über: junges familienleben, nachhaltiges und gemeinschaftliches leben, gehbehinderung, bedürfnisorientiertes aufwachsen

Problem Zeitmanagement: endlich haben wir einen Arbeitsrhythmus!

Problem Zeitmanagement: endlich haben wir einen Arbeitsrhythmus!

Tatsächlich zum ersten Mal seitdem die Tochter auf der Welt ist (immerhin schon fast 1,5 Jahre!) haben wir einen festen Rhythmus, der für alle passt. Während wir unsere Bachelorarbeiten geschrieben haben, haben wir uns abgewechselt: Erst habe ich die Tochter betreut, während mein Mann geschrieben hat und dann hat er mir den Rücken freigehalten, während ich geschrieben habe. Danach kam eine Phase, in der er gearbeitet hat, während ich zuhause war, aber das war ja nur 2-3 mal die Woche. Die meiste Zeit seit der Geburt haben wir irgendwie total unkoordiniert nebeneinander und miteinander irgendwas gemacht und waren uns ständig im Weg und hatten nie wirklich Zeit. So fühlte es sich an.

Was hat sich geändert?

Ich glaube, der Hauptanteil liegt daran, dass ich Zeit einfordere und sie auch konsequent nehme. Erst jetzt bin ich soweit, meine eigenen Interessen wieder zu verfolgen und die Tochter für mehrere Stunden abzugeben. Bisher war sie immer meine erste Priorität. Jetzt will ich neben der Zeit mit ihr auch Zeit für mich haben. Das war bisher noch nicht der richtige Zeitpunkt für mich als Mama. Aber jetzt war ich innerlich dafür bereit. Und da ich meine Arbeitszeit jetzt auch konsequent nutze (und ja, eventuell bin ich sogar ein bisschen zu penibel mit meinen Minuten ;)) und einfach nicht da bin, schafft es jetzt auch mein Mann, sich komplett rauszuziehen. Das war bei uns immer ein schwieriges Thema, was ich hier schon mal angesprochen hatte.

Wie sieht unser Tagesablauf aus?

Wir stehen mit der Tochter auf, meistens kurz vor acht und mein Mann setzt sich mit seinem Müsli um acht ins Arbeitszimmer. Die Tochter und ich gehen erst einmal ins Bad, das dauert…. (vor allem bei ihr, nicht bei mir!) danach frühstücken wir unter der Woche unser Müsli mit Obst. Nach dem Frühstück räume ich ein wenig auf, mache Wäsche, wische gefühlt täglich den unfassbar empfindlichen Boden, der immer dreckig aussieht und plane das Mittagessen. Die Tochter hilft mit, hat selbst einen Besen und einen Wischmopp, räumt die Waschmaschine mit ein und aus und ist einfach dabei und macht mit. Irgendwann (manchmal auch schon vor dem Frühstück) bringt mir die Tochter ihre Schuhe und versucht, sich ihre Jacke anzuziehen, steht mit ihrem Wagen vor der Wohnungstür und will endlich nach draußen. Entweder wir machen das dann auch gleich und gehen in den Garten, oder ich bastle noch ein bisschen mit ihr. Wir malen oft zusammen, oder kümmern uns um die Gemüsepflanzen. Aber bei schönem Wetter gehen wir fast immer in den Garten und bei nicht so schönem Wetter auf den Platz vor der Haustür. (Wirklich schlechtes Wetter gibt es ja quasi nicht mehr.) Um halb zwölf geht es zurück nach Hause, die Tochter und ich kochen gemeinsam und um halb eins essen wir alle zusammen zu Mittag.

Den Nachmittag verbringt mein Mann mit der Tochter, während ich um zwei ins Arbeitszimmer gehe. Da wir noch kein Internet haben (kommt aber hoffentlich bald, sonst verzweifle ich) gehe ich auch oft in das Gemeinschaftshaus und nutze dort das Internet. Da bin ich aber auch oft abgelenkt, weil irgendjemand da ist und man ja doch nicht so unhöflich sein kann und sich stumm in die Ecke setzen kann. Das ist nicht optimal und auch, das mir mit hoch- und runter laufen eine halbe Stunde verloren geht, nervt mich. Aber das wird sich ja hoffentlich bis spätestens Ende nächster Woche geklärt haben. Ich arbeite dann bis sechs. Danach essen wir zu Abend und ich bringe die Tochter ins Bett. Dann ist es meistens zwischen acht und neun Uhr. Wenn der Abend gut läuft, lerne ich noch eine halbe Stunde Spanisch oder schreibe für den Blog, wenn schlecht, gehe ich einfach mit der Tochter ins Bett. Ich bin abends immer hundemüde.

Einmal die Woche gehe ich mit der Tochter vormittags einkaufen, oder mein Mann fährt – jeweils verbunden mit einem Besuch am Meer. An einem Nachmittag habe ich meinen Spanischkurs, wodurch mir die Arbeitszeit verloren geht. Das nervt mich, aber der Kurs ist mir auch wichtig. Es ist bloß blöd, dass ich abends nichts mehr machen kann, weil ich einfach zu müde bin und zu nichts mehr zu gebrauchen. Aber das muss ich akzeptieren, meine Energiereserven sind einfach geringer als bei anderen.

Dieses Modell haben wir jetzt seit zwei Wochen und es klappt prima. Allerdings sind wir mit den vier Stunden nicht ausgekommen, es ist einfach zu wenig. Deshalb haben wir die Zeiten jetzt noch einmal gestreckt, von acht bis eins und von zwei bis sieben. Dann müssen wir einfach zwischendurch eine Zwischenmahlzeit einplanen (also vor allem ich, ich bin hier im Hause immer die Hungrigste) und die Mahlzeiten gibt es dann später.

Also alles prima?

Ich würde sagen, fast. Mit dem neuen Rhythmus gibt es für jeden eine neue Situation, an die wir uns alle noch gewöhnen müssen.

Der Tochter wäre es sicher lieber, wenn ich die ganze Zeit da wäre und auch der Papa stöhnt abends manchmal, dass es nicht so einfach mit ihr war. Da müssen beide durch, würde ich sagen ;). Was ich so von außen mitbekomme, läuft es mit den beiden prima. Nur die Ansprüche an die gemeinsame Zeit müssen noch angepasst werden. Auch mir fehlt die Tochter manchmal in der Arbeitszeit. Aber es geht nur so. Es ist einfach mittlerweile nicht mehr möglich, etwas zu tun, während sie dabei ist. Das ging früher noch gut, als sie einfach im Tragetuch geschlafen hat oder gestillt hat.

Für uns als Paar ist es ungewohnt, so viel Zeit getrennt voneinander zu verbringen. Wir müssen erst noch lernen, Sachen konkret in der Mittagspause oder Abends zu kommunizieren, denn sonst gehen sie einfach unter. Bisher lief das einfach nebenbei, man hat eh alles mitbekommen oder kommunizierte kurz zwischendurch miteinander und das den ganzen Tag über. Jetzt sitzen wir am Mittagstisch und haben irgendwie nichts zu reden, weil der Eine noch in seiner eigenen Welt steckt und die Andere in Gedanken schon bei ihren Aufgaben ist. Das ist nicht optimal und müssen erst lernen, dass wir die Zeit, die wir zusammen haben, auch zusammen verbringen. Muss sich eben alles neu anpassen.

Und natürlich muss auch irgendwann etwas „herumkommen“ dabei. Aber das braucht auch etwas Zeit und so über Nacht stampft man nichts aus dem Boden. Da ist Geduld gefragt, die wir im Moment noch haben. Und wir sind auch zuversichtlich, dass unsere Ideen fruchten (sonst würden wir es ja nicht machen).

Erstmal werden wir unseren Rhythmus so beibehalten und uns selbst und unseren Ideen etwas Zeit geben. Und dann werden wir sehen, wohin es uns führt.

 



3 thoughts on “Problem Zeitmanagement: endlich haben wir einen Arbeitsrhythmus!”

  • Hallo Veronika,

    ich hab‘ gerade eine Menge Beiträge rund um eure Zeit in Spanien gelesen. Cool, dass ihr dort angekommen seid und euch einlebt. Speziell die Situation mit dem „nicht unhöflich sein“ kenne ich sehr gut. Meine tägliche Arbeit ist auch sehr bildschirmlastig (Homeoffice) und ich bin online und telefonisch stets erreichbar. Das führt häufig dazu, dass meine Mitmenschen davon ausgehen, dass ich auch stets Zeit für sie und ihre Anliegen hätte. 😉

    Das liegt sicher auch etwas daran, dass meine Arbeit grundsätzlich als Hobby betrachtet wird, weil es halt auch sehr an meinen persönlichen Interessen ausgerichtet ist. Konkret unter anderem Ernährung bei Neurodermitis (Tochter Nr.1), da lese ich mich zum Teil sehr tief ein, probiere viel aus und verarbeite das auch in Projekten weiter. Kürzlich habe ich zum Beispiel bei http://www.pseudogetreide.info veröffentlicht, was genau aus dieser Situation entstanden ist.

    Ich übe noch das Nein-sagen. Das fällt mir zunehmend leichter. 🙂

    Euch noch eine gute Zeit in Spanien.

    LG,
    Ralf

    • Hallo Ralf,

      danke für deinen Kommentar. Das Nein-sagen muss man im Home-Office wirklich lernen, sonst wird man von lauter externen Aufgaben von der eigentlichen Arbeit abgehalten. Ich wünsche dir dabei weiterhin viel Erfolg :).

      Viele Grüße
      Veronika

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

* Die DSGVO-Checkbox ist ein Pflichtfeld

*

I agree