über: junges familienleben, nachhaltiges und gemeinschaftliches leben, gehbehinderung, bedürfnisorientiertes aufwachsen

A Never-Ending Toaster-Story

A Never-Ending Toaster-Story

Die Rahmenbedingungen:

In unserem Haus wohnen sechs Erwachsene und ein Baby. Am Wochenende kommen oft Gäste zu Besuch. Das sind dann auch mal 20-30 Leute zusätzlich.

Wir haben einen Toaster.

Meine Mitbewohnerin arbeitet bei einer Biobäckerin im Verkauf und bekommt als Bezahlung leckeres Brot. Da bleiben manchmal 20 oder mehr Brotlaibe übrig und die kommen dann bei uns in die Gefriertruhe und so haben wir immer gutes Biobrot.

Aufgetautes Brot schmeckt aber nur getoastet.

Und da beginnt das Dilemma:

Das Dilemma beginnt schon morgens vor dem Frühstück. Einer muss los, den Toaster suchen. Da wir meistens als erste im Haus frühstücken, kommen wir den anderen Toaster-Nutzungswünschen  wenigstens nicht in die Quere. Es gibt drei Küchen, in denen der Toaster sein kann. Die Idee, ihn mit einem Mikrochip zu versehen, um ihn zu orten, finde ich gar nicht so schlecht. Würde summa summarum doch einige Wege ersparen.

Als wir hier einzogen, meinte die Mitbewohnerin, der wir das Brot zu verdanken haben, wie schön es doch sei, dass wir uns alle den Toaster teilen. Dabei hatte sie ihren weniger-Konsum-ist-mehr-gar-kein-Konsum-ist-besser Gesichtsausdruck auf. Bei dem Gesichtsausdruck krieg ich immer leicht nervöse Zuckungen.

Jetzt wohnen wir hier ein Jahr mit nur einem Toaster. Es war okay. Der Wunsch nach einem eigenen Toaster ist stark gewachsen und vor einiger Zeit war ich zur Umsetzung bereit. Da wir ja nachhaltig und ressourcenschonend leben wollen, vermeiden wir den Weg in den Supermarkt und verschwenden stattdessen die Ressource „Zeit“, indem wir stunden- und tagelang auf Ebay verbringen, um einen passenden Toaster zu finden. Ich bin kurz davor, einen einfachen Toaster einer führenden Küchenmarke zu bestellen, mit Edelstahlgehäuse, weil ich das schön finde und Plastik ja auch schlecht ist (wie gefühlt alles im Leben), als mein Mann kommt und fragt, was ich da mache. „Ich suche einen Toaster“, antworte ich. „Ja gute Idee. Bevor du da jetzt lange suchst, nimm einfach irgendeinen. Aber einen, der zwei lange Schlitze hat.“, sagt er. Ich suche also „irgendeinen mit Extrawünschen“. Finde nichts. Die führende Küchenmarke hat nur kurze Schlitze im Angebot. Es gibt Toaster mit langen Schlitzen, die irgendwas mit Porsche zu tun haben. Bei denen wird das Brot viel besser, es gibt nämlich 11 Bräunungsstufen, dazu eine Röstgradkonstante für immer gleiches Röstbild. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Außerdem verspricht dieser Toaster eine automatische Brotzentrierung, die das Röstgut mittig ausrichtet, damit die Röstgradkonstante greifen kann. Kein Scheiß, steht so in der Anleitung! Der Toaster sieht aus wie eine hippe Stereoanlage, hat leuchtende Knöpfe und ist sehr futuristisch geformt. Mit schlappen 200 Euro (gebraucht!) liegt es aber nicht ganz in unserem Preissegment und fällt aus der näheren Auswahl raus.

Dann gibt es wunderschöne Retro-Toaster, die man irgenwie hoch- und runterklappen muss. Die Beschreibung ist da leider nicht so ausführlich wie bei dem Porsche Toaster, also verstehe ich nicht ganz wie das so vor 50 Jahren ging mit dem Toasten. Leider funktionieren die nicht mehr, schreibt der Anbieter, aber ein unverzichtbares Stück Nostalgie für Liebhaber! Ich habe mich auch ein bisschen verliebt, aber wenn ich jetzt einen Toaster hinstelle, der nicht funktioniert, hat der Gatte nicht so viel Verständnis und dann war der Konsum irgendwie auch umsonst. Dann müssen wir den anderen Toaster ja immer noch suchen.

Wir einigen uns auf einen Doppel-Langschlitz Toaster einer noch nie gehörten Marke und bestellen den. Zwei Tage später kommt das Objekt der Begierde an. Wir freuen uns schon sehr, endlich ein eigener Toaster! Die Freiheit, auch zwischendurch mal ein Stück Brot zu toasten, den warmen Brotkörper mit Butter zu beschmieren, die dann langsam zerläuft, mit Kräutern aus dem Garten belegen und den Gaumenschmaus sich einzuverleiben… Beim Auspacken läuft uns das Wasser im Mund zusammen.

Der Toaster sieht hübsch aus (finde ich), Edelstahlgehäuse steht auf der Packung. „Das ist kein Edelstahl!“, sagt mein Mann. „Das ist höchstens verchromtes _________“. (Er benutzt dann immer Wörter, die ich noch nie gehört habe und ich denke mir immer „verdammt, woher weiß er das alles??“). Also der Toaster ist anscheinend verchromtes _________ und kein Edelstahl und das wird bestimmt heiß und dann verbrennt sich die Tochter und innen sieht der Toaster auch gar nicht gut aus. „Die Brennstäbe die taugen nichts, schau mal hier ist der _______ ganz ______ und das ist gar nicht gut.“. Aha. Nix verstanden. Aber nix gut anscheinend. Wir schreiben dem Anbieter und dürfen den Toaster zu unserem Erstaunen wieder zurück schicken.

Nächste Runde. „Es gibt Leute, die gehen einfach in den Supermarkt und kaufen dort Toaster!“, erzählt mir mein Mann am Morgen. „Da gibt es solche Sachen anscheinend auch.“… Hört, hört! Ist das etwa der Versuch, eine Einwilligung zur Förderung des freien Marktes, zur Unterstützung des Kapitalismus, zur erschleichen? „Ja, ich weiß“, sage ich. „Da gibt es sogar den Toaster der führenden Küchenmarke, den ich von Anfang an haben wollte!“. Dann schaue ich weiter auf Ebay nach Toastern. Jetzt aufgeben fühlt sich an, als hätte ich eine Menge Zeit für die Suche eines Toasters verschwendet. Ich gebe unsere Suchbegriffe „langschlitz toaster edelstahl“ ein und habe null Suchergebnisse. Ich versuche es ohne Langschlitz, dann ohne Edelstahl und mit nur „Toaster“ bekomme ich 3.114 Ergebnisse.

Ich verzichte auf die führende Küchenmarke und nehme eine andere, deren Namen ich schon mal gehört habe. Der Toaster hat einen Langschlitz, nicht zwei wie gewünscht, aber man muss ja Kompromisse eingehen können im Leben. Er ist nicht aus Edelstahl (schluchz), aber hat einen Brötchenaufsatz (den hat der Porsche Toaster nicht!) und laut Anbieter soll der Toaster – haltet euch fest – funktionieren!!

Ich habe dem Anbieter jetzt mal geschrieben.

Wir warten noch auf Antwort.



7 thoughts on “A Never-Ending Toaster-Story”

  • Ach das kommt mir so bekannt vor… immer wieder verbrauche ich auch soviel Zeit für sowas, obwohl die ja grade mit einem kleinen Kind oft die knappste Ressource ist. Dann drück ich euch mal die Daumen, auf dass die Anschaffung gelinge..
    Ich finde übrigens überhaupt sehr schön und sympathisch was und wie du so schreibst, hab dieses Blog letzte Woche entdeckt und gleich bis weit nach hinten durchgeblättert.

  • Wir haben hier auf dem Hof keinen Toaster. Sonst würde unsere Geschichte wahrscheinlich ähnlich sein, auch wenn es hier nur zwei Küchen gibt. Unsere Toaster Lösung Ist also eine Pfanne auf dem Gasherd und darin das Brot anrösten. Mann muss nur aufpassen das es nicht anbrennt und kann am Abend das Brot auch noch mit Olivenöl beträufeln. Auch sehr lecker.

  • Da hilft nur ein Langschlitztoaster. Wir haben auch so einen. Und ohne diesen würde es morgens eben doppelt solange dauern, vorallem bei 5 Personen die gleichzeitig ihr Toast essen wollen 😉
    Viele Grüße
    Rose

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