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Fail of the day #11 – Vom falsch parken, spanischen Nachbarn und zu viel Kuchen

Fail of the day #11 – Vom falsch parken, spanischen Nachbarn und zu viel Kuchen

Falsch geparkt

Die Leute im Dorf sind ja wirklich super freundlich. Viele bleiben kurz stehen, wenn man sich trifft und halten ein kurzes Schwätzchen und alle grüßen. Ich mag das, dieses grüßen. In unserer Ostdeutschen Kleinstadt haben die Menschen blöd gegafft wenn man gegrüßt hat. Nicht alle, aber schon eher viele als wenige. Jetzt bin ich ja für ein Schwätzchen immer gern zu haben, nur klappt das hier noch sehr bedingt, da ich der Sprache nicht wirklich mächtig bin. Oder sagen wir mal: sehr einseitig. Ich  verstehe, was man mir sagt aber kann leider nichts erwidern. Das führt dann manchmal zu sehr skurrilen Situationen:

Letzte Woche war mein Mann einmal abends unterwegs und als ich gerade dabei war, die Tochter bettfertig zu machen, klingelt es an der Tür. Der Nachbar von nebenan stand davor (es gibt so einen fancy Fernseher, wo man sieht wer vor der Tür steht, voll cool oder?) und erklärte, unser Auto stünde vor seiner Tür. Ob wir es bitte wegfahren können. Ich sagte ‚si‘ (so viel kann ich!) und nahm die Tochter auf den Arm und ging nach unten. Geistesgegenwärtig dachte ich an Haus- und Autoschlüssel und war schon mega stolz auf mich selbst.

Unten angekommen, gestikuliert der Nachbar wild und erklärt mir mit vielen Worten, warum er jetzt nicht ins Haus käme und ob ich ein Stück zurückfahren kann. Ich gestikuliere zurück, dass ich einfach auf die andere Seite fahren kann, denn da war noch alles frei. Nein, nein ich solle einfach zurückfahren. Er streckte die Arme aus, um die Tochter zu nehmen, die sich gleich an meiner Schulter festklammerte. Hilfe Mama, ein wild gestikulierender Spanier! Sie blieb natürlich auf meinem Arm und ich setzte mich mit ihr ins Auto. Der Nachbar winkt energisch ab, als ich den Motor starten will und will mich rückwärts schieben. Langsam steigt mein Stresslevel und ich wünsche mir, dass er mich einfach machen lässt. Aber ne, zu viel Hilfsbereitschaft. Schieben klappt nicht. Ich will den Motor starten und würge den Wagen erstmal ab. Mit Kind am Schoß fahren ist auch nicht so gewöhnlich, nebenbei fragt mich der Nachbar aus und ich kann auf nichts in Ruhe antworten, weil schon die nächste Frage wartet. Ich bin gestresst. Zwischendurch murmelt er etwas von „solo la mujer“ (nur die Frau) und will wissen, ob mein Mann nicht da sei. Nein, sage ich und starte noch einmal den Motor. Was will er denn damit sagen, ich bin ja wohl in der Lage das Auto zurückzufahren! Ich starte also nochmal, lege den Rückwärtsgang ein und fahre zurück. Der Nachbar redet und fuchtelt und tut und winkt mich zurück und sagt „vale, vale, vale!“ und dann macht es rumms und nichts ist mehr vale und das Auto vom andern Nachbarn stand im Weg. Spätestens jetzt bin ich richtig gestresst und es ist mir einfach mega peinlich. Ich steige aus mir der Tochter am Arm, der Nachbar schüttelt mit dem Kopf und sagt wieder irgendwas mit mujer und fragt, dass ich ja gar nichts verstehen würde und dass es mit dem Auto nicht schlimm sei. Ist es auch nicht, es war nur leicht angeditscht und das Auto ist außerdem so ein Geländewagen mit vorne so einem dickes Alu-Kreuz, was super als Stoßdämpfer fungiert. Nichts passiert, nichts passiert beruhigt mich der Nachbar, aber ich würde am liebsten im Boden versinken so peinlich ist mir das Ganze. Ich komme mir einfach so Dumm vor, wenn ich nichts sagen kann, weil der andere mich so zuschwallt und dann auch noch so eine Aktion. Der denkt bestimmt ich kann nicht Autofahren und morgen weiß es das ganze Dorf!

Mein Mann entschuldigte sich am nächsten Tag, dass er das Auto so ungünstig geparkt hatte und da war es dem Nachbarn wiederum super unangenehm, dass ich alleine zuhause war und er mich mit Kind nach unten geklingelt hatte und das Auto umparken ließ und entschuldigte sich wiederum dafür bei meinem Mann.. also war es für uns beide eine gleichermaßen unangenehme Situation gewesen.

Stell dir vor es gibt Kuchen, und keiner kommt

Am Sonntag haben wir dann Kuchen gebacken und wollten uns damit bei den Nachbarn vorstellen. Das kennen wir so aus Deutschland und dieser Brauch ist ja auch ganz nett, um mal kurz zu klingeln und hallo zu sagen. Wir waren vorher schon super nervös, weil man das in Spanien ja wahrscheinlich nicht macht und vielleicht fänden die Nachbarn das ja auch doof oder so. Da wir gehört haben, dass die Spanier sich gegenseitig nicht in ihren Häusern besuchen, sondern deshalb im Sommer immer draußen auf dem Platz sitzen, gingen wir davon aus, dass wir nur kurz klingeln würden, hallo sagen und weitergehen würden. So viel zu unserer Planung. Der Kuchen war gebacken und auf Tellern verteilt, vier Teller mit zwei Stücken, ein Teller mit vier Stücken und zwei Teller mit einem Stück, je nach Bewohneranzahl der Wohnungen und angrenzenden Häusern. Dann die Überlegung, wo man anfängt. Oben oder unten im Haus? Und wie machen wir das mit den Tellern? Alle auf einmal oder immer hoch- und runterlaufen? Wir haben uns wirklich (zu) viele Gedanken gemacht.

Mit der ersten Wohnung neben unserer fingen wir an. Die Person haben wir noch nicht getroffen, die dort wohnte. Wir klingelten – niemand antwortete.

Die zweite Wohnung unter uns: wir klingelten – niemand antwortete.

Die dritte Wohnung unter uns: wir trauten uns nicht zu klingeln. Wir hatten den Bewohner am Vortag in einer für ihn sehr unangenehmen Verfassung angetroffen und wollte ihm die Peinlichkeit ersparen.

Die vierte Wohnung unter uns: wir hörten die Kinder spielen und klingelten. Ein Kind rief nach der Mama, aber keiner machte die Tür auf. Wir warteten ein paar Minuten. Nichts tat sich. Wir klingelten noch einmal. Wieder Stimmen. Wieder öffnete keiner. Wir warteten. Nichts tat sich. Komisch.

Wir gingen aus der Haustür raus und zu dem rechten Nachbar (dem mit dem falsch geparkten Auto vor der Tür). Sein Auto war nicht da. Wir klingelten nicht.

Wir fühlten uns seltsam mit unserem Kuchen und den verschlossenen Türen.

Zu dem Nachbar links gingen wir nicht mehr.

Wir gingen wieder in unsere Wohnung und hatten plötzlich sehr viele Teller mit sehr viel Kuchen.

Schnell verstecken, da klingelt jemand!


2 thoughts on “Fail of the day #11 – Vom falsch parken, spanischen Nachbarn und zu viel Kuchen”

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