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Tipps für Reisen mit Baby/kleinem Kleinkind

Tipps für Reisen mit Baby/kleinem Kleinkind

Unser Jahr 2017 geht ganz im Motto unseres Jahres zu Ende – wir sind unterwegs. 2017 war für uns ein richtiges Reisejahr. Obwohl wir das gar nicht so geplant hatten, waren wir fast die Hälfte des Jahres unterwegs. Die weiteste Reise hat uns mit dem Flieger nach Spanien gebracht, ansonsten sind wir quer durch Deutschland getingelt. Von Familie im Süden zu Familie im Westen oder zu Freunden im Norden. Wir haben es dabei nicht als besonders stressig empfunden, ein Baby beziehungsweise Kleinkind dabei zu haben. Ich empfinde die Reisen eher als angenehmer, weil man mehr Puffer und Pausen einplant. Dieses entschleunigte Reisen kommt letztendlich auch mir selbst zu Gute.

Hier meine Erfahrungen und Tipps zu Reisen mit sehr kleinen Kindern:

1. Zugreisen

Waren für uns immer am angenehmsten. Erst diese Woche bin ich wieder mit der Tochter alleine über fünf Stunden im Zug unterwegs gewesen. Und es war eine sehr angenehme Fahrt. Ich musste zweimal umsteigen und habe im Vorfeld den Mobilitätsservice der Bahn beantragt.

  • Tipp: Mobilitätsservice

Der ist kostenfrei und man kann sich beim Umsteigen mit schwerem Gepäck und Kinderwagen helfen lassen. Mit dem Fahrradanhänger als Kinderwagen, einem schweren Rucksack und die Tochter darin wog das ganze Gefährt genauso viel wie ich – was ich niemals hätte schleppen können und auch nicht dürfen. So war das Umsteigen kein Problem. Man kann sich auch am Eingang abholen lassen/zum Ausgang begleiten lassen – sehr hilfreich wenn wieder mal die Aufzüge kaputt sind!

  • Platz reservieren: Kleinkindabteil

Bucht man das Bahnticket online, muss man das Baby als Mitfahrer mit angeben. Nur dann kann man im Kleinkindabteil einen Platz reservieren. Waren andere Kinder mit von der Partie, war die Fahrt immer viel kurzweiliger und entspannter. Kleinkindabteile gibt es nur in ICs und ICEs. Als die Tochter noch kleiner war, haben wir ihr zum Spielen eine Decke auf den Boden gelegt.

In Regionalbahnen sind wir schon früh mit ihr durch den Zug gelaufen, erst krabbelnd, jetzt laufend. Natürlich muss man danach als Erstes Händewaschen, die Züge sind nicht besonders sauber. Aber den Bewegungsdrang deswegen einschränken wollte ich nicht. Dreck ist ja nicht per se schlecht und Kleidung kann man waschen.

  • Einschlafen im Zug:

Durch das permanente Ruckeln schlief unsere Tochter immer sehr gut im Zug ein. Bis sie ein halbes Jahr alt war, legten wir sie dann in die Kinderwagenschale auf den Tisch im Abteil oder auf einen Sitz und legten ein Tuch darüber. Die Lichter, vor allem im IC sind nämlich wirklich unangenehm und lassen sich nicht dimmen. Später schlief sie dann in der Trage oder einfach auf unserem Schoß. Leider sind die Durchsagen oft so laut, dass sie davon hochschreckt, aber sonst schläft sie im Zug ohne Probleme.

2. Autofahrten

Längere Autofahrten machen wir tatsächlich nicht mehr, hier ist der Stressfaktor viel zu hoch. Lieber fahre ich sechs Stunden Zug als drei Stunden Auto. Und wenn man einen Sparpreis bekommt und eine Bahncard hat, ist es mit dem Zug genauso teuer wie mit dem Auto.

3. Flugreisen

Bei unserer ersten Flugreise war ich super nervös, doch im Nachhinein war es gar kein Problem. Wir sind mit Lufthansa geflogen, hatten schon zum Einchecken den Vorteil einer schnellen „Family Lane“ und mussten uns nicht in der Schlange anstellen. Auch als unser Flug als einer von vielen an diesem Tag gecancelt wurde, wurden wir als Familie bevorzugt behandelt und konnten zügig ein von der Fluggesellschaft bezahltes Taxi zum Hotel nehmen. Der Service war wirklich gut, sodass mein Mann am Ende der Reise meinte, dass es sich allein für Flugreisen lohne ein Kind anzuschaffen ;). Beim Boarding wird man auch als Erstes in die Maschine gelassen und muss sich nicht durchdrängeln und auch bei der Security wird man in eine separate Schlange gewiesen.

  • Babyzubehör erlaubt

Für ein Kind darf Trinken und Gläschennahrung mit an Bord genommen werden. Bis zum Gate kann man auch den Kinderwagen mitnehmen und bekommt ihn nach Landung wieder beim Verlassen des  Fliegers gestellt. Obwohl das Kind für seinen Sitz bis es zwei Jahre ist nichts bezahlen muss, dürfen ein Gepäckstück von 23kg und ein Handgepäck (in unserem Fall der Kinderwagen) mitgenommen werden.

  • Bei An- und Abflug: trinken! 

Um Probleme beim Druckausgleich der Ohren zu vermeiden, sollten die Kinder beim An- und Abflug  trinken. In unserem Fall war das kein Problem, da wir noch stillen. Klappt das Trinken nicht so gut und weinen die Kinder nach Abflug, gibt es auch Abhilfe. Bei den Flubegleitern nach einem mit lauwarmen Wasser gewärmten Lappen fragen und mit einer Mütze/Tuch am Ohr befestigen. Die Wärme öffnet die Gehörgänge und der Druck auf den Ohren nimmt ab.

4. Reisebeschäftigung 

Wichtigste Beschäftigungt ist bei uns immer das Essen :D. Ich habe immer viele verschieden Dosen dabei, zum Beispiel diese Woche:

  • eine mit Rohkost-Sticks. Paprika, Gurke, und Avocado Stückchen
  • eine mit Obst: Trauben, die abgezupft werden können, eine Mandarine die geschält werden muss. Bananenscheiben, von denen noch die Schale abgemacht werden muss. In der Summe sind das einige Minuten, die man so „rumbringt“.
  • eine mit Schnitten, belegt mit Aufstrichen/Käse
  • eine mit Knabbersachen

An Spielsachen habe ich nicht viel dabei (oder ist das viel?), zwei kleine Kosmetiktäschchen. In denen sind ein paar Fingerpuppen, Schlüsselanhänger (die Tochter liebt kleine Anhänger), ein Auto, und ihre Stapelbecher. Es ist einfach wichtig, die Sachen von der einer Tasche in die andere packen zu können. Mit dabei sind auch zwei bis drei Bücher und das wars.

Wenn sie noch ein bisschen größer ist, werde ich ihr in den Deckel einer Tupperdose eine Duploplatte kleben und verschiedene Duplosteine hineingeben. Mit Lego geht das natürlich besser, weil die Teile viel kleiner sind, aber mit ein paar Duplosteinen und ein, zwei Tieren geht das sicher auch.

5. Schlafen(d) unterwegs

Wir haben uns die Schlafsituationen immer so angenehm wie möglich gemacht. So lange es ging, schlief die Tochter in der Kinderwagenschale bei uns im Bett oder direkt neben dem Bett. Als sie dann größer war, fanden sich andere Lösungen. Entweder konnte man das Bett an die Wand schieben und diese mit Kissen abpolstern, oder wir bauten aus Rucksäcken und Kissen einen Rausfallschutz. Waren die Betten kleiner als 1,60cm wurde es für uns zu dritt schon sehr eng. Wenn vorhanden, legten wir dann eine extra Matratze vor das Bett und einer von uns schlief dort. Ansonsten heißt es eben viel kuscheln und damit einhergehend: Mama schläft wenig. Geht natürlich auch mal, ist aber keine gute Lösung für ein entspanntes Reisen.

Die Nächte unterwegs waren eigentlich immer sehr stillintensiv. Ich habe mich darauf eingestellt habe und finde es ganz logisch: Ein kleines Kind in einer ungewohnten Umgebung mit vielen neuen Eindrücken sucht nachts die Nähe und Sicherheit zur Mutter (und wenn es gestillt wird, vor allem zur Mutterbrust) und kommt dort zur Ruhe. Und ja, es ist tasächlich einfach eine Einstellungssache. Halte ich mir das vor Augen, sind durchstillte Nächte deutlich weniger anstrengend, als wenn wir zuhause sind und es scheinbar (!) keinen Grund gibt.

Auch auf Reisen sollte man sich daher Pausen gönnen. Ist man mit Partner unterwegs, kann man vielleicht einfach morgens zwei Stunden länger schlafen. Alleinreisende gönnen sich einen Mittagsschlaf mit dem Kind zusammen. Und manchmal passt das dann nicht mit den Frühstücksplänen der Familie oder dem Kaffeeklatsch zusammen, aber man sollte eben auch seine Bedürfnisse vor die vermeintlichen Pflichten stellen und auf sich achten. Sonst wird so eine Reise schnell sehr anstrengend.

Auch wenn das Reisen mit Babys und kleinen Kindern die ersten Male sehr aufwendig und anstrengend erscheint: lasst euch davon nicht abhalten! Es tut so gut, rauszukommen und neue Eindrücke zu bekommen. Und durch jede Reise gewinnt man mehr Erfahrungen, weiß was man braucht und was nicht und wird routinierter. Und auch wenn mal was schief geht: man geht immer gestärkt daraus hervor. Schließlich hat man sich getraut, trotz möglicher Windelunfälle, Schreiattacken, schlaflosen Nächten, quengeligen Nachmittagen und verschobenen Tagesrhythmen das Haus für mehr als 12 Stunden zu verlassen! Und das allein ist manchmal schon eine Leistung im ersten Jahr ;).



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