über: junges familienleben, nachhaltiges und gemeinschaftliches leben, gehbehinderung, bedürfnisorientiertes aufwachsen

Los gehts 2017 – Ankunft im Gemeinschafts-Camp

Los gehts 2017 – Ankunft im Gemeinschafts-Camp

Anstelle des Wochenende in Bildern gibt es diese Woche einen etwas ausführlicheren Bericht über ein Camp, wo wir die letzten fünf Tage verbracht haben. Wir waren also nicht verschollen, nur so ein bisschen, weil es gab am Rande des Naturschutzgebiets weder zuverlässigen Handyempfang, noch Internet. Tat gut ;)! 

Wir haben uns für ein Camp in der Nähe von Kassel angemeldet und steigen am Donnerstag Mittag in den Zug zum Los geht‘s 2017. Organisiert wird dieses Camp alle zwei Jahre von Kommuja (einem Zusammenschluss politischer Kommunen). Es geht um das Thema Kommunen und Gemeinschaften und hier können sich Gemeinschaftssuchende und schon in Gemeinschaft lebende aufeinander treffen und sich austauschen. Es ist das erste Mal, dass wir an diesem Camp teilnehmen. Ich habe in der Richtung noch gar keine Erfahrungen und so fahren wir sehr gespannt, ohne große Erwartungen und ein bisschen ängstlich hin. Ängstlich deshalb, ob wir dort nur lauter Alt-Hippies im Stil der Kommune 1 antreffen, oder ob sich auch ein paar alternative Spießer wie wir dort einfinden.

Donnerstag – Ankunftstag

Die Zugfahrt geht trotz ihrer fünf Stunden erstaunlich schnell vorbei. Wir müssen so oft umsteigen, sodass wir eigentlich die ganze Zugfahrt beschäftigt sind mit ein- und aussteigen und kurz auspacken und was essen und stillen und schlafen und spielen. Zugreisen mit Baby sind bei uns so viel entspannter, als Autofahrten! In der letzten Regionalbahn treffen wir schon einige der Teilnehmer, gut erkennbar an den Isomatten, die an den großen Rucksäcken baumeln. Einige Kinder sind auch dabei. Darunter auch ein siebenjähriger Junge, der meinen Mann als seinen neuen besten Freund aus-erkort und ihm nicht mehr von der Seite weicht. Wir werden am Bahnhof von zwei Shuttle Bussen der Lebensgemeinschaft, auf deren Gelände das Camp stattfindet, abgeholt. Ankunft, Anmeldung, Bezug der Zimmer. Wir haben uns gegen Zelten entschieden, weil mein Bein das zur Zeit einfach nicht mitmacht. Leider, ich glaube der Tochter hätte es im Zelt richtig gut gefallen. Aber unser Zimmer ist erstaunlich komfortabel und richtig schön.

Es gibt jede Menge Listen, in die man sich eintragen muss und es scheint alles gut organisiert zu sein.

Erstmal trägt man sich in Bezugsgruppen ein; da gibt es verschiedene Themenbereiche und man wählt einen Schwerpunkt, den man an den vier Tagen in einer festen Gruppen behandelt. Einer heißt „Politische Kommune“, ein anderer „Polyamorie“, es gibt aber auch greifbarere Bezugsgruppen wie „Kommune aktiv leben“ oder „Erster Kontakt mit Gemeinschaftsleben“, usw. Wir tragen uns in der „U-30-Gruppe“ ein. Dann gibt es riesige Listen mit Diensten. Jeder soll einmal am Tag einen Dienst übernehmen, zum Beispiel Abspülen, Kinderbetreuung, Essenvorbereiten, Putzen, etc. Es gibt einiges zu tun bei einem Camp mit 250 Teilnehmern, da sollen alle mit anpacken. Ein weiterer großer Aushang zeigt alle Workshops, die angeboten werden. Die Nachmittage sind zur freien Gestaltung, mit zwei Workshops. Allerdings werden viele Workshops gleichzeitig angeboten. Noch stehen nicht allzu viele zur Auswahl, aber ich bin gespannt, für welche Workshops ich mich morgen entscheiden werde. Bis jetzt wuselten die Konferenz-Teilnehmer ziemlich durcheinander, für Gespräche oder Kennenlernen war noch gar keine Zeit.

Zum Abendessen ändert sich das, man kommt ein bisschen ins Gespräch, aber nur sehr oberflächlich. Über die Tochter kommt man dann doch schnell ins Gespräch mit anderen Eltern. Es gibt einige Krabbelkinder, die wie kleine Käfer aus allen Ecken kommen und sich in der Mitte des Platzes treffen. Eines krabbelt schnell vor, die anderen hinterher. Zwischendurch bleibt eins wieder stehen, ändert die Richtung, ein anderes findet einen super spannenden Stein, den es unbedingt in den Mund stecken muss und das dritte findet die Eltern nicht mehr und fängt an zu weinen.

Zum Ende des Tages kennen wir fünf Familien ein bisschen besser, alle mit kleinen Kindern. Die sind alle im gleichen Alter, wie die Tochter und krabbelten so freudig aufeinander zu, um sich zur Begrüßung gegenseitig anzupatschen. Ich freue mich total, dass so viele junge Leute auch hier sind, das hatte ich so gar nicht erwartet und gleichaltrige Kinder, mit denen die Tochter jetzt vier Tage lang interagieren und spielen kann, sind so eine wunderbare Erfahrung. Eigentlich sollte das nicht so etwas besonderes sein, ist es aber leider doch – wir versuchen, der Tochter einmal die Woche eine Verabredung mit einem gleichaltrigen Kind zu organisieren, aber auch das klappt nicht immer und wenn, dann nur für ein paar Stunden. Auch die anderen Eltern freuen sich, eine Mutter meint, dass ihre Tochter bisher nur mit ganz kleinen Babys oder dann mit 2-3 Jährigen zu tun hatte, und noch nicht mit gleichaltrigen Kindern spielen konnte. Das ist traurig und genau deshalb sind wir hier – um für unsere Kinder und für uns als Familie einen Zukunftsort zu finden, an dem solche Aufeinandertreffen nicht die Ausnahme, sondern die Regel sind. Ein Ort, an dem Kinder gemeinsam aufwachsen können und Eltern zusammen leben.

Es gibt ein Eröffnungsplenum, in dem alle Teilnehmer zusammenkommen und danach gibt es das erste Treffen der Bezugsgruppe – wo ich fehle, weil es mittlerweile schon 22 Uhr ist und ich mit der müden Tochter aufs Zimmer gehe. Die Stimmung ist gut, ich bin positiv überrascht von der Vielzahl an jungen, sympathischen Familien und freue mich auf die folgenden Tage.

Wie es weiter ging, erzähle ich in einem weiteren Blogpost.



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