatsächlich geben aber die meisten Paare diesen Richtwert vor. Die Psychologin Patricia Cammarata hat das mal näher unter die Lupe genommen und stieß auf interessante Fakten. Mit 50/50 ist es nämlich ziemlich weit gefehlt, wenn bei den Aufgaben geschaut wird, wer eigentlich was macht.

Und so machten wir den Test.

Ich fand bei Patricia 51 Fragen, denen wir uns stellten.

Hier sind die Fragen: (Nicht alle waren für uns relevant (ich weiß nicht, wann wir mal Schuhe geputzt haben… und zum Elternabend müssen wir auch noch nicht. Aber die Liste kann ja angepasst werden)).

Wer putzt das Klo?

Wer putzt die Fenster?

Wer wäscht die Wäsche?

Wer hängt sie auf?

Wer faltet sie?

Wer räumt sie in den Schrank?

Wer bügelt?

Wer steht am Wochenende mit den Kindern auf?

Wer überzieht die Betten?

Wer macht die Einkaufsliste?

Wer plant was gegessen wird?

Wer gießt die Blumen?

Wer näht kaputte Kleidungsstücke?

Wer bringt den Müll runter?

Wer macht die neue Mülltüte in den Mülleimer?

Wer saugt?

Wer macht die Schuhe sauber?

Wer bringt das Auto zum TÜV?

Wer programmiert den neuen Fernseher?

Wer repariert das Fahrrad?

Wer tauscht die Batterien im Feuermelder?

Wer macht die Steuererklärung?

Wer recherchiert, ob der Mobilfunkvertrag noch zeitgemäß ist?

Wer erledigt die Behördengänge?

Wer denkt an ablaufende Fristen?

Wer kocht?

Wer deckt den Tisch?

Wer räumt den Tisch ab?

Wer wischt den Staub?

Wer wischt den Boden?

Wer wischt die Schränke mal aus?

Wer kümmert sich rechtzeitig um die Geburtstags/Weihnachtsgeschenke?

Wer denkt an die Geburtstage der Verwandtschaft?

Wer achtet darauf dass die Schuhe der Kinder passen?

Wer besorgt neue Schuhe?

Wer macht den Großeinkauf?

Wer besorgt alle paar Tage frische Sachen wie Obst und Gemüse?

Wer kauft Windeln?

Wer geht zum Elternabend?

Wer sortiert die kaputte und nicht passende Kleidung der Kinder aus?

Wer schneidet den Kindern die Fingernägel?

Wer denkt an die U-Untersuchung?

Wer geht mit den Kindern zur U-Untersuchung?

Wer repariert ein kaputtes Fahrrad?

Wer schaut nach der Wechselwäsche im Kindergarten?

Wer entrümpelt das Kinderzimmer?

Wer macht den Ofen sauber?

Wer macht jeden Morgen die Schulbrote?

Wer räumt die Spülmaschine aus?

Wer räumt sie ein?

Wer macht die Spülmaschine regelmäßig sauber?

Zuerst haben wir notiert, wer welche Aufgaben überwiegend übernimmt. Danach, wie oft er/sie diese Aufgaben übernimmt.

Als nächstes bekamen die Aufgaben dann eine Gewichtung. Wir notierten also, wie lange eine einzelne Aufgabe dauert und wie oft man sie in der Woche macht.

Und heraus kam folgendes:

Ich bin 19,8 Stunden in der Woche mit Haushaltstätigkeiten beschäftigt. Eine echt krasse Summe, finde ich.

Mein Mann kam auf 27,7 Stunden die Woche. Nach einem zweiten Blick lag das an dem 3:1 pro Monat-Verhältnis des Großeinkaufs und seinem abendlichen Aufräumen der Küche, während ich die Tochter ins Bett bringe – was nicht in der Liste gezählt wurde.
Einkaufen überlasse ich ihm meistens, weil er gerne mit der Tochter unterwegs ist und das Einkaufen gerne mit Strand verbindet – er leidet also nicht allzu sehr darunter.

Nach Abzug dieser beiden Sachen kam er auf 19,85 Stunden.

Wir sind also tatsächlich relativ gleich eingebunden, was die täglichen und wöchentlichen Aufgaben angeht.

 

Und wie sieht das bei euch aus? Erzählt mal, und macht den Test, ich bin neugierig :).

 



5 thoughts on “Ist es wirklich 50/50? Wir machen den Test zur Aufgabenverteilung im Familienalltag”

  • Ich bin fast erschrocken. Eigentlich mache das meiste ich. Allerdings arbeite ich nur Teilzeit und mein Mann ist fast 12 Stunden am Tag außer Haus. Aber trotzdem komisch. Irgendwie……

  • Es wird nie sowas wie 50/50 herauskommen, wenn sich zwei Menschen in einen Haushalt teilen. Auch bei uns (zwei Frauen gleicher Generation) gibt es Präferenzen; z.B. habe ich überhaupt kein Problem, abends in der Küche auch die Hinterbleibsel der Gattin aufzuräumen – schon gar nicht mit dem Gedanken, daß sie das ja – weil daheim – eigentlich tun könnte. Nee, ich will einfach am nächsten Morgen in eine aufgeräumte Küche kommen.
    Mit anderen Aufgaben ist es ähnlich (Bad putzen vs. Gartenarbeit beispielsweise). Wir haben uns zwecks gemeinsamen Wohlbefindens gegen das Aufrechnen entschieden.

  • Interessantes Thema, auf jeden Fall!
    Es kann sicherlich in jeder Beziehung zu Problemen führen, wenn eine*r das Gefühl hat, ständig viel mehr zu machen als die bessere Hälfte. Bei uns wäre allerdings ein solches Zeitaufrechnen nicht nutzbringend, glaube ich. Wir haben über all die Jahre beide unsere persönlichen „Nischen“ gefunden. Da haben wir das Glück, sehr unterschiedliche Vorlieben zu haben und uns ziemlich perfekt zu ergänzen.
    Und da ist es mir am Ende egal, wer letztlich mehr oder weniger Zeit für die „Gemeinschaft Familie“ einbringt, solange ich bestimmte Dinge nicht erledigen muss und mich an die Sachen halten kann, die ich gerne mache. Vieles kann man ja auch gar nicht klar defininieren. Wie du schreibst, zählst du Kind-ins-Bett-Bringen zur Aufgabenliste dazu. Das wäre für mich jetzt in dem Sinne kein Haushaltspunkt.
    Auch ist es bei manchen Dingen schwammig, zähle ich jetzt Stofftaschentücher bügeln dazu, auch wenn mein Mann das überhaupt nicht wichtig findet? Oder seine Stunden Programmieren für Heimnetzwerk und Beleuchtungsautomatik – darauf könnte ich gut verzichten, trotzdem dient es dem Wohnambiente.
    Also mein Fazit: Wer das Gefühl hat, überfordert zu sein oder mehr Unterstützung zu brauchen, sollte das immer konkret ansprechen. Selbst wenn er/sie stundenmäßig nicht schlechter dran ist. Persönliche Ressourcen und Belastbarkeit sind einfach zu individuell verschieden von Mensch zu Mensch und auch in unterschiedlichen (Lebens-)Zeiten.
    LG aus dem herbstlich anmutenden Allgäu

  • Interessantes Thema, auf jeden Fall!
    Es kann sicherlich in jeder Beziehung zu Problemen führen, wenn eine*r
    das Gefühl hat, ständig viel mehr zu machen als die bessere Hälfte. Bei
    uns wäre allerdings ein solches Zeitaufrechnen nicht nutzbringend,
    glaube ich. Wir haben über all die Jahre beide unsere persönlichen
    „Nischen“ gefunden. Da haben wir das Glück, sehr unterschiedliche
    Vorlieben zu haben und uns ziemlich perfekt zu ergänzen.
    Und da ist es mir am Ende egal, wer letztlich mehr oder weniger Zeit für
    die „Gemeinschaft Familie“ einbringt, solange ich bestimmte Dinge nicht
    erledigen muss und mich an die Sachen halten kann, die ich gerne mache.
    Vieles kann man ja auch gar nicht klar defininieren. Wie du schreibst,
    zählst du Kind-ins-Bett-Bringen zur Aufgabenliste dazu. Das wäre für
    mich jetzt in dem Sinne kein Haushaltspunkt.
    Auch ist es bei manchen Dingen schwammig, zähle ich jetzt
    Stofftaschentücher bügeln dazu, auch wenn mein Mann das überhaupt nicht
    wichtig findet? Oder seine Stunden Programmieren für Heimnetzwerk und
    Beleuchtungsautomatik – darauf könnte ich gut verzichten, trotzdem dient
    es dem Wohnambiente.
    Also mein Fazit: Wer das Gefühl hat, überfordert zu sein oder mehr
    Unterstützung zu brauchen, sollte das immer konkret ansprechen. Selbst
    wenn er/sie stundenmäßig nicht schlechter dran ist. Persönliche
    Ressourcen und Belastbarkeit sind einfach zu individuell verschieden von
    Mensch zu Mensch und auch in unterschiedlichen (Lebens-)Zeiten.
    LG aus dem herbstlich anmutenden Allgäu

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