über: junges familienleben, nachhaltiges und gemeinschaftliches leben, gehbehinderung, bedürfnisorientiertes aufwachsen

Liebe und Angst gehen Hand in Hand

Liebe und Angst gehen Hand in Hand

Hand in Hand mit meinem Lieblingsmenschen. Mein Herz tanzt. So viel Liebe.

Mehr geht nicht, denke ich jeden Tag und dann wächst die Liebe über Nacht und am nächsten Tag ist es noch ein wenig mehr.

Liebe Liebe Liebe. Familie. Ein Mann. Ein Kind. Zu dritt, statt allein.

So ein Geschenk. Ich nehme es jeden Tag als ein Geschenk wahr und bin tatsächlich jeden Tag dankbar und froh und hoffe, dass einfach alles so bleibt.

Denn ich weiß, wie schnell sich alles ändern kann. Ich weiß, dass Gesundheit nicht selbstverständlich ist, ich habe eine lange Krankengeschichte hinter mir. Und auch wenn ich in diesem Sommer seit mittlerweile 8 Jahren wieder „gesund“ bin, werde ich nie mehr so unbeschwert gesund sein wie vor der Krankheit.

Und gerade weil ich gesund bin, aber es eben auch längere Zeit nicht war, bin ich dankbar für jeden Tag und gleichzeitig auch besorgt, dass sich das irgendwann ändert.

Meine jahrelange (momenteweise panische) Angst, dass ich wieder krank werde, wurde mit der Liebe zu meinem Mann, und in noch größerem Maße mit der Geburt meiner Tochter von der Angst abgelöst, dass einer meiner Liebsten krank wird. Die Angst, dass etwas passieren könnte, ist da, wenn mein Mann alleine Besorgungen macht, wenn die Tochter kränkelt, sich anders verhält als sonst oder die beiden etwas ohne mich unternehmen.

Sie lähmt mich nicht, diese Angst. Sie sorgt nicht dafür, dass ich mich nicht mehr konzentrieren kann oder minütlich meine Nachrichten überprüfe. Sie ist da, wie die Amsel vorm Fenster. Man hört sie im Hintergrund, aber schenkt der Dauerbeschallung keine besondere Aufmerksamkeit mehr.

Die Angst, meine Liebsten zu verlieren habe ich schon seit ich denken kann. Jeder morgendliche Abschied von meinem Papa, der zur Arbeit fuhr, schmerzte mich und nie durfte ich es verpassen, ihm noch einmal aus dem Wohnzimmerfenster zu winken. Das brachte Unglück. Der Abschied von meinen Eltern, bevor es auf Chorfreizeiten oder Schulausflügen ging? – Dauerte ewig, ich konnte  einfach nicht „ein letztes Mal“ Tschüss sagen.

Mitttlerweile kann ich damit umgehen. Ich habe Hilfe angenommen. Nachdem meine Ängste immer wieder genährt wurden, ich zig mal wieder erkrankte und mein Papa tatsächlich eines Tages einfach nicht mehr lebte, wurde ich von ihnen zu sehr bestimmt. Ich probierte drei Psychologen aus, bis ich einen fand, der zu mir passte. Die erste wollte, dass ich tumoröse Bäume streichle. Das fand ich seltsam. Der zweite legte Entspannungskassetten ein. Ich verschlief die Therapie. Die dritte hörte einfach zu. Ich fühlte mich nicht therapiert, ich fühlte mich begleitet. Sie begleitete mich 3 Jahre. Danach brauchte ich sie nicht mehr.

Heute ist die Angst immer noch oft da, sie bestimmt aber nicht und lähmt nicht. Sie blitzt einfach zwischendurch auf.

Wenn mich die Angst und die Gedanken zu Krankheit und Verlust einholen, hilft mir die Frage: „Was würde ich heute anders machen, wenn es morgen anders wäre?“ und meistens lautet die Antwort: „Nichts. Das Leben genießen, Zeit mit meinen Liebsten verbringen.” Dann ist alles gut.

Aber an machen Tagen lautet die Antwort anders und dann lasse ich alle Pflichten Pflichten sein, drücke meine Liebsten an mein Herz, packe sie ein und wir gehen in die Natur, lesen ein Buch, kochen besonders gut.

Ganz alltägliche Dinge, aber besonders bewusst getan. Den Moment aufsaugen. Kuscheln, reden, mit offenen Herzen beobachten. Bis das Gefühl wieder da ist: „Genau so möchte ich leben. Mit euch. Ganz egal, was morgen kommt.“

Mehr kann ich nicht tun gegen die Angst. Als zu leben. Und zu lieben.

Hand in Hand.

Jeden Tag ganz bewusst leben.

Und Lieben.



1 thought on “Liebe und Angst gehen Hand in Hand”

  • So ein toller Text! Du sprichst mir aus dem Herzen… auch ich kenne die lauernde Angst und das große Glück, wenn alle meine Lieben bei mir sind. Wahrscheinlich gibt es das eine nicht ohne das andere?
    Schön, dass ihr eure Familienzeit in Spanien so genießen könnt!

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