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Bienvenidos a españa! Unsere ersten Tage in Spanien

Bienvenidos a españa! Unsere ersten Tage in Spanien

Noch nicht mal eine Woche sind wir hier, aber wir haben uns schon ein bisschen eingelebt. Die Tage sind gerade etwas kühl, was an dem frischen Wind liegt, aber zum Wochenende soll es wieder angenehmer werden. Und verglichen mit den Schneebildern, die mich aus Deutschland erreichen, haben wir es hier wirklich angenehm. In der Wohnung sind wir schon ein bisschen heimisch geworden; die Tochter hat ihren Lieblingsplatz schon gefunden (siehe Foto unten):

Das Chaos in unseren vier Wänden lichtet sich, auch wenn ein paar Kartons noch aufs Auspacken warten. Dafür fehlt uns allerdings noch Stauraum – wir brauchen noch ein paar Schränkchen oder Regale. Die Wohnung hat leider weder einen Speicher, noch einen Kellerraum oder eine Besenkammer. Also müssen wir unseren Krempel irgendwie so unterbringen. Das geht schon irgendwie, aber es gibt auch keine Garderobe, was eher das Problem werden könnte… aber mal sehen, wir sind ja kreativ im Lösungen suchen. Im Moment hängen die Jacken an Karabinern am Treppengeländer und die Schuhe stehen in Blumenkästen vor der Tür – das funktioniert auch ganz gut eigentlich.

An den Ausblick haben wir uns immer noch nicht gewöhnt und ich hoffe die Freude darüber hält sich noch eine Weile. Es ist einfach wunderschön, morgens nach dem Aufwachen den Vorhang ein Stück zur Seite zu schieben und aus dem Fenster zu schauen. Wir haben das Bett ganz ans Fenster geschoben und dieses Rausschauen morgens ist ein neues Aufwachritual geworden. Auch die Tochter ist ganz fasziniert, wir erzählen was man alles sieht (die Berge, das Ebro-Delta, das Meer, die nächstgrößere Stadt Vinaros, …) und sie nickt ganz verständnisvoll und sagt „ja“, „ja“ und wenn ein Hund bellt „wuff wuff“ und so beginnt unser Morgen total entspannt im Bett. In beiden Schlafzimmern und im Wohnzimmer sind riesige Fenster mit diesem tollen Blick und es wirkt so beruhigend auf das Gemüt, wenn man die Weite des Himmels vor sich hat und der Blick in die Ferne schweifen kann… ich liebe es! Als ich 2007/08 in Kanada war für einen High School Aufenthalt hatte meine beste Freundin dort auch einen Blick aufs Meer aus ihrem Wohnzimmer. Und bei den vielen Übernachtungen bei ihr und den zahllosen Malen mit Blick auf die Departure Bay dachte ich mir immer: so will ich mal wohnen. Wenn ich jeden Morgen den Blick aufs Meer richten kann, dann wohne ich so wunderbar, besser kann man es nicht treffen.

Im Dorf werden wir sehr, sehr herzlich (und sehr neugierig) aufgenommen. 600 Menschen leben hier, wobei viele auch nur im Sommer hier sind oder Wochenendwohnungen haben. Es gibt einen kleinen Supermarkt, eine Apotheke, eine Bank, zwei Kneipen und im Sommer auch zwei Restaurants, eine Post (die hat täglich von 10:30-10:45 Uhr (!) offen) und eine Bücherei.

Wie es im Dorf abläuft, ist an einem Beispiel gut zu erzählen: An unserem Ankunftstag machten wir uns auf den Weg von der Casa, dem Haus unseres Bekannten hier, hinunter zu dem Platz, an dem das Haus mit unserer Wohnung liegt. (In Erwachsenenzeit gemessen sind es circa drei Minuten den Berg hinunter. In Kleinkindschritten dauert es ungefähr eine halbe Stunde.) Auf halbem Weg kam uns eine andere Familie mit zwei Kindern entgegen und der Mann begrüßte uns: „Ach hallo, ihr seid doch die, die jetzt da unten in der Dachgeschosswohnung wohnen werden“. Wir hatten die Wohnung noch nicht mal gesehen, aber die Dorfbewohner wussten schon, dass wir da wohnen. Das war echt lustig und es gleichzeitig war klar, dass wir wahrscheinlich gerade das Dorfgespräch Nummer eins sind. Spätestens seitdem uns die Supermarkt Frau alias Tratschkönigin gestern ein bisschen ausgefragt hat. Und ja, so wird mein Spanisch auch jeden Tag besser, weil nämlich jede/r stehen bleibt und sich mit einem unterhält und auch wenn ich noch so rumstottere, es wird hartnäckig weitergefragt. Auf Catalán (Katalanisch) und Castellano (Spanisch).

Gestern sind wir in die Bücherei hier gegangen, die hat Montags und Mittwochs offen. Ich würde das gerne als wöchentliches Ritual einführen, dass sich die Tochter ein bis zwei Bücher ausleiht und ich mir auch eines ausleihe und das dann bis zu nächsten Woche durcharbeite. Mein Mann kam beim ersten Mal mit, da ich mich mit der Sprache noch ziemlich beschränkt fühle und fragte nach der Ausleihprozedur. Langsam, langsam meinte die Bibliothekarin, wir sollten einfach erstmal Bücher aussuchen. Okay, haben wir dann gemacht, und mein Mann fragte danach, ob wir einen Ausweis bräuchten. Nein, einen Ausweis gäbe es hier nicht, meinte die Bibliothekarin. Mein Mann fragte, ob wir unseren Namen hier lassen sollten. Die Bibliothekarin: Langsam, langsam! Welche Bücher würden wir denn ausleihen? Wir zeigten ihr die Bücher. Okay, sie wüsste jetzt welche Bücher. Bekommen wir einen Stempel in die Bücher, fragte mein Mann? Nein, nein, wir sollen sie einfach mitnehmen, sie hätte sich das jetzt gemerkt. Ich musste so in mich hinein grinsen. Und dann fragten wir noch, ob wir mit der großen Kopiermaschine, die im Raum stünde, etwas einscannen könnten. Nein, die sei leider kaputt, meinte die Bibliothekarin. Aber ob wir sie vielleicht reparieren könnten? Sie würde so komische Geräusche machen und keiner wüsste warum. 😀

Spoiler: wir haben die Maschine nicht repariert, aber haben nun drei Bücher zuhause. „Frederick“ auf Spanisch und eine Einschlafgeschichte „Todas las noches la misma historia“ für die Tochter und ein kleines Lexikon „Los plantes“ für mich.

Ansonsten sind wir noch damit beschäftigt, unsere N.I.E zu beantragen, das ist die Número de Identidad de Extranjero (Ausländernummer) und die brauchen wir für die Miete der Wohnung, und um Wasser und Strom zu beziehen. Für den Internetanschluss brauchen wir ein spanisches Bankkonto, und das wiederum bekommen wir nur mit dieser Nummer. So einfach, so gut: man braucht diese Nummer. Jetzt ist nur die Frage, wie man an diese Nummer kommt. Es gibt eine Berufszweig hier, der besorgt N.I.Es für Ausländer. Man bezahlt 100€ und der N.I.E Händler besorgt einem diese Nummer. Die Nummer kostet aber nur 20-30€ und da wir sparen wollen, dachten wir, wir besorgen uns die N.I.E einfach selbst. Herausgefunden haben wir, dass man die N.I.E hier in der Region in Castellón besorgen muss. Dazu muss man sich bei einem bestimmter Polizeistelle melden. Und uns wurde erzählt, man braucht unbedingt einen Termin. Wo man jetzt aber diesen Termin ausmachen kann, und was für ein Formular man braucht konnte uns bisher niemand sagen. Die laut Internet zuständige Stelle verwies uns wieder aufs Internet und legte auf. Kein Hola, kein Adios. Der zweite und dritte Versuch dort anzurufen schlug fehl, weil die netten Beamten einfach durchklingeln liesen. Im Internet findet sich natürlich nix! Im örtlichen Ajuntament versuchte man, uns zu helfen, aber eigentlich wusste keiner so wirklich, wie man die N.I.E bekommt. Und Antonio, der Zwischenhändler bot uns statt Informationen einen guten Preis (180€ für zwei Personen). Die N.I.E. beantragt man in jeder Region anscheinend ein bisschen anders und überall gibt es diese Zwischenhändler. Bisher haben alle, mit denen wir gesprochen haben, irgendwann aufgegeben und einen Zwischenhändler in Anspruch genommen. Der Berufszweig hat also anscheinend durchaus seine Berechtigung. Sollten wir keine Arbeit hier finden, aber herausfinden wie man die Nummer bekommt, werden wir einfach N.I.E. Zwischenhändler.

Wir sind jeden Tag im Garten und haben angefangen, Pflanzen vorzuziehen. Wir wollen unsere Terrasse begrünen und ein bisschen Gemüse und Kräuter pflanzen. Die Samen haben wir aus Deutschland mitgebracht und wir denken, das meiste kann man jetzt schon vorziehen, auch wenn es in Deutschland erst ab März oder April möglich ist. Es ist hier ja mit um die 15 Grad (aber kaltem Wind) tagsüber warm genug und wenn wir noch ein paar Wochen abwarten, bevor wir die Pflanzen nachts draußen lassen (da hat es jetzt noch um die 2 Grad), kann auch nichts passieren denke ich. Zwar sind manche Pflanzen auch auf die tägliche Sonnenscheindauer angewiesen, um zu keimen, aber das probieren wir jetzt einfach mal aus.

Uns geht es also erstmal sehr gut hier und wir sind viel am Kontakte knüpfen, Ideen ausarbeiten und herum räumen. Was man halt so macht, wenn man gerade umgezogen ist – egal ob in Deutschland, oder im Ausland. Erstmal ankommen. 🙂



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