über: junges familienleben, nachhaltiges und gemeinschaftliches leben, gehbehinderung, bedürfnisorientiertes aufwachsen

Der spanische Stand der Dinge

Der spanische Stand der Dinge

Was machen eigentlich unsere Spanien-Pläne?

Nun, die gären so vor sich hin, würde ich sagen.

Unser Plan im Februar/März noch einmal zur Gemeinschaft in Spanien zu reisen, hat sich verfestigt. Es gibt jedoch einige offene Fragen, die wir zum Teil bis dahin noch klären werden, zum Teil aber auch erst vor Ort beantworten werden können.

Organisatorisches:

Da die Anschaffung eines größeren Autos in den nächsten Jahren sowieso anstehen würde, haben wir beschlossen, diese Investition vorzuziehen und unsere Sachen mit einem größeren Wagen nach Spanien zu transportieren. Das bedeutet aber, dass wir unseren Kleinwagen vorher verkaufen müssen. Bisher hat das noch nicht geklappt und so hoffen wir, dass dieser Orga-Punkt im Januar über die Bühne geht, wir ein passendes, bezahlbares größeres Auto finden und dann damit starten können. Ist das erledigt, können wir auch einen Abfahrts-/flugtermin festlegen.

Bild von Rolf Habel

Gemeinschaftliches:

  • In der Gemeinschaft ist einiges unklar. Die Anzahl der Personen beläuft sich aktuell auf drei, wobei zwei in Deutschland leben und nur eine Person dauerhaft in Spanien lebt. Diese Idee einer dezentralen Gemeinschaft finde ich persönlich total klasse. So können zum Einen Güter zwischen den verschiedenen Wohneinheiten getauscht werden. Zum Anderen ist man als Gemeinschaftsmitglied nicht eingeschränkt, was den Wohnort angeht und kann sich frei entscheiden, ob man mit anderen Gemeinschaftsmitgliedern leben möchte oder individuell als Familie und auch an welchem Ort. Für uns ist dies in diesem Moment der Gemeinschaftssuche aber ein Wehmutstropfen, da wir gerne mit mehreren Personen und vor allem mit anderen Familien und Kindern zusammen wohnen wollen.
    Am Wohnort in Spanien ist aber vieles im Umbruch. Es gibt weitere Gemeinschaftsinteressierte, die mit dem Gedanken spielen, dort hin zu gehen und wir hoffen, dass sich 2018 noch weitere Leute im spanischen Dorf zur Gemeinschaft gesellen werden.
  • Viele der Pläne, die das Jahr 2018 in der Gemeinschaft betreffen, sind noch offen. Es gibt eine Kooperation mit einer Uni in Deutschland, die mit einem sehr engagierten Professor mit verschiedenen Studentengruppe den Lehr- und Lernort des Gemeinschaftsgartens besuchen, nutzen und bereichern möchte. Einige der Vorstellungen, wie dies aussehen soll, werden jedoch fleißig diskutiert. So ist auch hier unklar, wie sich die Planung weiterentwickelt. Für uns persönlich hoffe ich, dass diese Kooperation bestehen bleibt, denn wir könnten dabei einiges lernen: Die Organisation der Gruppen vor Ort, die Kommunikation zwischen der Uni und der Gemeinschaft und die Planung der Aufenthalten sind interessante Aufgaben, auf die ich mich schon freue. Finanziell könnten mit einem Hiwi-Vertrag zumindest ein kleines sicheres monatliches Einkommen generieren. Und auf längere Sicht könnte daraus für uns die Möglichkeit entstehen, ein Umweltbildungsangebot für die Schule vor Ort zu etablieren, mit dem wir ein eigenes Projekt auf die Beine stellen könnten.

Foto von Rolf Habel

  • Die Gemeinschaft in Spanien ist für uns nicht primär durch die Mitglieder oder den Ort interessant, sondern vor allem durch ihr Konzept. Die Idee der Gemeinschaft ist von einer großen Freiheit der Mitglieder und auch dazugehörig die vollkommende Unabhängigkeit dieser geprägt. Gleichzeitig wird das Recht auf persönliches Glück großgeschrieben, die Mitglieder unterstützen sich gegenseitig auf diesem Weg. Es gibt keine gemeinsame Ökonomie, wie wir sie auf dem Los Geht’s kennengelernt haben. Stattdessen können wir bei der Gemeinschaft lernen, bedingungslos zu schenken und beschenkt zu werden. Die Inhalte sind noch in Teilen unklar, die Umsetzung durch die wenigen Mitglieder ist in vielen Punkten auch nicht klar. Denn das ist nicht durch die Charta, die die wenigen Grundpfeiler auflistet, festgesetzt, sondern wird durch jede Wohneinheit selbst festgelegt.
  • Wichtig für das Probejahr der Gemeinschaft ist nicht das Zusammenleben in einer Wohneinheit, sondern das Zusammenarbeiten in einer Arbeitseinheit. Das kann zum Beispiel das gemeinsame Bewirtschaften des Gartens sein, oder das Organisieren der vielen Besucher. So werden wir nicht mit in der Casa wohnen, wie bei unserem letzten Besuch, sondern uns nach etwas eigenem umsehen. Die Idee, in einem Wohnwagen im Garten zu wohnen, haben wir wieder verworfen. Hauptsächlich deshalb, weil ich viele Zweifel hatte, ob das gut geht. Zum Einen würde uns ein Wohnwagen circa 1500€ kosten, wäre dann aber ohne Zulassung, sodass wir ihn im Falle einer Abreise vor Ort lassen würde. Dort gibt es aber nicht wirklich Verwendung, da schon drei Wohnwagen auf dem Gartengelände stehen. Ein weiterer Grund war die fehlende Wasser- und Stromversorgung im Garten. Zwar könnte man das mit einem Solarpaneel auf dem Dach und einem Wasserkanister mit Leitung beheben, aber die kühlen Temperaturen bis März/April und ab Oktober machen ein Leben im Wohnwagen in diesem Breitengrad mit Kleinkind nicht möglich. In dieser Zeit müssten wir auf jeden Fall ins Haus ausweichen. Und da die Casa hauptsächlich Gästehaus ist, und das auch bleiben soll und wir zudem dort mit der offen gestalteten Architektur als Familie keinen ausreichenden Rückzugsraum hätten, kommt das nicht in Frage. Im Garten kommt noch dazu, dass ich immer noch mit meiner Angst vor der Dunkelheit zu kämpfen habe. Und ich weiß nicht, ob ich mich in einem stockdunklem Garten wirklich wohl fühlen könnte. Zudem ist auch die Tochter nur glücklich, wenn sie aktiv sein kann und darf. Selbst ein abendliches Zurückziehen zum Runterfahren vor dem Schlafengehen, wäre im beengten Wohnwagen schwierig.
    Wir werden also versuchen, im Dorf ein Haus zu finden, was wir mieten können. Auch da bin ich skeptisch. Die Häuser, die wir bisher gesehen hatten, waren sehr dunkel (um sich vor der Hitze zu schützen) und mit vielen Treppen. Aber vielleicht finden wir ja etwas. Die Mieten sollen jedenfalls sehr günstig sein (250€/Monat), mal sehen ob das stimmt.
  • Der enge Kontakt mit vielen Besuchern hat uns im Sommer sehr viel Input und Spaß gebracht. Auch das ist ein Grund, warum wir gerne noch einmal für längere Zeit nach Spanien gehen wollen. Durch das hohe Besuchsaufkommen von Künstlern, Gemeinschaftsinteressierten, Aussteigern, Volunteers und anderen gibt es mehr Möglichkeiten, dass die Gemeinschaft wächst. Wir fühlen uns nicht als Pioniere, können uns aber vorstellen, mit den Anfang zu machen. Denn wenn alle nur warten, dass einer bleibt, bevor er selbst bleibt, wird das nie was.
Bild von Rolf Habel

Persönliches:

Der Entschluss ist gefasst und wir werden das Probejahr in Spanien beginnen. Ich persönlich habe aber immer noch viele Zweifel. In mir sprechen zwei Stimmen:

  • Die Eine Stimme will das Abenteuer Spanien beginnen und freut sich darauf, die Sprache besser zu lernen und in Kontakt mit einer neuen Kultur zu kommen und die Ideen der Gemeinschaft kennenzulernen. Das Meer und das Klima spielt dabei auch eine wichtige Rolle.
  • Die Andere Stimme sehnt sich eher nach Sicherheit, würde auch einen Job interessant finden und wäre in einer Mietswohnung in einer mittelgroßen Stadt sicher auch (mehr oder weniger) zufrieden.
  • Dennoch ist jetzt der richtige Zeitpunkt für uns nochmal aufzubrechen und etwas anderes, als das „normale“ Leben kennenzulernen. Die Tochter ist örtlich ungebunden, wir sind es auch und deshalb ergreifen wir jetzt die Chance.
  • Die Gemeinschaft bietet für uns eine gute Startrampe verschiedene Ideen auszuprobieren. Darauf freue ich mich. Gleichzeitig hoffe ich, dass noch weitere Menschen dazukommen. Vor allem Spielkameraden für die Tochter, denn das war ja eigentlich der Hauptgrund, warum wir nach einer Gemeinschaft gesucht haben.
Bild von Rolf Habel

Aber bei dem letzten Punkt wie auch bei den anderen kritischen denke ich: wenn es sein soll, wird es passen. Und wenn nicht, kommen wir eben zurück und machen etwas anderes. Wir landen weich bei einem Fehlversuch und wissen erst dann, ob es für uns passt oder nicht.



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