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Fail of the day #13 – Eine verschlossene Tür ohne Schlüssel, oder: Die längsten 10 Minuten

Fail of the day #13 – Eine verschlossene Tür ohne Schlüssel, oder: Die längsten 10 Minuten

Unsere Haustür knallt so schön zu. Es hallt einfach herrlich durchs Treppenhaus, wenn die schwere Tür ins Schloss fällt! Und so wird hier von der kleinsten Wohnungsbewohnerin gerne die schwere Tür mit Schwung zugeschmissen.

Bloß blöd, wenn Kind dann in der Wohnung ist und Mama draußen. Ohne Schlüssel.

Und ich dachte mir noch letzte Woche, ich muss wirklich immer einen Schlüssel in der Hand halten, bis wir beide in der Wohnung sind! Doch diesmal war ich schon drinnen gewesen, denn wir waren beiden schon angekommen und hatte den Schlüssel abgelegt. Wurde dann jedoch vom einer Schuhregal-Umschmeißerin wieder in den Flur gerufen, um die Sache wieder in Ordnung zu bringen. Und wie ich da so stehe, und die Schuhe wieder an ihren Platz bringe, knallt hinter mir die Tür zu. Und ich so: Scheiße!

Da stand ich dann mit einem Haufen Schuhe und ohne Schlüssel. Und das Kind hinter der Tür hat ziemlich schnell verstanden, dass Mama die Tür nicht aufmachen kann, weil sie keinen Schlüssel hat. Und dass es selbst die Tür wiederum nicht aufmachen kann, weil es viel zu klein ist, um an den Türgriff zu kommen.

Kein Schlüssel.
Kein Handy.
Mann auf Arbeit.
Ich weiß seine Nummer nicht mal auswendig (ich weiß – furchtbare Handygeneration).

Ich also bei den Nachbarn geklingelt, die vom Mittagsschlaf aufgeweckt und erstmal die Lage geschildert. Die Tochter derweil brüllend hinter der Tür. Und während ich gleichzeitig versuche, auf Spanisch zu erklären (was echt erstaunlich gut funktioniert in dem Moment!!), dass ich nicht genau weiß wo der Mann ist, weil er auf Montage ist, seine Nummer nicht habe und auch nicht genau weiß, wann er zurück kommt (vielleicht in einer Stunde?), versuche ich beruhigend (aber selbst fast am heulen) auf die Tochter einzureden.

Gleichzeitig will ich mit dem Telefon der Nachbarn meine Mutter anrufen will, damit sie mir die Nummer meines Mannes gibt, aber da ist nicht genug Geld am Handy ist, um nach Deutschland zu telefonieren.
Der Nachbar testet, ob er über den Lichtschacht in unsere Wohnung einsteigen kann, aber das Klofenster ist nicht offen und will dann den Schlüsseldienst rufen.

Und ich versuche in der ganzen Panik einen klaren Gedanken zu fassen: Soll ich zu unseren Freunden im Dorf laufen, damit die meinen Mann anrufen, damit der wiederum von irgendwoher irgendwie hier herkommen muss? Allein das durchs Dorf-laufen würde 15 Minuten dauern und ich kann doch nicht von der Tür weg, ich muss doch wenigsten mit der Tochter reden. Und die Nachbarn wissen nicht, wo die Freunde genau wohnen.

Ich weiß zwar gleichzeitig, dass der Tochter nichts passieren kann, sie ist sicher allein in unserer Wohnung, aber gleichzeitig ist es furchtbar schrecklich, dass die da vor der Tür sitzt und heult und weint und ich nichts tun kann.

Nachdem wir alle Notfallpläne wieder verworfen haben, schnürt mein Nachbar seine Turnschuhe, fragt ob die Terrassentür offen ist und klettert aus dem Fenster im Gang. Übers Dach bei uns einsteigen ist der Plan. Das ist machbar, denke ich.

Danach bekomme ich langsam wieder Luft. Erkläre der Tochter, dass gleich der Papa vom Baby durchs Fenster kommen wird und sie sich nicht erschrecken soll. Dass er die Tür aufmachen wird und dann kann Mama wieder rein. Und die Tochter hört auf zu weinen und wir warten und dann höre ich innen, wie der Tochter auf spanisch gesagt wird, dass sie ein bisschen von der Tür weg muss, damit sie aufgemacht werden kann und dann macht er die Tür auf. Ein völlig verheultes Kind klammert sich an mich. Ist keine Sekunde von der Tür weggegangen und hat einen von Tränen nass geweinten Eingangsbereich hinterlassen.

Ich könnte Carlos knutschen, so erleichtert bin ich. Mache ich auch. Die Regenrinne habe er kaputt gemacht, meint er. Voll egal. Er hätte auch das Fenster aufbrechen können, meinetwegen. Und dann stehen wir noch kurz im Flur, die Tochter auf meinem Arm ist schon wieder fröhlich und die beiden überprüfen, ob sie einen Schlüssel haben, während ihr Baby schläft. Und danach gehen die Tochter und ich in die Wohnung und ich muss erstmal weinen und mein Baby ganz fest halten, während es Cornflakes aus der Packung futtert und alles vollkrümelt. Voll egal.

Carlos bekommt eine Flasche Wein als Dank am nächsten Tag. Die Regenrinne lässt sich reparieren. Die Tochter hat keine bleibenden Schäden. „Papa – Bebi – [Ihr Name] – Wein – Mama – Aua“ ist die Story des Tages. Übersetzt bedeutet das: Papa vom Baby kam, [ihr Name] musste weinen. Mama musste auch weinen, also hatte sie sich wohl weh getan.

Ja, Mama hatte Aua im Herzen. Und wird nie wieder den Schlüssel vergessen!



7 thoughts on “Fail of the day #13 – Eine verschlossene Tür ohne Schlüssel, oder: Die längsten 10 Minuten”

  • Erinnert mich an: Tochter rennt vor in den Aufzug. In der Tiefgarage drückt jemand zeitgleich auf den Knopf. Kind fährt alleine 5 Stockwerke runter. War deutlich kürzer aber auch mit viel „weinen musste ich“ verbunden.

    • Ach du Schreck! Da hätte ich vor allem total Angst, dass es einfach irgendwo aussteigt und ich es dann gar nicht mehr finde ://. Wie furchtbar!

  • Bei uns so letztens: Mein Mann und ich sind auf dem Balkon, Zweijähriger schmeisst von innen die Balkontür zu und zieht dabei den Türgriff so runter, dass die Tür nicht mehr aufgeht. Wir waren völlig panisch, hätten mangels Handy/Sicht zu Nachbarn nicht mal Hilfe holen können. Gottseidank hat das Kind mit gutem Zureden die Tür irgendwie wieder aufbekommen, bevor es selbst in Panik verfiel und. ochts mehr gegangen wäre …

    • Ohje, das klingt auch heftig… An Terrasse und Balkon haben wir Schiebetüren und auch die Klos sind nicht verschließbar. Eigentlich muss man mit den Kindern, sobald sie an die Griffe kommen, das Türe ÖFFNEN üben…. werde ich mir merken!

  • Bei uns ist Türen abschließen gerade total wichtig, das kann auch ganz schön blöd enden, da das Auf- und Zuschließen noch nicht ganz verlässlich klappt. Sind ja auch immer andere Schlüssel und Schlösser so auf Reisen ?

  • Och Ihr zwei Armen! Wie toll, das Ihr so schnell Hilfe bekommen habt – auch wenn es sich bestimmt fürchterlich lange angefühlt hat…

  • Oh das sind schreckliche Momente. Als mein Kleiner gerade 5 Wochen alt war, wollte ich während er schlief etwas im Keller holen, habe dabei den Schlüsselbund im Keller abgelegt und dann das Vorhängeschloss zu gemacht. Der Erkenntnismoment war furchtbar. Keiner der anderen 7 Mietparteien war anzutreffen. Im Nachbarhaus dann ein Telefon um den Schlüsseldienst zu erreichen, der 40 Minuten Abfahrt veranschlagte…Meine Nachbarin tauchte dann auf, das Baby brüllte mittlerweile herzzerreißend…Sie hatte Werkzeug und dann Gott sei Dank unser Kellerschloss aufgebrochen bevor der Schlüsseldienst da war…Boahr ich bin mit ihm im Arm dann auch erstmal in Tränen ausgebrochen.

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