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Gemeinschaftssuche – Abschied aus Spanien

Gemeinschaftssuche – Abschied aus Spanien

Unsere Abreise aus Spanien steht kurz bevor. Mein letzter Zwischenbericht wurde in einer ruhigen Phase geschrieben, in der wir einen Alltag gefunden hatten und eine feste Gruppe aus elf Erwachsenen waren. In den letzten zwei Wochen war es eher unruhig, die Besucher wechselten ein paar mal, was neuen Input mit sich brachte und die Dynamik im Haus etwas veränderte. Seit ein paar Tagen waren wir jetzt nur noch sechs Erwachsene und zwei Kinder und wollten ein wenig zur Ruhe kommen.

Mittlerweile ist es kalt geworden. Die Öfen werden angemacht, da es sonst im Haus ungemütlich kalt wird. Die Sonne ist jedoch immer noch recht stark und im Garten kann man über die Mittagszeit noch mit T-Shirt rumlaufen. Den Rest des Tages ist durch den kalten Wind allerdings schon Jacke und Kopfbedeckung gefragt. Da wird die Umstellung in Deutschland vielleicht doch nicht so furchtbar, wie ich sie befürchte. Mit im Gepäck haben wir die Eindrücke der letzten Wochen, ein realistisches Bild der Möglichkeiten und Beschränkungen, die ein Leben hier mit sich bringen würde und noch einige Fragen, die verarbeitet werden müssen.

Im wesentlichen sind es drei Fragen, über die wir uns klar werden müssen:

  • Wollen wir in Spanien leben? Trauen wir uns als Familie zu, Deutschland zu verlassen?
  • Wollen wir dafür hier an diesen Ort, dessen Potenzial wir kennenlernen durften, gehen?
  • Wollen wir Teil der Lebensgemeinschaft werden?

Die dritte Frage ist nicht unbedingt mit den ersten beiden verknüpft. Wir könnten auch hier leben, ohne Teil der Lebensgemeinschaft zu werden. Im Moment beantworten wir alle drei Fragen mit Ja. Es ist allerdings noch kein selbstbewusstes „Ja, unbedingt“, sondern eher ein mit Zweifeln behaftetes „Ja wir können es uns vorstellen, aber…“

Das hat vor allem damit zu tun, dass die letzte Woche sehr aufreibend war. Es hat mit der Geschichte einer unerfüllten Liebe zu tun, die die Zukunft dieses Ortes in Frage stellt. Zumindest insofern, dass im Moment nicht absehbar ist, wer hier nächstes Jahr wohnen wird und ob hier überhaupt jemand wohnen wird. Uns steht weiterhin die Möglichkeit offen, diesen wunderbaren Ort hier zu beleben, Gäste zu begrüßen und Gemeinschaftsinteressierte willkommen zu heißen. Aber unser Grundwunsch, nach einer Wohn- und Lebensgemeinschaft, wurde damit auf den Kopf gestellt. Alleine wären wir wahrscheinlich trotzdem selten, da wöchentlich Anfragen für Helfer und Gäste eintrudeln. Trotzdem ist die Aussicht, dass wir hier als Familie auf uns gestellt sind, eine Herausforderung und fühlt sich viel ernster und verantwortungsvoller an, als wenn wir nur jemand unter mehreren wären.

Ich denke auch noch oft an die andere Lebensgemeinschaft im Sauerland, bei der es uns auch sehr gut gefallen hat. Dort gibt es eine vermeintlich sichere Kerngruppe von 9 wunderbaren Menschen, mit denen wir uns ein Zusammenleben auch sehr vorstellen könnten. Allerdings war unser Zufriedenheitslevel hier in Spanien deutlich höher, als im Sauerland. Die Nähe zum Meer und die Möglichkeit, 8 Monate des Jahres „draußen“ leben zu können, lässt das regnerische Sauerland hinter sich. Aber noch wollen wir uns nicht dagegen entscheiden. Auch wenn wir dort nicht permanent wohnen sollten, möchten wir auf jeden Fall Kontakt halten und bei Projekten mithelfen.

Zurück in Deutschland werden wir die Erlebnisse der letzten Monate auf uns wirken lassen. Unseren jetzigen Wohnsitz werden wir aufgeben, auch wenn noch nicht klar ist, wo es für uns nächstes Jahr hingeht. Mal sehen, ob sich unser Weg noch in 2017 ergeben wird oder ob wir nächstes Jahr weitersuchen werden. Man könnte wahrscheinlich ewig suchen und an jedem Ort wäre irgendetwas, was nicht ganz passen würde. Und ich wünsche mir, anzukommen.

Hasta luego, Espana.



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