über: junges familienleben, nachhaltiges und gemeinschaftliches leben, gehbehinderung, bedürfnisorientiertes aufwachsen

Zweifelnde Samstagsgedanken

Zweifelnde Samstagsgedanken

Ich habe Zweifel. Zweifel, ob die Entscheidung eine finale Entscheidung war. Sollen wir wirklich nach Spanien gehen? Ist das nicht alles ein großer Fehler? Ist es nicht ein hinterherlaufen hinter dem Glück, dass wir so niemals finden werden, weil wir es eigentlich schon gefunden haben?

Diese Woche war sehr gut. So gut, wie schon lange keine Woche mehr war. Ich habe mich gebraucht, ausgefüllt, erfüllt, weder über- noch unterfordert und (ich traue es mich kaum zu sagen) total glücklich gefühlt.

Die Woche war für mich so gut, dass ich mich frage, warum wir eigentlich so viel ändern wollen. Warum krempeln wir unser Leben komplett um? Warum fangen wir nicht stattdessen hier und jetzt an, es zu leben? Nach was suchen wir, was wir an diesem Ort nicht haben könnten? Mehr Gemeinschaft? Mehr Sonne? Mehr Meer? Mehr Fremdsprache? Wenn es um die letzten drei Sachen geht, kann man die nicht wegdiskutieren. Aber wenn es ums große Ganze geht, kann man schon nochmal nachdenken, in sich gehen und überlegen.

Nach was suchen wir eigentlich? Nach einer funktionierenden, lebendigen Gemeinschaft? Die finden wir nicht in Spanien. Nach Freiheit durch ökonomische Unabhängigkeit? Das haben wir hier jetzt auch. Nach sozialem Anschluss, Spielkameraden und Elternfreunden? So etwas braucht Zeit und erst jetzt spannt sich langsam ein feines Netz. Nach mehr Nachhaltigkeit und weniger Konsum? Da sind wir noch weit hinter unseren jetzigen Mitbewohnern hinterher und könnten viel voneinander lernen. Nach einer Landschaft, die über Äcker und Windräder hinausgeht? Nach Menschen, die sich auf der Straße grüßen und freundlich gesinnt sind? Beides fehlt hier leider.

Was erwartet uns in Spanien, was zieht uns dorthin? Haben wir nicht hier viel bessere Möglichkeiten? Ließen sich unsere Wünsche, berufliche wie familiäre, hier nicht vielleicht sogar besser verwirklichen?

Ich bin voller Zweifel. Idealisiere ich unsere Situation hier aus Nostalgie? War ich hier nicht sehr oft sehr unglücklich? Aber habe ich dem Ort je eine wirkliche Chance gegeben? Bin ich überzeugt oder lasse ich mich überzeugen?

Freunde und Familie. Meine Oma in nächster Nähe. Gegenseitig Helfen und Unterstützen. Freundschaften wachsen lassen.

Ach, weggehen ist so schwer.

Was machen wir jetzt? Viel reden, viel diskutieren. Zuhören. Über die verschiedenen Wünsche, über die unterschiedlichen Zukunftsvorstellungen. Über Ängste. Über Gefühle. Eine Entscheidung ist so vielschichtig, betrifft uns beide gleichermaßen und bedeutet doch für jeden etwas ganz anderes.

Doch eins ist klar: es geht nur gemeinsam.



3 thoughts on “Zweifelnde Samstagsgedanken”

  • Liebe Veronika,

    ich kann das sehr gut nachvollziehen. Bei jeder Entscheidung, die mein Mann und ich in den letzten Jahren getroffen haben, also große Entscheidungen wie Umzüge, denn die betraf es meistens, folgte diese gewisse Zeit an Zweifeln. Auf einmal war Berlin gar nicht mehr so schlimm oder die Uni doch nicht so doof … Aber doch, es war jedes Mal gut und richtig, weggegangen zu sein, etwas Neues gewagt zu haben, auch wenn es nicht einfach ist.

    Ich wünsche Euch viel Kraft und drücke die Daumen für alles, was da kommen mag!

    Herzlichste Grüße

    Lea

    • Liebe Lea,

      vielen Dank für deine Aufmunterung. Heute geht es schon wieder etwas besser… ich schau von Tag zu Tag 🙂

      Liebe Grüße
      Veronika

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