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Elternmythen – Faktencheck Leben als Mutter

Elternmythen – Faktencheck Leben als Mutter

Dieser Blogbeitrag geistert mir schon lange im Kopf herum. Ein kleiner Faktencheck. Wie habe ich mir das Mutter-sein vorgestellt und wie ist es wirklich? Was dachte ich vorher und wie denke ich jetzt darüber? 

Faktencheck: Familienbett

Familienbett wollte ich auf gar keinen Fall. Meine Meinung war: Eltern brauchen auch mal Privatsphäre. Dass das ganz kleine Baby im selben Zimmer wie wir schlafen würde, hatte ich vor, aber in seinem eigenen Bettchen und dann wenn es ein bisschen älter wäre, auch in seinem eigenen Zimmer.

Und dann was unser Baby da. Unsere Tochter. Sie war da, wir waren erstmal im Krankenhaus. Das Baby lag in seinem Bettchen neben uns. Und es war so unvorstellbar weit weg! Mein Mann musste es wieder rausnehmen und zwischen uns legen. Ich hatte ja keine Ahnung, wie weit sich so ein Meter anfühlen kann!

Jetzt ist unser Baby schon auf dem Weg zum Kleinkind und schläft immer noch neben uns. Nicht zwischen uns, aber neben uns. Meistens neben mir, manchmal neben meinem Mann, wenn die Nächte sehr unruhig sind und ich sonst noch weniger Schlaf bekommen würde.

Und wie wir schlafen ist immer Thema. Eigentlich komisch, ich frag ja andere Paare auch nicht, ob sie in getrennten Betten oder in einem gemeinsamen schlafen. Oder ob einer manchmal auf die Couch auswandert. Geht ja niemanden was an. Aber Familienbett! Ohje, ohje. Der Untergang der Beziehung. Unter unserer Generation ist das irgendwie kein Thema, aber die Elterngeneration reagiert immer mit „das dürft/solltet ihr nicht machen, das Kind kriegt ihr nie wieder aus dem Bett raus“. Und da fällt mir sooo viel dazu ein, was man sagen könnte, aber das schreib ich mal separat auf, das sprengt hier den Rahmen, nur drei Sachen: „Schlaft ihr gerne allein? Oder lieber mit einem Partner/einer Partnerin an eurer Seite? Und wenn nein – wieso muss dann ein Baby alleine schlafen können, wenn die meisten Erwachsenen das nicht wollen?“, und zweitens: Ja, wir wollen das beide so. Es fühlt sich stimmig an und wenn die Tochter mit vier immer noch bei uns schlafen will, dann ist das entweder immer noch okay für uns, oder wir gewöhnen sie sanft um. Und wenn mehr Kinder da sind, dann bauen wir eben an. Dann gibt es ein Schlafzimmer für alle mit Matratzenlager. Fand ich schon als Kind am Besten. Und drittens: Die Liebesbeziehung leidet darunter nicht. Es gibt andere Orte als das Schlafzimmer. Aber dazu schreibe ich nicht mehr, das ist meinem Mann sonst peinlich.

Elternmythos: Abends haben Eltern Feierabend

Ich habe mir vorhin meinen Schläppitoppi geschnappt und tippe hier im großen Bett im Schlafzimmer, während die Tochter schläft. Ich habe sie gerade ins Bett gebracht. Bevor ich ein Kind hatte, dachte ich immer, man bringt die Kinder ins Bett und dann schlafen sie. Die Eltern haben dann frei, schauen einen Film, kuscheln sich aufs Sofa, führen tiefsinnige Gespräche, essen heimlich Schokolade. Vielleicht machen das andere Kinder so. Die sollten das mal unserem Kind sagen, das man das so macht. Unseres weiß davon irgendwie nix. Unser Kind wacht alle 30 Minuten, manchmal auch alle Stunde auf und überprüft, ob wir noch da sind. Egal, ob wir in der Küche Geräusche machen, uns im Wohnzimmer leise unterhalten, oder ob es ganz still ist. Es meldet sich und will dann nochmal kuscheln. Ein kurzer Rückversicherungskuschler, das wir uns nicht heimlich aus dem Staub gemacht haben. Unser Kind weiß nicht, dass Mama und Papa nach dem Zubettbringen Feierabend haben. Wir hatten glaube ich, seit der Geburt 5 Abende, an denen die Tochter nach dem Zubettgehen bis zum nächsten Mal trinken durchgeschlafen hat. Da dachte ich, irgendwas stimmt nicht und hab alle halbe Stunde nachgeschaut, ob sie noch atmet. Mütter sind komisch.

Ah – gerade wurde das Töchterlein wieder wach. Hab ich’s doch gewusst.

Der Feierabend hat sich für mich als ein Elternmythos herausgestellt. Ich hab mich schon dran gewöhnt und denk mir, irgendwann wird sich das auch ändern, ich wüsste jetzt nicht, wie man das aktiv beeinflussen könnte.

Faktencheck: Mit Kind kommt man zu nichts mehr

Diesen Satz habe ich in der Schwangerschaft auch oft gehört. Stimmt zum Großteil auch, andererseits wird man durch ein Kind auch furchtbar effizient. Beispiel: Ich möchte einen Kaffee machen. Dafür gehe ich in die Küche, nehme auf dem Weg dorthin Geschirr vom Esstisch mit, klemme mir unter den anderen Arm einen Wäschekorb, der ins Schlafzimmer kommt, sammle noch den Briefumschlag von der Morgenpost ein, werfe ihn in den Müll und schalte, während ich die Kochplatte abwische gleichzeitig die Kaffeemaschine ein. Während der Kaffee durchläuft, räume ich die Geschirrspülmaschine ein und gehe aufs Klo, putze mir gleichzeitig die Zähne und wasche nach dem Händewaschen noch schnell den Wollbody aus, zurück in der Küche bekämpfe ich ein paar Ameisen auf der Fensterbank, dann gieße ich den Kaffee in die Tasse und etwas Milch dazu und mache beim Rückweg in die Küche fünf Liegestützen für die tägliche Portion Fitness. Okay, die Liegestützen könnt ihr euch wegdenken. Trotzdem ist hier fast immer Land unter. Ich frage mich, wieso.

Faktencheck: Fremdbetreuung

Meine Mitbewohner haben vor der Geburt der Tochter angeboten, ganz oft auf das Baby aufzupassen. Und ich dachte, super, dass die da sind, und super, dass meine Oma in der Nähe wohnt, dann kann die auch aufpassen und ich kann arbeiten und studieren und was mir nicht alles so in den Sinn kommt machen. Denkste!

Das Baby war da und ich habe ungefähr zwei Monate gebraucht, bis meine Mitbewohner es mal auf den Arm nehmen durften. Ich dachte vorher, ich werde voll die coole Mutter, die jedem ihr Kind gibt, damit es gar nicht erst anfängt zu fremdeln und die sich freut, wenn das Kind dann mal bei jemand anderem auf dem Arm ist. Und dann war ich plötzlich Übermutti und sauer auf meinen Mann, wenn er die Kleine aus dem Arm gab. Ich mag es immer noch nicht, wenn die Tochter bei Familienfesten von einem zum nächsten gereicht wird. Aber langsam wird es besser. Die Tochter kann jetzt mehr kommunizieren, ich habe nicht mehr das Gefühl, dass nur ich ihre Signale richtig deuten kann und mittlerweile gibt es schon eine handvoll Personen, bei denen ich sie auch mal für ein, zwei Stunden abgeben kann. Langsam werde ich auch entspannter, wenn ich an eine mögliche zukünftige Fremdbetreuung denke. Aber dass das so schwierig wird hätte ich nicht gedacht.

Faktencheck: Ein Baby ist kompliziert

Ich hatte gedacht, es wird komplizierter mit einem Baby. Woher weiß man, was es braucht, wann es Hunger hat, oder müde ist oder gelangweilt? Was macht man, wenn es weint? Und wie kriegt man ein Kind zum Schlafen? Aber es ist gar nicht so kompliziert. Wenn man sein Kind beobachtet und auf die Signale achtet, ist es gar nicht schwierig, herauszufinden was es braucht. Und das gute ist, dass man ja von Tag 1 ab üben kann. Jeden Tag aufs Neue ;). Die verschiedenen Signale lernt man kennen, indem man sein Kind im Blick hat, es bei sich hat, trägt, mit ihm spielt, redet, tröstet, lacht und aufmerksam durch den Tag begleitet. An einem Tag denkt man, ach das hat jetzt aber gut geklappt und freut sich, dass man „den Dreh jetzt raus hat“ und am nächsten Tag ist schon wieder alles anders. Aber wirklich verzweifelt war ich nur ein paar Mal ganz am Anfang, als einfach nichts gegen die blöden Dreimonatskoliken geholfen hat. Das war furchtbar.

Faktencheck: Kinder brauchen von Anfang an feste Regeln

Bei der Überschrift muss ich schon schmunzeln. Bei diesem Fakt habe ich meine Meinung ziemlich geändert. Ich erinnere mich an eine Diskussion mit meinem Mann, ich war schwanger und wir unterhielten uns über unsere Erziehungsansichten. Denn es ist ja schon wichtig, dass man sich da einig ist, sonst spüren das die Kinder sofort und tanzen einem auf der Nase rum. Es ging irgendwie darum, ob man Kinder die Erde aus einem Blumentopf leeren lassen soll oder nicht. Ich war da ganz strikt dagegen. Kinder brauchen feste Regeln, von ganz klein auf ein deutliches Nein und die Erde gehöre in den Topf und müsse da drin bleiben. Mein Mann war zwar auch überzeugt, dass Kinder Regeln bräuchten, aber so ein Blumentopf? Das Verhindern des Erde-Ausräumens wäre ihm jetzt nicht so ein Anliegen. Er fand damals schon, dass Kinder auch Sachen entdecken sollten und da würde er lieber die Erde einfach wieder in den Topf räumen, anstatt da die erste Erziehungsmaßnahme raushängen zu lassen. Jetzt sind wir kurz vor dem Erde-Ausräum-Alter und ich würde meine Tochter jetzt nicht vor den Blumentopf setzen und sie auffordern, die Erde rauszuholen. Aber ich würde sie auch nicht davon abhalten. Sie kann sich dabei nicht verletzen und es ist doch mega spannend, so einen Blumentopf zu erkunden! So lange sie sich nicht verletzen kann, soll sie die Welt entdecken! (Erinnert mich bitte daran, wenn ich mich bald über den erdigen Fußboden echauffieren sollte…)

Faktencheck: Stressige Situationen mit Kindern

Ein paar stressige Situationen gibt es dennoch im Alltag. Nicht die, die ich dachte (mit Kind Zug fahren/Einkaufen gehen/Freunde besuchen -> das funktioniert problemlos. Noch sind die Süßigkeiten an der Kasse ja noch keine Verlockung!). Was mich wirklich stresst, jeden Tag und immer (!!) ist das Kochen. Ich habe vor dem Kind wirklich gerne gekocht, auch gerne etwas aufwendiger (das ist jetzt ja eh unmöglich), aber selbst Nudeln mit Gemüsesauce ist stressig. Die Tochter spielt schon ganz gut zehn bis fünfzehn Minuten alleine. Aber das reicht ja nicht, um Gemüse zu schnippeln, mit Töpfen zu hantieren, Reis oder Nudeln zu kochen, zu würzen, etc… Ihr wisst ja, wie das geht. Also stehe ich von Anfang an unter Strom, weil wenn die Tochter noch nicht quengelt, denke ich, sie fängt gleich an, und wenn sie schon quengelt, muss ich mir auch was überlegen. Ein paar Tricks habe ich schon: Rohes Gemüse (eine Möhre, ein Stück Fenchel) hält sie erstmal beschäftigt. PET Flaschen sind hier sehr beliebt. Bei all dem wertvollen Öko-Holzspielzeug werden PET Flaschen immer vorgezogen! Ich denke, bald kann sie auch irgendwas ausräumen, aber bis jetzt ist sie da noch nicht so weit. Naja und so koche ich unter Anspannung ganz, ganz fix und die Küche sieht aus wie Sau danach. Weil ich ja gleichzeitig die Tochter mit betüddeln muss. Und dann kommt mein Mann zum Essen und gibt mir wertvolle Tipps, wie: Wenn man während des Kochens schon die Sachen abwäscht, die man nicht mehr braucht, hat man hinterher weniger zu tun und die Küche ist quasi schon sauber, wenn man fertig ist mit Kochen. So ein Schlaumeier. Da könnt ich ihn immer gleich mit in den Kochtopf stopfen, wenn dieser Kommentar mal wieder kommt. Mein lieber Herr Schlaumeier, ich will dazu nur sagen: Wenn ich koche, dann ist die Tochter halbwegs zufrieden. Wenn du kochst, hört man das auf dem ganzen Grundstück und denkt, die Welt geht gleich unter und das Kind wird vernachlässigt.

So, das war’s von meiner Seite. Gab es bei euch auch Sachen, die anders gekommen sind, als ihr erwartet hättet?

 

 



4 thoughts on “Elternmythen – Faktencheck Leben als Mutter”

  • Es wiederholt sich alles!!!! Und die alte Mär die Kinder müssen in separaten Zimmern und in ihrem eigenen Bett schlafen entspricht nicht unbedingt den Tatsachen. Schauen wir uns doch mal die anderen Völker an, wo die Kinder immer neben den Eltern schlafen.
    Natürlich brauchen auch wir mal unseren Schlaf, aber es gibt ja Ausweismöglichkeiten. Nur, dass die Kinder schnell merken, dass da niemand bei ihnen liegt.
    Ich habe nur festgestellt, dass es sich irgendwann aufhört und dann ist man (ich) erstaunt, dass keine nächtliche Wanderung von einem ins andere Bett mehr stattfindet. Eins jedoch, das Bett sollte gross genug sein

  • ha! so ein guter artikel! ich kann mich in fast allem wiederfinden. nur das familienbett war von anfang an klar für mich. dafür dachte ich, dass ich die kleine tagsüber für eine halbe stunde oder sogar stunde schlafend hinlegen kann und was für mich selber machen. ach was hatte ich doch alles für pläne 😂 und das mit der beikosteinführung hatte ich auch geregelter auf dem plan. aber auch „jetzt noch“ mit 11 monaten wird mehr gemümmelt als gegessen. ach ja, da kommt mir noch mehr in den sinn. sagt dir „sozial leben wie vorher“ auch was? 😅oder „mama-konkurenzdenken“?

    • Ja, stimmt!!!! Das hab ich völlig vergessen. An den Mittagsschlaf hab ich auch geglaubt… was war ich doch naiv. Gibts hier auch nur mit Mama in Kuschelnähe…
      Sozial leben… was war das nochmal? *grübelgrübel*

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