über: junges familienleben, nachhaltiges und gemeinschaftliches leben, gehbehinderung, bedürfnisorientiertes aufwachsen

Gemeinschaftssuche – die fünfte Station

Gemeinschaftssuche – die fünfte Station

Einen Teil der dezentralen Lebensgemeinschaft, nämlich den spanischen Ableger, haben wir letztes Jahr im Herbst ausgiebig besucht. Dort lebt ein Bekannter von uns, der uns eingeladen hat. Ursprünglich wollten wir nur zwei Wochen Urlaub dort machen, waren dann aber sechs Wochen vor Ort. Die Zeit war sehr intensiv, wir haben viel neuen Input bekommen, waren am Anfang sehr begeistert und sind am Ende mit gedämpfter Stimmung wieder abgereist.

Da die Lebensgemeinschaft als dezentrale Gemeinschaft organisiert ist, gibt es auch einen Ableger in Deutschland, von dem wir bisher sehr viel gehört hatten, aber die wir noch nicht kannten. Für unseren Entscheidungsprozess war es uns deshalb sehr wichtig, diesen Besuch Anfang Januar zu machen. Da die Mitglieder der Gemeinschaft in der Nähe von den Schwiegereltern im Umkreis von Köln lebten, bot sich erst jetzt ein Besuch an.

Die zwei Frauen und ein Hund sind mit dem dritten Gründungsmitglied eng verbunden und teilen eine sehr lange Freundschaft miteinander. Sie kommen jedes Jahr mehrmals nach Spanien. Für sie ist das die zweite Heimat, wobei sie in Deutschland deutlich mehr Zeit verbringen, da hier auch die Arbeitsplätze sind und Spanien daher eher als Urlaubsort genutzt wird.

Der Besuch zum jetzigen Zeitpunkt ist auch für mich sehr wichtig. Je länger wir aus Spanien weg sind, desto größer scheinen meine Zweifel zu werden. Bei der ersten Begrüßung ist die Stimmung freundlich, aber von beiden Seiten verhalten. Im Vorhinein wurden viele E-Mails ausgetauscht, in denen es um die zukünftigen Projekte ging, um unsere Vorstellungen, um die Zukunft der Gemeinschaft und um verschiedene Punkte zum Konzept der Gemeinschaft. Diese E-Mails wurden von den Gemeinschaftsmitgliedern rein auf der Sachebene geführt. Für mich waren diese Art der Kommunikation sehr schwierig, da ich die emotionale Ebene in meiner Kommunikation immer mitführe und mich dadurch zurückgewiesen bzw. unverstanden gefühlt habe. Es ist auch schwierig, miteinander per E-Mail zu kommunizieren, wenn man die Person noch nicht kennen gelernt hat und nicht weiß, was für eine Art Mensch das ist und auf welche Art und Weise einzelne Themen diesen Menschen berühren. Zudem kommt noch hinzu, dass es in der Vergangenheit ein paar ernsthafte Versuche gab, in die Gemeinschaft einzusteigen, die allesamt (aus verschiedenen Gründen) fehlgeschlagen sind. Die Schatten der Vergangenheit haben mit uns natürlich nichts zu tun, aber zeigten sich doch auch in der E-Mail Kommunikation in einer größeren Dimension als wir sie hätten wahrnehmen können.

Im direkten Gespräch mit den beiden konnte das dann angesprochen werden. Ebenso habe ich den Mut aufgebracht, meine Zweifel zu äußern. Darauf werde ich noch einmal ausführlicher eingehen, denn da kommt einiges zusammen mittlerweile ;). Nachdem die beiden Punkten dann ausgesprochen waren, wurde der Besuch dann richtig nett. Die Spannung fiel ab, auch von den beiden. Auf deren Seite war nämlich die Angst, dass wir den Entschluss überstürzt gefasst hätten. Auch wollen sie nicht mehr als Auffangbecken von verzweifelt-nach-einem-Sinn-oder-Glück-suchenden Menschen dienen. Mit beiden können wir, denke ich, nicht dienen. Daher konnten auch die beiden sich entspannen.

Wir sprachen über die Projekte, die dieses Jahr in Spanien anstehen und ihre Vorstellungen, wie sie darin von Deutschland aus involviert sein können/wollen. Ein Thema war der Wunsch vom Wachsen der Gemeinschaft. Auch hier in Deutschland ist der Wunsch da, die Gemeinschaft zu vergrößern. Im Dorf gibt es eine gute nachbarschaftliche Gemeinschaft, zwei Parteien halten hier zum Beispiel gemeinsam Hühner. Das Gespräch drehte sich auch viel um unsere Wünsche und Vorstellungen einem Leben in einer Gemeinschaft betreffend und auch einem Leben in Spanien betreffend.

Es ist immer etwas schwierig, wenn sich Erwachsene über mehrere Stunden hinweg unterhalten und die Tochter hat sich dabei (verständlicherweise) langweilt. Durch die Ablenkung mit Loulou, dem Hund ging das aber ganz gut. Zwischendurch waren wir auch viel vor der Tür, haben die Hühner angesehen und gefüttert, waren mit dem Hund spazieren und haben ein wenig im Garten gewerkelt. Die Tochter wurde hier sehr, sehr freundlich aufgenommen. Die Kontaktaufnahme von Kind und Hund wurde sehr liebevoll begleitet und auch auf quengeln und Wutanfälle wurde voll verständnisvoll reagiert. Ich habe mich als Familie hier sowohl beim Einhalten der festen Mahlzeiten, Schlafenszeiten oder auch beim stillen, trösten und Abwechslung bieten für die Tochter sehr wohl gefühlt. Das ist ja auch nicht immer überall so gegeben und war eine schöne Erfahrung.

Dass dieses Treffen der Gemeinschaft gut war, war für mich unheimlich wichtig: Die Sympathie sollte auf jeden Fall passen. Denn schließlich sieht man sich eventuell auch in Zukunft öfter. Vorerst halten wir engeren Kontakt, und haben schon das nächste Treffen ausgemacht. Bietet sich auch an, wenn wir in den nächsten Wochen bei den Schwiegereltern wohnen und nur eine gute halbe Stunde entfernt sind. Zwar reichen zweieinhalb Tage, um in Loulous Herde aufgenommen zu werden: Der Mann wurde jedenfalls bis auf den Zahn vorm Rechen verteidigt. Für uns Menschen braucht es aber doch mehr Zeit, um sich näher kennen zu lernen.

 

 



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