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Bachelorarbeit und Baby – gewuppt, den Mumpitz!

Bachelorarbeit und Baby – gewuppt, den Mumpitz!

Gestern war es endlich soweit – zwar früher als der Abgabetermin vorgeschrieben hätte, aber später als ursprünglich geplant: ich habe meine Bachelorarbeit abgegeben. Mit Baby war das nicht immer so leicht zu organisieren, aber eigentlich ist es mir recht leicht gefallen. Die Zeit, die ich zum Schreiben hatte, habe ich effektiv genutzt. Erstens wusste ich, dass ich die Arbeitszeiten nicht wie vor dem Kind beliebig verschieben konnte. War ein Zeitfenster da, musste es auch genutzt werden. Zweitens wollte ich auch möglichst effektiv sein, denn ich wollte nicht so lange von der Tochter getrennt sein. Unsere Regelung war für mich sehr stimmig: Ich habe nach dem Frühstück angefangen, habe mich in den Erker an meinen Schreibtisch gesetzt, wo ich ungestört arbeiten konnte, und war bis zum Mittagessen dort. Danach habe ich eine lange Mittagspause gemacht und mich nachmittags nochmal für 1,5 Stunden hingesetzt. In der intensiven Schreibphase habe ich auch die Abende genutzt. So bin ich über den Tag verteilt auf 6-7 Stunden gekommen.

Um mich zu motivieren, habe ich mir die Kalendermonate als DIN A4 Blatt ausgedruckt und an die Wand geklebt. Es hilft mir immer, einen Überblick zu haben, wie viel Zeit noch bis zum Abgabedatum bleibt. An jedem neuen Tag habe ich den vergangenen abgestrichen. Gleichzeitig habe ich notiert, wie viele Stunden ich gearbeitet habe und welchen Fortschritt es gab. Den Fortschritt habe ich in Sternchen gewertet. Das System habe ich mir selbst ausgedacht: Pro Tag gibt es höchstens 4 Sterne. Sterne werden unabhängig von der Anzahl der Stunden vergeben, allerdings war ich da recht streng und habe mir, wenn ich weniger als zwei Stunden gearbeitet habe, auch keinen Stern gegeben. Wurde effektiv für mehrere Stunden gearbeitet, ohne viel Ablenkung und kam dabei auch ein verwertbares Ergebnis zustande, gab es nach eigenem Gefühl Sterne. Der Sinn dahinter war, dass ich bei 10 Sternen einen Tag Pause machen durfte, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben. Habe ich einen Tag Pause gemacht, ohne 10 Sterne zu haben und einfach, weil ich keine Lust hatte, wurden 3 Sterne vom Sternenkonto abgezogen (plus schlechtes Gewissen als Nebeneffekt). Habe ich einen Tag Pause gemacht, weil etwas wichtiges geplant war, wurde nur 1 Stern abgezogen.

Ich fand das System richtig gut, weil ich ohne schlechtes Gewissen auch mal einen Tag Pause machen konnte, wenn ich mir 10 Sterne erarbeitet hatte. Ich bin nämlich sehr gut darin, NICHT im Moment zu leben und den zu genießen, sondern mir zu viele Gedanken darüber zu machen, was ich eigentlich gerade tun müsste und was es noch alles zu tun gäbe… Durch die Sterne war aber zumindest der Arbeitsgedanke weg und ich konnte den Tag wirklich genießen. Und es hat auch nicht so lange gedauert, bis ich einen Tag frei hatte; drei bis vier effektive Tage arbeiten waren einen Tag frei.

Die Work-Life Balance der letzten Wochen wäre auch für die Zukunft optimal. Vier Stunden tagsüber zu arbeiten, hat mir Freude gemacht. Die Zeit, die ich davor und danach mit meiner Tochter verbringen konnte, konnte ich viel mehr genießen, als wenn ich den ganzen Tag mit ihr verbringe. Wir haben intensiver miteinander gespielt und ich war viel mehr im Moment mit ihr, wenn ich davor oder danach auch Zeit hatte, meiner Aufgabe nachzugehen.

An unserer Hochschule müssen wir die Arbeiten noch verteidigen; das steht noch aus. Aber dann habe ich endlich meinen Abschluss. Auf dem Weg dorthin bin ich ein paar Mal abgebogen, deshalb hat das ganze so lange gedauert. Letztendlich habe ich aber alles richtig gemacht, sonst wäre ich jetzt nicht Mama dieser zauberhaften Tochter und Frau dieses wunderbaren Mannes :).



8 thoughts on “Bachelorarbeit und Baby – gewuppt, den Mumpitz!”

  • Waaaaaaaaaaaaaaaaah, wie coooooooooool!!! Glückwunsch 😀 Genieße den restlichen Sommer und sei einfach nur stolz auf Dich.

    Liebste Grüße

    Lea

  • jeeee so gut. gratuliere! super beeindruckend!
    (und freu mich ganz egoistisch mit – jetzt gibts hoffntlich vielleicht wieder mehr zeit für den blog (fails?))
    geniess es den druck los zu sein!

  • Whow, das ging irgendwie voll schnell so aus der Ferne ;). Ich hatte damals bei meiner Diplomarbeit auch einen Abstreichkalender. Und ich denke durch die begrenzt gegebenen Zeitfenster arbeitet man letztlich viel effektiver und schneller. Ohne Kind verdödelt man die Mehrzeit am Ende auch nur. Also Herzlichen Glückwunsch! Die Verteidigung schaffst du auch noch! Und Hut ab. Ich weiß nicht, ob ich das mit so kleinem Zwerg hinbekommen hätte!

    • Ja, nicht nur aus der Ferne; letztendlich hat es mich auch überrascht… Naja, mal das Ergebnis abwarten ;)… aber es war ja einmal in der Korrektur bei meinen Prüfern, also so verkehrt kann es nicht geworden sein…. hoffe ich 🙂

  • Gutes Belohnungssystem. 🙂
    Ich arbeite überwiegend mit Trello, wo ich verschiedene Phasen habe um die Arbeitsweise zu strukturieren und Prioritäten zu setzen. Das Hin- und Herschieben ist dann auch eine Art Belohnung, vergleichbar mit dem Abhaken von Todo-Listen.
    Bei Texten rechne ich gedanklich immer in Zeichen bzw. Wörtern. So kann ich auch kleinere Slots (ca. 30 Minuten) noch nutzen und es fühlt sich gut an, wenn ich in der Zeit noch die anvisierte Wortzahl schaffe.

    Zeitfressender ist in der Regel die Korrektur, je nach Thema lagere ich das aber auch aus. 🙂

    Viele Grüße,
    Ralf

    • Hallo Ralf,

      das klingt für die Zukunft sehr spannend! Werde ich mir auf jeden Fall mal ansehen. Klingt bei dir irgendwie nach Journalismus oder so was…?

      Viele Grüße,
      Veronika

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