über: junges familienleben, nachhaltiges und gemeinschaftliches leben, gehbehinderung, bedürfnisorientiertes aufwachsen

Unos, Dos, Tres: Drei Monate im Ausland

Unos, Dos, Tres: Drei Monate im Ausland

Drei Monate sind wir jetzt hier und ich weiß gar nicht so recht, was ich darüber schreiben soll, außer: Es läuft echt super! Mein Mann sagt zwar immer noch zu jedem, der fragt, ob wir jetzt hier wohnen: „Ja, für ein Jahr“, aber ganz ehrlich: Das kann er sich auch langsam abgewöhnen, denn wir glauben beide nicht, dass es nur ein Jahr sein wird. Dafür ist es viel zu schön hier!

Dorfleben

Im Dorf fühlen wir uns zuhause. Wir kennen mittlerweile ziemlich viele Leute zumindest vom Sehen und kurzen Gesprächen. Die Tochter ist da meistens der Türöffner. Die Spanien sind wahnsinnig vernarrt in kleine Kinder, da geht keiner einfach vorbei, ohne ein nettes Wort oder eine Frage. Und auch wenn ich immer jammere, das mein Spanisch so schlecht sei – so kurze Straßengespräche sind kein Problem mehr für mich. Außer mit alten Frauen, die einfach durchgehend Valenziano sprechen. (Valenziano verwendet die gleichen Wörter wie im Katalanischen, aber mit anderem Akzent). Wenn da viele XXX und KKK vorkommen, dann weiß ich: okay, ist kein Spanisch. Ich verstehe dann nichts, antworte einfach trotzdem irgendwas auf Castellano und als Antwort kommt wieder irgendwas auf Valenziano und das ist dann auch für beide Seiten in Ordnung.

Die Frau im Supermarkt gewöhnt sich laaangsam daran, dass wir keine Plastiktüten wollen und wird kreativ, wo sie die Klebezettelchen für die Gemüsepreise anstatt dessen hinkleben könnte. Dass die Tochter keinen Lutscher bekommt, will sie nicht so ganz akzeptieren, und versucht es jedes Mal wieder. Aber auch da wird sie immer Einfallsreicher: Mal gibt es eine Erdbeere, mal ein Radel Wurst. Und die Postbotin grüßt die Tochter schon mit Namen – ich mag das, dieses persönliche. Dass jeder (wahrscheinlich) immer alles weiß, bekomme ich noch gar nicht so mit; dafür bin ich noch zu wenig involviert. Deshalb freue ich mich im Moment nur über die positiven Seiten des Dorflebens.

Gemeinschaftsleben

Total schön. Mehr gibt es eigentlich nicht dazu zu sagen. Es ist gerade so entspannt, wir sind nur zu fünft und verstehen uns echt gut. Wir treffen uns manchmal im Garten, oft bei dem einen oder anderen zuhause zum Essen, Feiern oder einfach so zwischendurch. Wir holen das Auto gemeinsam von der Werkstatt ab und erklären dem Automechaniker, dass wir uns das Sorgerecht für unseren Dobby teilen. Wir machen Pläne für Hühner, Schildkröten und einen Hund. Wir sprechen Deutsch, Englisch und Spanisch und meistens alles durcheinander. Und ich glaube, hier wächst gerade eine richtig gute Truppe zusammen.

Familienleben

Unsere Zeitenaufteilung funktioniert immer noch, auch wenn wir jetzt bald umstellen. Quasi auf spanische Sommerzeit. Es ist Mittags einfach schon zu warm, um noch was zu arbeiten. Vor allem draußen im Garten, wo mein Mann ja hauptsächlich beschäftigt ist. Deshalb will er schon ganz früh starten, um sechs oder sieben, und bis elf oder zwölf arbeiten. Danach ist Mittagspause und um drei fange ich mit meinem Block an und arbeite bis 20 Uhr. Da die Tochter immer erst gegen 21:30 Uhr ins Bett geht (dafür schläft sie aber auch länger), passen wir uns immer mehr dem spanischen Rhythmus von spät zu Abend essen und langer Mittagspause an. Die Schule hier beginnt übrigens immer erst um 9:30 Uhr. Nur so am Rande, weil ich mich immer gefragt hab, wie das geht, dass die Kinder hier so lange wach sind. Sie können auch länger schlafen.

Abgesehen von dem Arbeitsrhythmus haben wir einen festen Alltag, zu dem immer mehr Puzzle Teile dazu kommen. Einmal die Woche gehe ich zur Sprachschule und ab Juni teile ich mir mit einer anderen Person noch einen Privatlehrer einmal die Woche.
Einmal die Woche haben wir jetzt eine Spielgruppe, und freuen uns darüber wirklich total! Neun Kinder zwischen 0 und 4 zusammen spielen zu sehen, bei einer Familie, die mit so viel Liebe zum Detail vorbereitet und uns willkommen heißt – mehr Glück kann man gar nicht haben. Das sind alles deutsche Familien aus der Region, wir treffen uns bei einer Familie 20 Minuten entfernt von uns. Gleichzeitig bin ich noch in der Planung, im Dorf einer spanisch/deutsch/englische Spielgruppe ins Leben zu rufen. Das scheitert im Moment einfach noch an meinem Mut. Ich denke immer, mein Spanisch müsste erst perfekt sein, bevor ich andere Mamas anspreche. Was natürlich Quatsch ist. Da werde ich jetzt bald über meinen Schatten springen werde.
Einmal die Woche hat mein Mann seinen Fotokurs, und erweitert ganz nebenbei seinen Wortschatz.
Einmal die Woche gehe ich theoretisch zum Sport – okay, das klappt nicht. Alle drei Wochen gehe ich. Öfter wäre schon besser. Aber alles kann ja auch nicht perfekt laufen. Man muss sich ja noch steigern können.
Wir gehen immer noch regelmäßig in die Dorf-Bücherei, leihen spanische Bücher aus und sind auch damit ziemliche Exoten im Dorf. Die Computer dort sind immer sehr beliebt, aber die Bücher eher nicht – zumindest die Kinderbücher haben schon sehr lange auf kleine Leseratten gewartet.

Arbeitsleben

Das Arbeitsleben, ja, das läuft auch besser als gedacht. Hatten wir vor Ankunft gedacht, dass wir sicher ein paar Monate brauchen, um irgendwie Fuß zu fassen! Jetzt ging es doch deutlich schneller als gedacht. Zwar bringen die einzelnen Sachen nur wenig Geld, aber da wir beide mehrere Sachen auf einmal machen, ist es ausreichend (Yay, auf die Steuererklärung freu ich mich schon…nicht.).
Zumindest für die nächsten paar Monate wissen wir, woher das Geld kommt. Und danach schauen wir weiter. Aber wir sind positiv, dass sich auch dann etwas auftut.

Zusammenfassend hat sich wieder mal mein Motto bewährt:

Wenn es sein soll, wird es laufen. Wenn es nur schwierig und steinig ist, soll es nicht sein.

Was soll ich sagen: Es soll wohl so sein.

 

 



Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

* Die DSGVO-Checkbox ist ein Pflichtfeld

*

I agree