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Eine Einschlafgeschichte zum Jahreswechsel

Eine Einschlafgeschichte zum Jahreswechsel

Mein Engel,

soll ich dir von unseren letzten Jahreswechsel erzählen, während du einschläfst?

Erinnerst du dich noch an unseren ersten Jahreswechsel? Warst DU da überhaupt schon wirklich da? Du kannst höchstens fünf Tage alt gewesen sein und trotzdem habe ich dich schon gespürt. Etwas war anders in mir. Wir waren hoch oben in den Lechtaler Alpen. Mit Freunden verbrachten wir Weihnachten und Sylvester, ohne fließendes Wasser und ohne Strom. Es war herrlich. So wunderbar einfach. Kein Handyempfang, kein Internet. Nur uns, das Feuer im Ofen, eine eiskalte Quelle vor der Tür und viel Natur zum Spazierengehen und Schlittenfahren. Für den Jahreswechsel wurde das Feuer im Herd angeschürt und groß aufgekocht. „Warum möchtest du keinen Sekt?“, fragte mich dein Papa. „Wegen dem Baby!“, sagte ich. Ist übrigens falsch, richtig müsste es heißen wegen des Babys. Aber das lernst du schon noch. Das war unser erster Jahreswechsel.

Den zweiten, deinen ersten außerhalb von Mamas Bauch verbrachten wir dick eingekuschelt ins unserer Wohnung in Ostdeutschland. Während im Rest der Villa Party gemacht wurde, hatte ich mich bei den ersten Böllern zu dir ins Bett gelegt. Erinnerst du dich noch, wie laut das war? Ziemlich laut war das, ganz anders als bei unserem ersten Jahreswechsel. Du bist kurz davon aufgewacht, aber hast dann an Mamas Brust den ganzen Krach ganz friedlich verschlafen. Und ich fand es wunderbar, so kuschelig mit dir im Bett das neue Jahr zu beginnen. Ich kann dir nämlich verraten, dass ich gar kein so wirklich Fan von Silvester bin. Und lange Aufbleiben mag ich auch nicht mehr so gerne, seitdem du mich nachts brauchst und mich morgen nicht ausschlafen lässt. Das ist okay, aber deshalb gehe ich lieber früh ins Bett.

Deinen dritten Jahreswechsel verbringen wir dieses Jahr auch wieder fernab der Böllerei. Wir sind auf Amrum, mit vielen Freunden und Bekannten von deinem Papa, die er aus dem Freiwilligen Jahr an der Nordsee kennt. Lauter Vogelverrückte, das hast du bestimmt auch schon gemerkt. Und hier auf Amrum sind Böller wegen der Vögel nicht erlaubt. Deshalb feiern wir Silvester wieder leise, mit Wunderkerzen und Fackelwanderung. Und weil du dann schon schlummern wirst, wenn die Ornis hier kurz vor Mitternacht mit ihren Fackeln losziehen, werde ich auch dieses Jahr zurück bleiben und mich zu dir ins Bett kuscheln. Den dritten Jahreswechsel, den wir zusammen verbringen. Ich freu‘ mich drauf!

Und stell dir vor: irgendwann wirst du so groß sein, dass du aufbleiben möchtest zu Silvester! Vielleicht schaffst du es bei den ersten Malen noch nicht (dein Onkel ist immer kurz vor Mitternacht eingeschlafen, und hat es sich dann jedes Jahr wieder soo fest vorgenommen, wach zu bleiben!), aber irgendwann werden wir zusammen anstoßen. Wir werden auf das neue Jahr anstoßen und das alte Revue passieren lassen. Ich freu‘ mich drauf!

Und euch, lieben Leserinnen und Lesern wünsche ich eine schöne Silvesterfeier, egal ob eingekuschelt im Bett, ob im großen oder im kleinen Kreis. Gesundheit und Zufriedenheit wünsche ich euch für das neue Jahr! Im nächsten Jahr lesen wir uns wieder. Ich freu‘ mich drauf!



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