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Berufseinstieg mit Familie – Teil II Auswanderungsgedanken

Berufseinstieg mit Familie – Teil II Auswanderungsgedanken

Wir suchen sowohl nach einem Ort, um sesshaft zu werden, als auch nach einem Job. Und ich nehme euch mit auf unserem Berufsfindungsweg. Ist alles nämlich gar nicht so einfach. Das, was ich hier schreibe, ist eine Momentaufnahme des aktuellen Standes unserer Überlegungen. Es kann sich nächste Woche schon wieder ändern. Also liebe Verwandtschaft, bitte nicht in Panik verfallen ;). 

Eigentlich war ja der Plan, dass wir 2017 auf jeden Fall noch hier wohnen bleiben und uns im nächsten Jahr in die nächstgrößere Stadt orientieren. Diesen Plan haben wir in den letzten vier Wochen auf den Kopf gestellt. Erstens wollen wir hier eher weg und zweitens ist der Ort völlig offen. Und ein paar Wünsche hätten wir ja auch noch…

Gefühlt treten wir immer noch ziemlich auf der Stelle, aber immerhin wissen wir jetzt schon mal, was wir nicht wollen. Ich habe mir gerade nochmal Teil I durchgelesen und bin doch froh, zu sehen, dass es einen Prozess gab und wir weitergekommen sind. Es fühlt sich nämlich nicht so an, als hätten wir jetzt schon einen konkreteren Plan. Aber erstmal der Reihe nach:

Wir haben uns gegen ein Masterstudium entschieden und gegen einen Job. Stattdessen haben wir zusammen beschlossen, dass es wichtiger ist, seinem Herzen zu folgen und seiner Berufung nachzugehen. Die hat man vielleicht schon länger gefühlt, aber sich bisher nie getraut, die Konsequenzen daraus zu ziehen. Bei meinem Mann ist das der Fall mit dem handwerklichen Arbeiten mit Holz. Ich bin selbst erstaunt, weil die wenigen, denen wir das jetzt erzählt haben, reagieren gar nicht überrascht, sondern sind der Meinung, dass ihnen das eh schon klar war. Das freut uns, denn uns war es nicht klar. Der Zeitpunkt nach (bald) fertigem Studium nochmal eine Ausbildung zu beginnen, sich in das Gesellenverhältnis zu begeben und mit einem super geringen Lehrlingsgehalt als Familie zu leben, erschien erst nicht so günstig. Aber günstige Zeitpunkte gibt es irgendwie nie.

Seine Ideale können bei diesem Berufsstand erfüllt werden. Heimische Hölzer, wenig chemische Lösungsmittel, massive Möbel und Produkte, die nachhaltig Freude machen, sind dabei wichtig. Es gibt nicht besonders viele Schreinereien, die so arbeiten, aber ein paar gibt es.

Wir hatten eine Liste erstellt, mit fünf Städten, in denen wir es uns besonders gut vorstellen könnten zu leben. Dabei haben wir Kriterien wie Nähe zu Freunden/Familie, Lebensqualität durch Natur/Umgebung, Familienfreundlichkeit, Bauchgefühl (ganz wichtig!) und Mietspiegel mit einbezogen. Die Liste war ganz nett, ist aber obsolet. Es gibt da keine ökologischen Schreinereien.

Jetzt läuft die Bewerbungsphase, ein paar Schreinereien haben wir angeschrieben, wir wissen aber nicht, ob es 2017 oder 2018 klappen wird.

So weit steht der Plan. Eigentlich.

Denn dann kommen eben doch wieder andere Gedanken, neue Vorstellungen, die sich in den Kopf drängen… Ich sag ja, wir stecken noch mitten drin im Prozess, und es ist noch gar nichts entschieden.

Wir hatten nämlich mal wieder Besuch. Von einem lieben Menschen, der die ganzen „normalen“ Strukturen und auch unsere Ideen immer stark hinterfragt. Und das ist sehr gut und wir führen mit ihm immer wichtige, tiefgründige Gespräche, die viele Gedanken anstoßen. Dieser Mensch wohnt auch in einer Gemeinschaft, in Spanien. Und von ihm kam auch die Frage zu den verschiedenen Lebensmodellen. Die hat bei uns wieder viel aufgewirbelt.

Er hat uns noch einen wichtigen Gedanken mitgegeben:
Von klein auf werden Erwartungen, Vorstellungen und Konventionen in uns hinein projiziert. „Man geht zur Schule; man isst mit Messer und Gabel; man braucht ein sicheres Einkommen.“ Diese Vorstellungen nimmt man auf und denkt, sie sind ein Teil von einem. Bis man anfängt, Stück für Stück zu hinterfragen, Denkmuster aufzudröseln und alle Vorstellungen, die man so hatte, auf die eigene persönliche Richtigkeit zu überprüfen. Und irgendwann ist dann nicht mehr viel übrig. Dann kommt der wichtige Schritt, nämlich das Überlegen, was möchte man selbst. Was sind die ureigenen Wünsche und Bedürfnisse? Oder entscheidet man sich für den einen Weg, weil die Familie den gut heißen würden?

Und dann ist da noch eine andere Familie, die wir gut kennen. Die suchen quasi das gleiche wie wir. Und zwar in Spanien. Also sprechen wir gerade viel über Spanien, über die Möglichkeiten dort mit Holz zu arbeiten und als Teil der Gemeinschaft zu leben. Wenn wir uns vorstellen können, länger zu bleiben, ein bisschen Land kaufen und ein altes Haus renovieren/ein kleines Häuschen bauen. Mit Lehm und Holz. Hach, jetzt komm ich aber ins Träumen. (Der Quadratmeter kostet übrigens unter 4€).

Angenommen wir ziehen jetzt für die Schreinerausbildung quer durch die Republik, an einen Ort wo wir noch nie waren und niemanden kennen. Das ist vom Gefühl her trotzdem keine große Sache, weil man bleibt ja in Deutschland. In ein paar Stunden Autofahrt ist man bei Familie, man kann auf das deutsche Gesundheitssystem zurückgreifen und weiß einfach, wies läuft. Dagegen fühlt sich die Entscheidung für ein Leben im Ausland, und auch wenn es nur mal zum „testen“ ist für einige Zeit, so RIESIG an. Es fühlt sich so viel endgültiger an, wenn man sagt man geht ins Ausland!

Wir müssen da jetzt erstmal mit der anderen Familie sprechen, ob die mitkommt, ob man zusammen etwas aufbauen könnte. Das fühlt sich sicherer an, als wenn man diese Entscheidung alleine trifft. Und dann müsste man da erst mal in aller Ruhe hinfahren und sich das vor Ort anschauen.

 

 



7 thoughts on “Berufseinstieg mit Familie – Teil II Auswanderungsgedanken”

  • Liebe Veronika,

    deine Gedanken zu eurer Zukunft finde ich sehr nachvollziehbar und interessant und ich bin gespannt, wie es mit euch weiter gehen wird. Mir ist zu deinem heutigen Text ein Gedanke gekommen, den ich hier einfach kurz aufschreiben möchte (ob der für euch überhaupt relevant ist oder nicht, kannst du entscheiden – ich möchte ihn dir nicht aufdrängen): Das Tolle an einer (handwerklichen oder anderen) Ausbildung ist, dass man in dieser Zeit unheimlich viel lernt. Meine beiden Brüder haben jeweils ein Handwerk erlernt und ich finde es beeindruckend, was sie alles können. Klar, man kann sich einem Werkstoff auch anders annähern, sich selbst viel beibringen, Dinge durch ausprobieren erlernen oder nach und nach erfragen. Das ist einfach ein anderer Weg als eine Lehre. Eine Lehre bei einem guten Meister ist aber, meiner Meinung nach, eine riesige Chance.
    Man lernt ein Leben lang und jeder Lebensabschnitt hat sein Tempo. Ich persönlich wünschte mir manchmal, ich hätte mir mit Anfang/Mitte 20 etwas mehr Zeit für die Lernchancen genommen, die dieser Lebensabschnitt bietet.
    Und was mich auch interessieren würde – du sprichst in beiden Texten viel von euch als Familie und hier nun auch über die Träume deines Mannes. Wie sieht es denn bei dir persönlich aus?
    Auf jeden Fall wünsche ich euch alles Gute – ich bin mir sicher, was auch immer kommt, langweilig wird es nicht 😉
    Liebe Grüße
    Clarissa

    • Liebe Clarissa,

      danke für deine Anregung, damit hast du einen wichtigen Punkt genannt, den ich fast vergessen hätte. Eine gute Lehre ist wirklich eine riesen Chance! Was mich betrifft, denke ich bin ich nicht so anspruchsvoll, was die Tätigkeit angeht. Ich möchte in erster Linie etwas tun, was sich gut mit der Familie vereinbaren lässt, Zeit für meine Tochter haben und schreiben. Am liebsten so, dass damit auch finanziell etwas herausspringt, aber erstmal als Hobby weiterhin dieses Blog.

      Liebe Grüße, Veronika

  • Liebe Veronika,

    ich habe deinen blog gelesen und wenn du erlaubst möchte ich gerne meine Gedanken mit dir teilen. Du schreibst u.a; man soll seinem Herzen folgen. Grundsätzlich stimmt es, jedoch und wie ich sehe tut ihr das ja auch gründlich soll meinen seinen Verstand mit einbeziehen. Und es gibt keinen sog. günstigen Zeitpunkt, sondern nur eine Grundsatzentscheidung, die im Einklang mit sich selbst und seiner eigenen Familie ( nicht die anderen Familienmitglieder) gemacht werden kann. In meinem Leben habe ich oft bemerkt, dass meine Familie absolut nicht über meine Entscheidungen einverstanden waren, und trotzdem musste ich sie treffen zu dem von mir bestimmten Zeitpunkt.
    Wenn ihr eine WG in Spanien gründen wollt, gibt es sicherlich Punkte die vorab besprochen werden sollten. Wenn eine Lehre in einem Fach angestrebt wird, weil man dabei noch weitere Fähigkeiten erwirbt, kann der Plan fÜr eine WG erstmals für den Zeitraum bis zur Gesellenprüfung zur Seite gelegt werden. Er muss ja nicht aufgegeben werden.
    Was spricht für eine Lehre?? Ich kann nur sagen, dass Fachleute und speziell, diejenigen die in Deutschland ausgebildet werden eine grössere Chance im Ausland haben. Handwerkliche Fachleute werden überall gesucht und sind aufgrund der sog. „deutschen Eigenschaften“ sehr beliebt. Es gibt viele junge Leute (dich ich von meinem langjährigen Aufenthalten und Leben) die mit einer gründlichen Ausbildung mit Kusshand genommen worden sind, oder sich sogar dort Selbstständig gemacht haben, das wäre eine Alternative, auch wenn es sicherlich Zeit, Ausdauer, etc. braucht.
    Was ich meistens jungen Leuten rate, die mich um Rat fragen, wenn sie im Ausland sich niederlassen wollen gebe ist, wenn möglich sich das Land und die Leute für einige Zeit anzuschauen, reinzufühlen, mag ich deren Mentalität, entspricht sie in etwa meiner Anschauung, meiner Wertvorstellung, meiner Art zu Denken und zu Sein? Wie fühle ich mich unter ihnen, kann ich mit dem „machen wir morgen“ leben? wie gehe ich mit einer UnPûntklichkeit um? treibt sie mich zum Wahnsinn, oder sehe ich es locker. Es sind die kleinen Details, die dann eine Rolle spielen und über die manche nie einwegschauen können. Mir fiel beim Lesen deines blogs der Philosoph Rene Descarte ein : wir denken – also sind wir (frei übersetzt) Dh für mich auch frei zu entscheiden, was für diesen Zeitpunkt das Beste für eure kleine Familie ist. Wir stehen immer wieder vor neuen Herausforderungen, wobei wir die vielleicht gemachten Entscheidungen nochmals total umkrempeln müssen. Ich habe mal ein Märchen in franz. über einen Fluss geschrieben, der den innigsten Wunsch hatte, die Wüste zu überqueren. Natürlich ein Ansinnen das unmöglich erschien, aber der Wind hat den Regen aufgefangen und über die Wüste getragen, sodass der Fluss sich als neue Quelle entwickeln konnte und so wiederum zum Fluss wurde. (das ist nur die Kurzform in deutsch) Der Wind trug ihn mit Liebe über die Wüste, nicht nur einmal, sondern mehrere Male und der Fluss konnte sich an diese Erlebnisse immer wieder erinnern und fand die Kraft und das Vertrauen sich in die Arme des Windes zu begeben und dort zu landen wo er hingehörte. Ich mach jetzt Schluss, vertraut, hört und benützt als Waage beides Verstand und Herz, alles Liebe und Gute Anna

    • Liebe Anna,

      vielen Dank für deine Worte. Ich freue mich, dass du hier kommentiert hast und so wichtige Punkte ansprichst! Dein Märchen finde ich sehr schön, ich kann mich an dem Sinn deiner Geschichte orientieren. Ich finde es gut, dass du ansprichst, dass die eigene Familie in dieser Entscheidung das wichtigste ist und manchmal andere Familienmitglieder diese Entscheidung nicht so gut heißen würden (wie es in deinem Fall war). Trotzdem habe ich das mit im Hinterkopf, aber auch ich habe schon oft Entscheidungen getroffen, mit denen andere nicht so einverstanden waren. So ist es nun mal.
      Für längere Zeit in das Land fahren und testen halte ich auch für super wichtig. Ein kurzer Urlaub ersetzt das nicht. Gut Ding will Weile haben!

      Liebe Grüße
      Veronika

  • Hallo Anna,

    ich hab mich in vielen Teilen wiedererkannt, nicht nur in diesem Beitrag auch in vielen anderen. Ich bin Papa von zwei kleinen Kindern und hatte nach der ersten Elternzeit keine Lust mehr auf das klassische 9 to 5. Ich hab dann erstmal ein Studium angefangen und erledige den großteile meines Jobs online. Auswandern stand eine Zeit lang im Raum, insbesondere wegen Mietkosten etc. – allerdings haben wir das noch nicht in Angriff genommen. Eine Option ist zumindest erstmal für ein paar Monate wegzugehen und den Kids ein wenig die Welt zu zeigen und nebenbei online zu arbeiten, sofern gutes Internet vorhanden ist. (Dazu gibt es mittlerweile ne Menge Blogs und acebook-Gruppen)

    Kurzum: Die perfekten Umstände gibt es nie. Und die Meinungen der anderen bekommt man ohnehin gratis und ungefragt. 😉

    Viele Grüße aus Hamburg,
    Ralf

    • Hallo Ralf, danke, dass du den Weg deiner Familie hier mit mir teilst. Ich finde es toll, wenn man sich traut, online zu arbeiten. Wenn das gut läuft, kann man seinen Job wirklich überall machen – eine tolle Chance! Mal sehen, was sich bei uns entwickelt!
      Liebe Grüße,
      Veronika (Anna war eine weitere Kommentierende hier ;))

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