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Unser Gemeinschaftsgarten – Teil I

Unser Gemeinschaftsgarten – Teil I

Wir verbringen jeden Tag viel Zeit im Garten. Doch was machen wir da eigentlich so? Und wie sieht er aus, der Garten? Zeit für eine kurze Vorstellungsrunde! Im ersten Teil nehme ich euch einen Vormittag lang mit und zeige euch, was so passiert. Natürlich ist jeder Tag anders, und jeden Tag gibt es andere Abenteuer zu erleben. 

„Unser“ Garten gehört der Gemeinschaft, von der wir auch irgendwie ein Teil sind. Nicht hochoffiziell, aber mit unserem Umzug ins Dorf sind wir automatisch auch Teil von der Gemeinschaft geworden. Der Garten jedenfalls wird von 7 Erwachsenen bewirtschaftet; jeder macht dort das, was ihm/ihr gefällt. Der/die eine baut etwas, der/die andere pflanzt Gemüse an, ein dritter/eine dritte fühlt sich als Dr. Kompost für diesen zuständig. Was genau so passiert, stelle ich euch in einem zweiten Artikel vor. Jetzt wollte ich euch nur kurz erzählen, wie der Garten aussieht, damit ihr es euch besser vorstellen könnt.

Mit 5 Hektar ist der Garten ziemlich groß und er liegt am Fuße des kleinen Dorfes, in dem wir wohnen. Zu Fuß läuft man entweder zehn Minuten (wenn man als Erwachsener läuft), wenn die Tochter und ich hinunterspazieren, dauert es meistens eine Stunde. Und in der ersten Etappe des Weges wird erstmal gefrühstückt. Ohne Brotzeit das Haus verlassen wäre eine Katastrophe ;).

Das Gelände besteht aus mehreren Ebenen. Wie bei so gut wie allen Grundstücken haben die Mauren (bevor sie vor 400  Jahren vertrieben wurden) ganze Arbeit geleistet und die hügelige Landschaft terrassiert. Dadurch wurde die Auswaschung des Bodens und die Erosion gestoppt und machten eine Bewirtschaftung erst möglich.

Im Garten ist meistens schon irgendetwas los. Das ist das tolle an so einem Gemeinschaftsprojekt: viele Hände packen mit an, alle beteiligen sich in ihrer Art und Weise und man selbst ist mittendrin.

Vier große, ebene Flächen sind das Herz des Gartens. In der Mitte eine große Freifläche, auf die aber bald schon ein größeres Konstrukt kommen soll, was dann der Mittelpunkt des Gartens sein wird. Wenn alles klappt, kommt hier ein richtiges, buntes Zirkuszelt hin, in dem es Workshops und Veranstaltungen geben wird. Dann bekommt der „Colour Garden“ einen farbigen Mittelpunkt. Ich kann es mir noch nicht so gut vorstellen und finde es schade, wenn die Fläche zu verbaut wird, aber mal sehen.

Es gibt hier ganz wunderbare Spielmöglichkeiten. Klassische Spielgeräte gibt es kaum; ein Sandkasten haben wir zum Beispiel nicht im Garten. Auch keine Rutsche oder ähnliches. Das einzige klassische Spielgerät ist eine Schaukel. Aber auch die wird nicht täglich bespielt. Denn der Garten bietet von sich auch sehr viele Möglichkeiten zu spielen. Hier seht ihr einen Teil der Frühbeete, die aus geschenkten Paletten gebaut wurden. Eigentlich ist alles improvisiert und aus geschenkten oder weggeworfenen Materialien gebaut. Dass die Bauwerke dadurch keinen deutschen TüV bestehen würden und ihren ganz eigenen Charme besitzen, ist irgendwie klar. Und doch gibt es manche Leute, die mit dieser Methode des Er-Schaffens nicht so gut klar kommen. Ich bin immer mehr davon begeistert, wie mit wenig bis gar keinem Konsum etwas Neues entstehen kann.

Die Becken der Frühbeete bestehen aus auseinander geschnitten Wassertanks. Das Wasser im Garten ist besonders kostbar. Denn es gibt keine Leitung, Wasser wird mit dem Anhänger in 1000L Tanks vom Brunnen geholt und zudem wird (das wenige) Regenwasser genutzt. Zur Zeit hat es viel geregnet, deshalb sind die Wasserbecken voll und ein einladender Spielplatz. Auch wenn ich die Tochter gerne mit Wasser spielen lassen möchte, möchte ich ihr schon früh vermitteln, dass es nicht einfach auf den Rasen gegossen wird. Die Pflanzen brauchen hier immer dringend Wasser. Ich versuche also, dass sie statt das Wasser einfach vor Ort aus schüttet, die umstehenden Bäume gießt. Klappt manchmal, aber meistens noch nicht. Aber wir versuchen das einfach weiter.

Auf der oberen Eben werden die in den Frühbeeten vorgezogenen Pflanzen in die angelegten Beete gesetzt. Zur Zeit blühen hier die Obstbäume, Lilien, Astern, Malven und viele andere Pflanzen.

Hier eine Übersicht von letztem Jahr. Das Problem ist auch hier die Wasserversorgung. Es gibt den Beginn eines Bewässerungssystems, aber wirklich funktionieren tut das noch nicht. Die große Chance und gleichzeitig die große Schwierigkeit bei diesem Gartenprojekt ist, dass sich keiner verantwortlich fühlen muss und jeder das macht, worauf er Lust hat. Wenn also jetzt jemand Lust hat Gemüse zu pflanzen, macht er das. Das muss aber nicht unbedingt heißen, er hat auch Lust, sich um die Bewässerung zu kümmern. Und dann geht viel kaputt und es gibt Knatsch. Gießen ist hier jedenfalls gerade ein kleines Streitthema.

Auf der obersten Ebene wachsen Orangen. Kleine, ungespritze, von Hand gepflegte und mit Pferdemist von den Nachbarpferden gedüngte Orangen. Viel, viel kleiner als die im Handel zu erwerbenden Exemplare und trotzdem sehr saftig und wunderbar duftend. Und dass die Bäume es hier schaffen, trotz der Trockenheit überhaupt so viel Wasser in ihre Früchte anzureichern, ist erstaunlich finde ich.

Auf der unteren Ebene des Gartens halten wir uns selten auf. Aber gerade dort ist es im Moment am aktivsten. Es wird gehämmert und gebaut. Eine Hütte entsteht. Die großen Balken hat mein Mann dafür im Dorf gegen Feuerholz getauscht. Die sollten nämlich ursprünglich verfeuert werden. Jetzt tragen sie bald ein neues Gebäude.

Bis Ende des Monats ist es noch erlaubt, Gartenabfälle zu verbrennen. Dafür braucht es eine Lizenz und es wird streng geregelt, wann Feuer gemacht werden darf (Wind, Sonne, Regen, …). Ein Brand würde sich rasch ausbreiten und wäre für die Bauern, die von ihren Oliven und Mandelplantagen abhängig sind, eine Katastrophe. Bei guten Bedingungen, wie heute morgen, als der Boden durch den nächtlichen Regen nass war, wird das Schnittgut verbrannt. Bei 5 Hektar kommt einiges zusammen. Das packt unser Kompost nicht.

Neben den ganzen Aktivitäten bleibt auch Zeit für eine kurze Pause zwischendurch. Denn das ist der tolle Nebeneffekt von unserem Gemeinschaftsgarten: Es ist der Ort, an dem wir uns alle täglich sehen, manchmal kurz, manchmal lang. Manchmal arbeitet man zusammen, manchmal für sich. An manchen Tagen kommt es zu einem langen Plausch, an anderen grüßt man sich nur kurz. Der Garten verbindet uns und bildet das Herzstück unserer Gemeinschaft.

Und der Wegweiser, den ihr oben seht? Was es mit den ganzen Orten auf sich hat, erzähle ich euch im zweiten Teil. Und jetzt ab nach draußen, die frische Luft genießen! ;).



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