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4 Monate Spanien – es läuft doch!

4 Monate Spanien – es läuft doch!

Vier Monate sind wir jetzt in Spanien – Zeit für einen kleinen Rückblick, denn dieser Monat hatte es echt in sich. (Hier geht’s zum ersten und dritten Monatsbericht.)

Bei der Dorf-Schnitzerei in Auftrag gegeben: Holzfiguren für das Tochterkind

„Aber es läuft doch!“, meinte mein Mann und ein Freund, der zu Besuch war vor ein paar Tagen. Und ja, da haben sie recht. Es läuft. Aber für mich lief es nicht leicht im letzten Monat, sondern fühlte sich an als würde ich Berg hoch laufen und dabei den Karren hoch schieben. Aber erstmal der Reihe nach.

Ich glaube, der erste Fehler war, Ende Mai nach Hause zu fliegen. Auch wenn ich mich total darauf gefreut habe und es daheim so wunderschön war – wahrscheinlich war genau das das Problem. Als ich zurück kam war ich irgendwie leer und hatte Heimweh. Heimweh nach meiner Mama und nach meinen Freundinnen. Nach einer Sprache, die ich nicht nur verstehe, sondern auch spreche und nach Unterstützung durch Familie. Ich kam zurück und es war, als hätte Spanien die Farben verloren.

Ich habe die Schönheit nicht mehr gesehen und auch wenn es okay war, hier zu sein, dachte ich mir auch – wollen wir das wirklich? Und wenn ja, wie lange? Warum sind wir hier, wenn wir doch langfristig unseren Wohnort in Deutschland sehen. Oder sehen wir ihn doch nicht in Deutschland? Ich kam wieder ziemlich ins Grübeln und das raubte ganz schön Energie. Im Nachhinein denke ich, dass es zu früh war, nach Hause zu fliegen und dass ich dem Eingewöhnen noch mehr Zeit geben hätte sollen. Aber vielleicht war es auch ganz gut so und ich hätte mich auch nach einem Besuch im August oder September genauso gefühlt.

Während eines Gemeinschaftstreffen

Mit zurück nach Spanien habe ich auch Schmerzen im Bein gebracht. Das ist erstmal nicht beunruhigend, sondern einfach ein Zeichen dafür, dass es mir insgesamt nicht so gut geht. Da meldet sich dann mein Nerv und sagt: „Hey du, mach mal was!“ Und dann muss ich erstmal raus finden, was da nicht stimmt und das dann ändern und das ist erstmal ein Prozess und dauert. Aber langsam wird es wieder besser, denke ich.

Was ich gespürt habe war, dass ich für größere Reisen gerade nicht so wirklich Energie habe. Und da wir schon Mitte Juli wieder nach Deutschland aufbrechen wollten und eine ziemlich Tour vor hatten, um alle Familienmitglieder zu sehen, haben wir die abgesagt. Wir hatten noch nichts gebucht und es wäre vor allem ein Geschenk für die Familie gewesen und hat sich für uns wie ein ziemlicher Kraftakt angefühlt. Und so haben wir auf unser Gefühl gehört und beschlossen, dass wir den Sommer hier verbringen werden.

Die Mispel-Ernte war gut diesen Sommer. Daraus wurde Kompott und Marmelade gemacht.

Um ein wenig Unterstützung zu bekommen, haben wir unsere spanische Freundin aus der Gemeinschaft gefragt, ob sie ein bis zweimal die Woche auf die Tochter aufpassen könnte. Außerdem wollen wir, dass die Tochter ein bisschen Spanisch lernt, sollte sie irgendwann mal hier in den Kindergarten kommen. Und das klappt auch ganz gut. Die Tochter wird im Moment einmal die Woche abgeholt und geht gerne mit und wird im Moment nach einer Stunde von meinem Mann wieder abgeholt. Die Stunde ist ganz schnell rum und ich denke, wir werden daraus bald zwei Stunden machen. Mir bringt die Stunde nicht mehr Zeit, da sie eh während meiner Arbeitszeiten liegt, aber eben gut passt wegen Mittagsschlaf und unserem Ablauf. Aber ich finde es insgesamt gut und sehr wichtig, dass es hier jemanden gibt, den die Tochter gut kennt und bei dem man sie auch beruhigt lassen kann. Denn wer weiß, ob mal irgendwas ist, wo wir beide weg müssen oder wir vielleicht doch mal zu zweit ein Eis essen gehen wollen.

Die Zeit ist denke ich das größte Thema gewesen in diesem Monat. Kind, Haushalt, Arbeit, Partnerschaft. Und gewünscht wäre auch noch Zeit für Spanisch-Lernen, für Sport, für sich selbst. 24 Stunden reichen da nicht, um allem gerecht zu werden.

Unseren Arbeitsrhythmus halten wir ein: Von sechs bis halb zwei Uhr ist mein Mann arbeiten (er steht einfach heimlich immer so früh auf und macht dann immer bisschen länger…. der Schlingel!). Von zwei bis sieben Uhr ich.

Die Tochter verlangte mir viel ab und zeitweise war ich diesen Monat morgens beim Zähneputzen quasi schon fertig mit den Nerven. Das ist jetzt wieder besser, vor allem weil sie jetzt eher ins Bett geht und es so etwas wie Feierabend gibt. Dieses um 22:30 Uhr Einschlafen war super anstrengend, denn das hieß vom Aufstehen bis ins Bett gehen durchgehend arbeiten. Entweder als Mama oder eben am Schreibtisch (und oft ist das „arbeiten“ als Mama anstrengender!). Auch wenn ich die Zeit mit ihr super schön finde, es ist kein Wellness-Programm. Aber da wir den Nachmittagsschlaf jetzt über-spielen ist um 21 Uhr meistens Ruhe. Und wir Eltern haben die Chance einmal am Tag einen Satz in Ruhe zu Ende zu sprechen. Das ist durchaus förderlich für die Paarbeziehung.

Ein schwarzes Brett im Garten. Organisation ist alles!

 

Meine 25-Stunden Woche finde ich in der Theorie super. In der Praxis ist es zu wenig Zeit. Denn ich habe so viele Ideen und würde am liebsten alles gleichzeitig umsetzen und natürlich alles sofort. Und dadurch renne ich nur hinterher und mache zu viele Baustellen gleichzeitig auf, anstatt dem Ganzen mal etwas Zeit zu geben. Ich bin in Gedanken oft schon beim zweiten oder dritten Schritt und anstatt mal kurz anzuhalten und festzustellen: „Hey, es läuft doch!“, sehe ich nur: „Aber das und das könnte schon noch besser sein und überhaupt, was machen wir denn, wenn das passiert –  und sollten wir nicht jetzt schon das planen und hier vorsorgen und überhaupt was ist denn, wenn …?“. Und das nervt mich – denn ich möchte hinsehen und ich möchte anhalten und festhalten, dass es gut läuft. Denn das tut es ja eigentlich.
Aber die Zeit, das du sehen. Die fehlt.

Ich möchte aber auch nicht mehr Arbeitszeit, denn ich will ja Zeit mit meiner Tochter verbringen. Und denke immer wieder, ich würde gerne noch mehr Zeit mit ihr verbringen. Und dass ich zu viel arbeite und mit dem halben Tag zu wenig Teil an ihrem Tag habe. Also ihr seht: Ein ständiger innerer Konflikt. Alles gleichzeitig geht nicht. Und ich will unbedingt arbeiten, das gibt mir total viel! Also heißt es auch hier: Hinsehen und glücklich sein für das, was wir haben.

Hinsehen, um Glück zu sehen.

Das Sprachproblem hab ich immer noch. Mein Sprachkurs hat jetzt bis Oktober Pause und ich habe noch keinen Privatlehrer gefunden. Da weiß ich gerade irgendwie keine Lösung. (Für Online-Kurse bin ich nicht diszipliniert genug…) Mein Spanisch wird immer schlechter, anstatt besser. Am Anfang habe ich einfach drauf los geredet, weil ich dachte, wir sind ja gerade erst hier angekommen und woher soll ich das denn können. Und jetzt, so mit der Zeit, wird mir immer bewusster, wie schlecht ich eigentlich spreche und werde immer kleinlauter bis still. Meinem Mann geht es ähnlich, auch wenn er sich auf einem viel höheren Niveau kleinlaut fühlt als ich. Das sind dann wohl die zu hohen Erwartungen an sich selbst, die uns da zum Problem werden.

Alles in allem geht es uns mittlerweile wohl ganz normal hier. Seine kleinen Problemchen nimmt man ja überall mit hin und darf sich daran sowohl in Deutschland als auch in Spanien die Zähne ausbeißen.

Fische angeln

Ich denke, wir sind angekommen. Im Arbeitszimmer stapeln sich die Unterlagen, die verräumt werden sollten, auf dem Balkon werden die ersten Tomaten rot. Die Wände der Wohnung wurden angemalt und ich denke, wir müssen hier malern, wenn wir ausziehen. Unsere Wohnung lieben wir nach wie vor, aber gleichzeitig ist sie für ein Kinderzimmer, Gäste oder einen Werkplatz für meinen Mann zu klein.

Die ersten Kindergeburtstagsfeiern im Plastik-Chips-Gummibärchen-Rausch haben wir überstanden. Im Dorf kennen uns alle und wir verwechseln ständig die Leute miteinander.

 

Spanischer Kindergeburtstag im Dorf

Ich träume schon wieder von Veränderung und wünsche mir gleichzeitig, dass alles so bleibt – ziemlich paradox.



2 thoughts on “4 Monate Spanien – es läuft doch!”

  • Hej Veronika,

    ich finde es gut, dass ihr euren Deutschlandurlaub abgesagt habt. Das erscheint mir eine sehr gute Idee zu sein. Und völlig verständlich auch, dass du Heimweh hast nach Eurem kleinen Urlaub.
    Ich finde es auch sehr anstrengend und denke häufig mit Erstaunen zurück, dass wir den Lütten eineinhalb Jahre im Alleingang komplett und immer alleine und abwechselnd oder zusammen betreut haben. Trotz Studium und allem Drum und Dran, Erasmussemester und haste nicht gesehn. Und dabei hatten wir nicht einmal eine so geniale Aufteilung wie ihr jetzt (wäre uns das auch mal eingefallen …)
    Ich wünsche Dir sehr, dass du bald wieder voll im Groove bist.

    Liebste Grüße

  • Hallo liebe Veronika,
    ich verfolge deinen Blog schon ziemlich lange – bisher als stille Leserin – aber jetzt wollt ich mich kurz melden. Meine Schwester lebt schon sehr lange in Valencia und hat ein super gutes Netzwerk aus Deutsch- Spaniern. Da würde sich ganz bestimmt jemand finden für spanisch Unterricht. Wenn du magst – kontaktiere mich!

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