über: junges familienleben, nachhaltiges und gemeinschaftliches leben, gehbehinderung, bedürfnisorientiertes aufwachsen

Über das Zusammenleben mit anderen Kindern

Über das Zusammenleben mit anderen Kindern

Seit mehr als 13 Monaten bin ich nun eine Mutter. Ich bin mit meinem Kind gemeinsam in unsere Beziehung und meine Erziehung hinein gewachsen. Stillen, Schlafen, Wickeln, Trösten, Bestärken, Beikost, mobiler werden. Jeden Tag baut sich unsere Beziehung weiter und neu auf. Ich bin in das Thema Krabbeln hinein gewachsen, weiß wo mein Kind sich (höchstwahrscheinlich) nicht verletzen kann und ich es selbst austesten lassen kann und wo ich noch schützend dabei sein muss. Es gibt ein paar (sehr) wenige strikte Regeln, auf denen ich beharre. Ansonsten darf mein Kind viel ausprobieren und wird dabei begleitet. Mit 13 Monaten sind die Erziehungsaufgaben noch recht überschaubar. Zumindest empfinde ich es bei meiner Tochter so, dass sie mich in dieser Hinsicht noch nicht fordert.

Andere Kinder fordern mich neu 

In der Gemeinschaft leben wir zur Zeit mit einer anderen Familie mit einem Jungen sowie einer weiteren Mutter mit einem Jungen unter einem Dach und in sehr engen Kontakt. Von morgens zum Teil noch vorm Aufstehen bis abends zum ins Bett gehen nimmt man am anderen Familienleben teil und ist auch Teil dessen.

Bei den beiden anderen Kleinkindern fehlt mir das Hineinwachsen in die Begleitung, die bei meiner Tochter die Basis meiner Beziehung zu ihr darstellt. Natürlich ist die Beziehung zu anderen Kindern nicht mit meiner Mutter-Tochter-Beziehung vergleichbar, aber ich fühle mich im Umgang mit den anderen Kindern oft sehr unsicher. Ich weiß nicht genau, was man ihnen zutrauen kann, wie man ihnen etwas erklärt und möchte auch ihnen viel Raum geben. Das gemeinsame Spiel mit meiner Tochter funktioniert aber oftmals noch nicht so gut. Dann wird sie zu grob bespielt, wenn die Kräfte falsch eingeschätzt werden. Ich möchte aber auch nicht die ganze Zeit ermahnend daneben stehen und so bin ich hin und hergerissen zwischen Aufklärung der möglichen Gefahren und dem Zulassen von freiem Spiel.

Dabei fehlt mir die Routine und der Zugang zu den anderen Kindern, hinzu kommt zusätzlich noch die Verständigung mit unterschiedlichen Sprachen.

Gemeinsames Verständnis, unterschiedliche Umsetzung 

Mit den anderen Müttern habe ich die Überzeugung gemeinsam, dass wir unsere Kinder bedürfnisorientiert Aufwachsen lassen wollen. Die unterschiedliche Auslegung davon zeigte sich in den letzten Tagen aber sehr deutlich. Auch hier habe ich das Gefühl, dass es bei einer einjährigen noch sehr einfach ist, die Bedürfnisse zu erkennen und zu erfüllen. Bei den größeren Kindern denke ich bei manchen Bedürfnissen, dass sie von den Müttern mehr Beachtung geschenkt bekommen sollten. Bei anderen bin ich unsicher, ob die Wünsche des Kindes jetzt etwas mit einem Bedürfnis zu tun haben oder einfach nur bockiges Verhalten sind.

Hebel-Wirkung

In der Beziehung zwischen meiner Tochter und mir gibt es mittlerweile einige festgefahrene Aktion-Reaktion Interaktionen. Mit einem älteren Kleinkind haben sich noch mehr dieser Routinen eingeschlichen, ein 3 oder 4 jähriges Kind kennt die Hebel, die es drücken muss, um bei den Eltern eine Reaktion auszulösen, noch viel genauer.

Für mich als Außenstehende sind dabei manche Reaktionen von Eltern und Kind wenig nachvollziehbar. Gleichzeitig weiß ich nicht, inwieweit eine Einmischung erwünscht ist. Werden meine eigenen Grenzen überschritten, wird das mit dem betreffenden Kind persönlich besprochen, anstatt dies über die Eltern zu klären. Dieses Vorgehen wurde in der Gemeinschaft so besprochen und es nimmt den Eltern den Stress, für die anderen Mitglieder der Gemeinschaft mitzudenken und mitzufühlen. Ist das Kind zu laut/zu wild/ zu … liegt es an den Betroffenen selbst dies anzusprechen. Werden durch die Eltern Grenzen gesetzt reagieren die Kinder ganz anders als durch Außenstehende. Die Reaktion auf Beschränkungen ist zum Teil sehr heftig. Ich kenne den Hintergrund für diese Aktion-Reaktion nicht und spüre nur meinen eigenen Impuls, der manchen Tonfall missbilligen würde. Dass sich dieser von dem mütterlichen Impuls unterscheidet ist logisch und ich kenne dazu auch die Bedürfnisse eines größeren Kleinkindes nicht genug.

Wir Mütter machen einen guten „Job“

Für meine eigene Beziehung mit meinem Kind kann ich auch im Umgang mit den anderen Kindern viel lernen und wachse auch mit Ihnen ein Stück weit in meine Elternrolle hinein. Ich merke mir manches für die Zukunft, anderes fühlt sich für mich nicht richtig an und wieder andere Verhaltensweisen erweisen sich für mich als rotes Tuch.

Was ich aus diesem engen Zusammenleben jedoch besonders mitnehme, ist großer Respekt vor den anderen Müttern. Jede von uns gibt jeden Tag ihr bestes. An manchen Tagen gelingt uns das besser, an anderen weniger gut. In einer Gemeinschaft, in der man mit den anderen Kindern noch näher zusammengewachsen ist, können sich die Mütter an solchen weniger guten Tagen unterstützen und auch von weiteren Mitgliedern helfen lassen.

In unserer temporären Gemeinschaft können wir auf ein langes Hineinwachsen nicht zurück blicken. Und so lerne ich die anderen Kinder jeden Tag ein bisschen besser kennen und versuche mich ein bisschen besser in sie hineinzuversetzen, um ihnen so begegnen zu können wie ich es mir mit meiner Tochter in dem Alter wünschen würde. Genau wie ich die Erwachsenen jeden Tag ein bisschen besser kennen lerne, geschieht das gleiche mit den Kindern. Und wie ich auch die Erwachsenen schätzen lerne, so wachsen mir auch die Kinder jeden Tag mehr ans Herz. Auch wenn ich mich manchmal ärgere und genervt bin. Wie das in einer zwischenmenschlichen Beziehung halt so ist.



2 thoughts on “Über das Zusammenleben mit anderen Kindern”

  • Ganz wunderbare Worte hast du gefunden. Und genauso einfach und logisch ist die Schlussfolgerung: Kinder sind eben auch nur Menschen. Egal ob klein oder groß.

    Beste Grüße

  • Hallo, zum Thema bockiges Verhalten oder nicht, kann ich das Buch vom Blog gewünschtestes Wunschkind empfehlen. Danach sieht man viele Dinge einfach anders. Vor allem was deine „Hebeltheorie“ angeht 😉 Insgesamt wird man mit jedem eigenen Kind gelassener. Auch in Bezug auf fremde Kinder.
    Und genauso wie man seinen eigenen Kindern ja ein gutes Vorbild sein soll (Thema: vorleben, statt auffordern „wie sagt man?“, wenns um Bitte/Danke geht) habe ich festgestellt, dass manche meiner Verhaltensweisen gegenüber meinen Kindern erst mal kritisch beäugt werden und (viel) später werden sie manchmal sogar kopiert. Genauso passe ich mein Verhalten manchmal an, wenn ich merke…war jetzt nicht so doll. Ich hab mir schon viele Kommentare verkniffen, weil andre das eben anders machen. Und bei engeren Kontakten merke ich dann aber irgendwann ein Umdenken.
    Ubd oft gilt einfach: andere machen es eben anders. Viele Wege führen zum Ziel und niemand kann sich immer richtig verhalten. Besonders bei größeren Kleinkindern/Kindergartenkindern. Die fordern einen echt.
    Finde gut, dass ihr in der Gemeinschaft auch die anderen Kinder ansprecht, wenn was stört. Das ist nämlich echt ätzend, wenn man immer denkt, man wäre als Eltern für das Verhalten seiner Kinder verantwortlich.

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