über: junges familienleben, nachhaltiges und gemeinschaftliches leben, gehbehinderung, bedürfnisorientiertes aufwachsen

Kinder sind Menschen und haben Grenzen!

Kinder sind Menschen und haben Grenzen!

Meine Tochter hat gestern von der Bäckersfrau einen Hasen geschenkt bekommen.

Heute beim Brot kaufen hat diese Frau sie ohne sie vorher zu fragen und obwohl sie sie kaum kennt, auf ihren Schoß genommen und wollte ihr gegen ihren Willen ihre Schuhe wieder anziehen.

Die Grenzen von Kindern werden hier leider wenig gewahrt. 

Ich sehe jeden Tag so viele Situationen, wo über den Willen des Kindes hinweg agiert wird:

– Im Schwimmbad werden die Kinder, obwohl sie weinen, einfach ins Wasser gezogen.

– Auf der Straße werden sie permanent gedrängt. Ihr eigenes Tempo dürfen sie nicht gehen.

– Möchten sie nicht mit anderen Kindern/Personen interagieren, werden sie trotzdem dazu genötigt.

– Ihre Wünsche werden nicht ernst genommen, oft werden stattdessen darüber gelacht, mit anderen Erwachsenen darüber Scherze gemacht und über ihren Kopf hinweg etwas anderes bestimmt.

– Auf der Straße werden sie getätschelt, an die Hand genommen oder sogar hochgehoben – vor allem von älteren fremden (!) Frauen.

 

So auch die Bäckersfrau heute.

Mein Mann nahm die Tochter gleich zu sich auf den Arm und die war natürlich nicht mehr gut auf die Frau zu sprechen. Sie hatte sie ohne um Erlaubnis zu fragen auf den Schoß genommen, hatte sie gegen ihren Willen dort festgehalten und wollte sie zwingen, ihre Schuhe anzuziehen.

Ich kann sie verstehen, dass sie böse geguckt hat!! Jedenfalls hat die Bäckersfrau danach nicht aufgehört, aufdringlich zu sein; sie wollte unbedingt wieder ein Lächeln, wollte ihr Gebäck schenken, hat ihr „spaßeshalber“ in dem Bauch gezwickt, immer wieder und egal wie sehr mein Mann zurückgewichen ist und gesagt hat, dass sie das nicht möchte und dass sie sauer ist, sie hat die Grenzen nicht gewahrt. Wir hatten das Gefühl, dass sie durch das Hasengeschenk diesen Zugang erwarten würde.

Aber der Fehler liegt bei uns, in unserer Hand. Anstatt ganz deutlich zu werden und zu sagen: „Bitte lassen Sie das, fassen Sie sie nicht an, sie möchte das nicht!“, redet man um den heißen Brei herum. Die Tochter ist dem Ganzen ausgesetzt und man selbst weiß sich währenddessen irgendwie nicht zu helfen und ist danach wütend.

Ich möchte, dass die Grenzen meiner Tochter gewahrt werden. Nicht nur die Grenzen meiner Tochter, sondern die Grenzen aller Kinder.

Stell dir immer vor: Das Kind sei ein Erwachsener. Stelle dir eine bestimmt Situation vor – als Erwachsene und als Kind.

Wäre dieser Umgang ein respektvoller Umgang mit diesem Erwachsenen? Werden seine Wünsche respektiert, werden seine Grenzen gewahrt? Verhaltet euch dem Kind gegenüber genauso respektvoll wie einem Erwachsenen bzw. wie ihr euch selbst den Umgang wünschen würdet.

Ihr seid der Meinung ich übertreibe?

Ich gebe euch ein paar Beispiele:

Kein Erwachsener MUSS etwas essen, wenn er sagt, dass er keinen Hunger hat.

Kein Erwachsener MUSS jemanden umarmen, wenn er nicht möchte.

Es ist unvorstellbar, dass ein Erwachsener jemanden küssen MUSS, wenn er nicht möchte.

Kein Erwachsener MUSS im tiefen Wasser schwimmen, wenn er sich nicht wohlfühlt.

 

Kinder sind genauso Menschen wie Erwachsene. Sie sollten genauso respektiert werden und genauso behandelt werden, wie wir selbst behandelt werden wollen. 

In unserem Fall liegt es (noch) in unseren Händen, dafür zu sorgen, dass unsere Tochter diesen Umgang erfährt. Wenn sie zeigt, dass sie etwas nicht möchte, MUSS ich/MÜSSEN wir dafür einstehen, dass das dann auch nicht passiert.

Und wenn ich mir vorstelle, wie deutlich ich werden würde, wenn mir eine fremde Person so dermaßen unverschämt auf die Pelle rücken würde, muss ich doch genau so für ein Kind einstehen können.

Wieso dürfen Erwachsene Grenzen setzen und körperlich auf Abstand bleiben und bei Kindern wird dieser Abstand nicht gewahrt?

Ich bin so wütend auf diese Person und auf die alten Leute im Dorf, aber noch wütender bin ich auf mich und auf uns, dass wir nicht so handeln, wie wir es fühlen, weil wir die andere Person nicht vor den Kopf stoßen wollen.

Ab morgen werde ich viel deutlicher handeln und kommunizieren. Meine Tochter soll wissen, dass es okay ist und gut ist, Grenzen zu fühlen, diese zu setzen und sie auch deutlich zu machen.

Wie sonst soll sie sich als junges Mädchen wehren?! Wie soll sie ihre Grenzen weiterhin erkennen und wahren, wenn sich darüber hinweggesetzt wird?

Spanien ist bekannt für diese Art der Übergriffigkeit gegenüber Kindern – aber sicher gibt es auch in Deutschland noch Luft nach oben.

Wahrt die Grenzen der Kinder, behandelt sie wie Erwachsene, wie Menschen! Kinder sind kleine Menschen! 

 

Und diesen Hasen würde ich am liebsten in die Tonne kloppen.

 

 



5 thoughts on “Kinder sind Menschen und haben Grenzen!”

  • Hej Veronika,

    auch hier, gerade mit dem Frühlingsmädchen, passiert es immer und immer wieder. Und ich schaffe es ja kaum, für mich einzustehen, deshalb fällt es mir auch besonders schwer, es für die Kinder zu tun. Auch wenn der Herbstjunge mit zweieinhalb es schon sehr gut hinbekommt, für sich einzustehen, sehr häufig wird es übersehen bzw. einfach ignoriert. Nun ja, wirklich nicht ideal und gleichzeitig ärgerlich, wenn es andauernd passiert wie bei Euch in Spanien. Ich wünsche Dir den idealen Zeitpunkt zum Reagieren und ein schnell wachsendes Spanisch 🙂

    Liebste Grüße

  • Hej Lea,

    ja es ist wirklich kein seltenes Phänomen anscheinend… umso erschreckender! Kinder-Grenzen werden nicht respektiert, übersehen oder ignoriert. Und ja, es ist super schwer, dafür einzustehen. Aber ich finde, wir sollten es dennoch jeden Tag weiter versuchen. 🙂

    Liebe Grüße
    Veronika

  • ich versuche sehr für die grenzen meiner tochter einzustehen. vielleicht bin ich sogar manchmal zu sensiebel. aber dann kann ich mich ja entschuldigen. das gefühl das ich habe, wenn ich es nicht mache, ist viel schlimmer als das, wenn ich erwachsene pikiere. das sind erwachsene, die können für sich selber sorgen… der (vielleicht doch nicht?) neue kinderarzt war doch erstaunt, dass ich mich traue ihn zurecht zu weisen. aber in die wange kneifen wollte er sich von mir dan doch nicht lassen. das mache ich nämlich, wenn es mir zu schnell geht für worte, ich ziehe meine kleine aus der grabschweite und fasse dem übergriffigen genau gleich an.
    ich hatte auch schon super schöne reaktionen, wo leute mir gesagt haben, dass sie früher nie darüber nachgedacht haben, aber jetzt super froh sind, mehr zu wissen. das tut dann gut 😉

    • Wow, das traue ich mich nicht. Obwohl ich immer dieses Bild vor Augen habe und mit diesen Worten argumentiere, wenn ich jemanden verbildlichen möchte, dass er/sie zu weit ging. Voll toll, wenn man Leute zum Nachdenken anregen kann!

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