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Gemeinschaftssuche: Die erste Woche in Spanien

Gemeinschaftssuche: Die erste Woche in Spanien

Die erste Woche in Spanien ist rum. Viele Gespräche, Erlebnisse, Sonnenstunden und neue Denkanstöße haben wir erlebt. Es geht uns hier sehr gut. So gut, dass wir unsere Pläne geändert haben und unseren Rückflug nach hinten verschoben haben. Statt zwei Wochen werden wir jetzt fünf Wochen hier bleiben. Mit der Umbuchung können wir ein paar Pläne in Deutschland nicht einhalten. Wir werden eine große Familienfeier Anfang November verpassen. Auch wenn ich gerne dabei gewesen wäre und verstehen kann, dass die daheim gebliebenen enttäuscht sind, hat für uns der Aufenthalt hier gerade mehr Priorität, als die „Verpflichtungen“ in der Heimat.

Der Ort hier empfängt mich jeden Morgen mit einem deutlichen „Ja“-Gefühl. Ich weiß nicht, wann ich mich das letzte Mal so in meiner Mitte gefügt habe, so aufgehoben und so richtig. Trotz einer Erkältung, trotz stimmungsmäßigen Auf und Abs, die für mich ganz normal sind, habe ich meine innere Mitte nicht verloren. Die Gemeinschaft hat mich aufgefangen, die Tochter wird auf niederländisch, deutsch oder spanisch betreut und ich habe weniger Ängste, sie für kurze Zeit in mir doch noch so fremde Hände zu geben, als in Deutschland. Das warme Gefühl zu den Mitmenschen macht es mir leichter, mich eher zurückzuziehen, wenn ich es brauche. Trotzdem muss ich noch besser lernen, Hilfe anzufragen und anzunehmen. Ingwertee wird gebracht, Wäsche wird aufgehangen, wenn der eine nicht kochen will, übernimmt der nächste. Wir stehen füreinander ein und das Prinzip, das jeder das machen kann, was er will, funktioniert erstaunlich gut. Es als Geschenk zu sehen, für die anderen das Badezimmer zu putzen, macht aus dem „Muss“ ein „Wollen“.

Die Mandelbäume, Zitronen und Granatäpfel ziehen am Fenster vorbei, während wir durch das Land fahren. Die Sonne scheint, im Schatten ist es kühl und man spürt, dass auch hier der Herbst hinter der nächsten Wegbiegung wartet. In der Sonne Ist es noch sommerlich warm und die letzten warmen Tage werden für einen Ausflug zum 30 Minuten entfernten Meer genutzt.

Die ökonomische Zukunft hält einige Optionen bereit, die bei einer Umsiedlung hier ein Leben finanziell absichern würden. Es gibt Kooperationen mit einer Universität in Deutschland, bei der mehrere Besuchsgruppen betreut werden müssten. Administrative Aufgaben bieten einen Arbeitsplatz, der für eine Krankenversicherung sorgen würde. Es würde uns hier gut gehen, diese Sicherheit fühle ich deutlich. Ich wünsche mir, dass die Familie in Deutschland sich für diese Entwicklungen ein offenes Ohr behält. Ihre Skepsis und Traurigkeit dämpft die Freude. Einerseits verständlich, dass der Gedanke an eine Auswanderung auf keine offenen Ohren trifft. Andererseits wäre die Anzahl, wie oft man sich sieht, nicht viel anders. Die dezentrale Gemeinschaft bietet jederzeit die Möglichkeit, eine Zeitlang des Jahres in Deutschland zu verbringen. Auch jetzt sehen wir uns circa vier Mal im Jahr, das würde sich nicht ändern. Nur das Gefühl ist ein ganz anderes, ob wir 600 km entfernt im Sauerland sind oder 1200 km in Spanien. Auch für mich. Schwer vorstellbar, die Familie so weit weg zu haben und eigentlich nicht das, was wir wollten… Es wird einfach ein bisschen dauern, bis der Gedanke eines entfernten Umzugs denkbar wird.

Für uns wird sich herausstellen, ob unser positives Gefühl das nächste Monat anhält oder ob es nur ein Urlaubshoch ist, das sich mit dem Lauf der Zeit verflüchtig. So fühlt es sich aber nicht an. Selbst nachts, wenn ich manchmal wach liege und ins Grübeln verfalle und mein „deutsches Sicherheitsdenken“ einsetzt, kommt trotz aller Sorgen und offenen Fragen keine Angst vor den Konsequenzen einer Auswanderung auf. Und am Morgen werden diese Grüblereien vom neuen Tag abgelöst. Es ist einfach zu schön hier!



2 thoughts on “Gemeinschaftssuche: Die erste Woche in Spanien”

  • ich freue mich so für euch, dass ihr euch wohl fühlt! und ich wünsche euch mut, ganz auf euer bauchgefühl als kleine familie zu hören! die grosse familie wird verstehen lernen und schlussendlich bin ich sicher, dass ihnen euer rundumglück wichtiger ist, als die räumliche distanz… vielleicht bringen neue umstände ja auch mehr nähe? zb weil in der spanischen gemeinschaft mehr raum für längere besuche ist? oder weil es am telefon mehr zu erzählen gibt, weil die unterschiede grösser sind?

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