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Meilenstein „trocken“ | Ohne Töpfchentraining

Meilenstein „trocken“ | Ohne Töpfchentraining

Ziemlich plötzlich und viel früher, als ich es erwartet hätte, brauchen wir keine Windeln mehr. Das Kind ist sauber und trocken und das mit 21 Monaten. In meiner Vorstellung hätten wir ihr alle Zeit der Welt gegeben, ihr das Töpfchen immer wieder angeboten und irgendwann hätte sie dann alleine auf die Windel verzichtet.

Jetzt brauchen wir schon zu diesem Zeitpunkt keine Windeln mehr und beim drüber nachdenken, warum das jetzt so schnell kam, kam es mir doch gar nicht mehr so überraschend vor. Den Grundstein dafür haben wir genau genommen schon gelegt, als die Tochter 10 Wochen alt war.

Damals habe ich zufällig einen Artikel über das Abhalten und die Idee, ein Kind windelfrei aufwachsen zu lassen, gelesen. Darin wurde beschrieben, dass Babys von Beginn an Zeichen geben, bevor sie sich lösen müssen. Sie drehen den Kopf, strecken sich, oder ballen die Fäustchen – wenn man darauf achtet, springen einem die Signale ins Auge. In dem Artikel stand, dass auch die Zeiten abzuschätzen seien. Kinder pinkeln zum Beispiel nicht während sie schlafen. Die Blase entleert sich nach dem Aufwachen. Und die Darmtätigkeit wird oft nach dem Trinken angeregt, was auch ein guter Anhaltspunkt ist, um abzuhalten. Die Tochter schlief gerade auf mir drauf, als ich den Artikel las und ich dachte, probieren kostet ja nichts. Als sie aufwachte, ging ich mit ihr ins Bad, zog ihr die Windel aus und hielt sie überm Waschbecken ab. Und siehe da: Es klappte.

Und ab diesem Zeitpunkt hielten wir sie ab. Nach dem Schlafen und nach dem Trinken. Wir beobachteten sie, konnten ihre Signale immer besser einschätzen und zuhause ließ ich sie oft stundenweise ohne Windel. Oft ging Pipi daneben, aber das demotivierte mich nicht.

Ich fand die Erklärung für das Abhalten damals sehr schlüssig und heute mit dem frühen Windelfrei bestätigt sich dieses Gefühl: Menschenkinder, wie auch die Kinder anderer Tiere, sind keine Nestbeschmutzer. Sie geben Signale, damit die Mutter (oder die Bezugsperson) die Möglichkeit hat, sie abzuhalten. Sie stören sich an vollen Windeln, am nassen Gefühl. Durch die modernen Wegwerfwindeln ist dieses Gefühl jedoch so minimiert, dass Kinder keinen Bezug mehr zu einer nassen Windel haben. Sie spüren sie gar nicht. Und wenn man sie nicht abhält, sondern ihnen quasi „beibringt“, sich ohne Signal zu entleeren, müssen sie das Bewusstsein für ihre Ausscheidungen erst wieder erlernen.

Unser anfängliches Wickelsystem (bis ca. 7 Monate – danach störten sie bei der Bewegungsfreiheit): Bindewindeln

Die Kontrolle über Blase und Darm haben Kinder unter 1,5-2 Jahren noch nicht. Aber durch die aufmerksame Begleitung der Bezugspersonen können sie sich ab dem sie auf der Welt sind mitteilen und ihre Körpersignale mit den Ausscheidungen verknüpfen. Bleibt diese Verknüpfung erhalten, (also weiß das Kind, wenn meine Blase voll ist und ich locker lasse, dann kommt Pipi), tut es sich logischerweise mit dem eigenständigen Töpfchen gehen viel leichter.

Unser Windelfrei-Weg war ein Mittelweg zwischen Stoffwindeln (aus müll-technischen Gründen, aber eben auch, damit das Kind spürt, da ist jetzt was passiert) und Teilzeit-Windelfrei. Zuhause klappte es ganz gut, unterwegs wurden immer Windeln angezogen. Es gab Zeiten, da gab es jeden Tag fünf Unfälle und Zeiten, da gab es keine. Freundinnen und Familie haben das ganze Experiment mit Erstaunen wahrgenommen und es gibt glaube ich zig Bilder, die einen von uns mit der Tochter am Klo zeigen :D. Eine echte Attraktion. Gleichzeitig habe ich unglaublich viele Mamas getroffen, die das auch so gemacht haben (oder sogar noch extremer, ganz ohne Windeln) oder zumindest schon mal davon gehört hatten.

Es war mehr Arbeit, als einfach zu windeln. Aber mein Argument war immer, dass ich glaubte, es würde uns später viel Arbeit ersparen. Quasi langfristig angelegte Arbeit. Und es hat sich ausgezahlt; während manche Eltern noch bis ins dritte Lebensjahr oder länger wickeln (und Geld für Windeln ausgeben müssen und Müll produzieren), sind wir mit dem Thema durch.

Das heißt nicht, dass ich für ein Sauberkeits-Training ab einem gewissen Alter bin! Denn ich bin der Meinung, das muss vom Kind selbst kommen. Aber man kann sich ja mal durch den Kopf gehen lassen, dass man den Kindern manchmal etwas an- (wie Schnuller) oder ab- (wie Ausscheidungssignale geben) -trainiert, die man ihnen später wieder mühsam ab- oder antrainieren muss.

Mit fünf Monaten mit Papa auf der Toilette

Bei uns klappte es im ersten halben bis dreiviertel Jahr ganz gut mit dem Windelfrei und wurde mit zunehmendem Alter dann schwierig. Erstens waren sehr viel unterwegs, als die Tochter so zwischen einem Jahr und anderthalb Jahre alt war und da haben wir das windelfrei komplett verloren; bis auf das morgendliche Klo-gehen als Ritual. Das haben wir immer beibehalten, hatten unterwegs auch immer das Töpfchen (sie wollte irgendwann nicht mehr abgehalten werden) und später die Kloverkleinerung dabei (meistens am Rucksack hängend zur Belustigung anderer Mitreisender). Dadurch war sie meistens tagsüber sauber, und wir mussten nur die Pippi windeln. – Man kann das ja auch aus der Motivation heraus betrachten: Wenn Kinder feste Nahrung zu sich nehmen, ist das Windeln nämlich nicht mehr unbedingt angenehm für die elterliche Nase.

Seitdem wir jetzt wieder längere Zeit an einem Ort waren, blieb es am Anfang trotzdem beim morgendlichen Toilettengang und auch der wurde einige Zeit verweigert. Sie hatte einfach keine Lust und hat auch verbal gesagt, dass sie eine Windel angezogen bekommen wollte. Das haben wir dann auch gemacht. Wir haben sie nicht aufs Klo gedrängt, obwohl es nervig war, wenn man wusste, dass sie muss. Aber mit dem Angebot, dort ein Buch zu lesen konnten wir sie auch immer wieder überzeugen und irgendwann klappte es dann auch wieder von ihr aus.

Mit dem Töpfchen zu Besuch bei Oma und Opa

Und der letzte Schritt ging dann sehr schnell. Durch die sommerlichen Temperaturen war sie in der Wohnung fast immer nackig. Dadurch hat sie schnell gemerkt, dass es nass wird, wenn sie Pipi macht. Und nachdem wir dann das Töpfchen an einem festen Ort hatten (in ihrer Höhle, wo sie sich auch mit Windel gerne zurückgezogen hatte), ging es immer besser. Sie wusste, wo das Töpfchen ist und ging dann von selbst auf das „Hüp“.

Seit vier Wochen sind wir jetzt ohne Windel und mittlerweile auch fast ohne „Unfälle“. Wenn sie sehr vertieft ins Spiel ist, passiert manchmal noch was, aber die meisten Tage bleibt alles trocken. Und auch nachts ging seit zwei Wochen nichts mehr in die Windel. Die lassen wir aber trotzdem noch dran, sonst kann ich nicht so beruhigt schlafen. Auf nächtliches Laken-Wechseln hab ich nämlich gar keine Lust.

Aber noch ein, zwei Wochen, dann haben wir auch darauf Vertrauen und können die Windeln dem Nachbarsbaby schenken.

Und ich freu mich einfach, dass ich damals darüber gelesen habe und meine Tochter heute keine Windeln mehr braucht. Vielleicht liest das ja jemand mit einem kleinen Baby und probiert es auch mal aus – bei Fragen könnt ihr mir gerne schreiben!

Rückzugsort mit Unterhaltungsprogramm: Ihr „Hüp“ mit „Öwe“ und „Töröö“


3 thoughts on “Meilenstein „trocken“ | Ohne Töpfchentraining”

  • Wir befinden uns auch gerade in der Trocken-werden-Phase, allerdings besteht mein Sohnemann darauf auch Nachts ohne Windeln zu schlafen. Dazu habe ich mal einen guten Tipp gelesen, der sich jetzt schon beim zweiten Kind bewährt: Unsere Betten sind doppelt bezogen – heißt ein Nässeschutz, ein Bettlacken, noch ein Nässeschutz, noch ein Bettlacken. Damit muss ich bei einem nächtlichen Unfall nur einmal abziehen, Kind wieder rein, weiterschlafen. Eine bezogenen Ersatzdecke habe ich auch im Schrank gleich griffbereit liegen. Sehr angenehm auch in den Norovirus-Monaten…

    • Das ist ja eine klasse Idee mit dem Doppeltbeziehen. Bei uns ging der Prozess von ganz allein, der Junge war 2 Jahre und 9 Monate alt. Vorher hatten wir zwar ein Töpfchen als Angebot bereit gestellt, aber wir wollten ihn nie dazu drängen es zu benutzen. Also warteten wir einfach geduldig und siehe da – als die Zeit reif war, wurde der Sohnemann innerhalb von drei Tagen tagsüber sauber und trocken, eine Woche später auch nachts. Wobei ich ihn die ersten Wochen immer noch einmal schlaftrunken aufs Töpfchen am Bett setzte, bevor ich selber schlafen ging. Das hat vielen Bettmaleuren vorgebeugt, schätze ich.
      Ich hatte damals noch nichts von der Windelfrei Methode gehört, aber ich glaube, es wäre mir auch irgendwie zu aufwendig gewesen, gebe ich zu. Es hat ja auch so ohne Druck und ohne Training geklappt.
      Fröhliches Pieseln!

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