über: junges familienleben, gemeinschaftsleben, studieren mit kind, gehbehinderung, bedürfnisorientiertes aufwachsen

Ich habe einen Traum – Berufseinstieg mit Familie

Ich habe einen Traum – Berufseinstieg mit Familie

Berufseinstieg mit Familie. Ich erinnere mich an ein Gespräch mit meiner Verwandtschaft, dass schon einige Jahre zurückliegt (ich bin halt doch schon alt geworden…). Da habe ich in meinem Teenager-Übermut verkündet, dass ich nicht nur „einfach so“ 40 Stunden die Woche arbeiten will. Dass ich mir nicht vorstellen kann, dass der Alltag hauptsächlich im Büro stattfindet und der Feierabend und wenige Urlaub dann das „Leben“ darstellt. Ich habe von meinen Vorstellungen erzählt, dass der Job sich wie genauso viel „Leben“ anfühlen soll wie die Freizeit. Dass man weniger arbeitet, flexibel ist, einer Tätigkeit nachgeht, die „Sinn“ macht. Damals wurde ich belächelt und abgekanzelt. „Wirst schon sehen, was passiert, wenn es ernst wird. Wir waren auch mal so idealistisch, aber wenn man dann Verpflichtungen hat, muss man eben Vollzeit arbeiten und ist froh um den Job!“.
Jetzt wird es ernst und ich strebe immer noch nach meinem Traum. Und ich habe einen Partner gefunden, dessen Traum sogar noch weiter geht. Und zusammen werden wir diesen Weg gehen, auch wenn er nicht einfach wird, weil wir uns oft selbst im Weg stehen.

Dieser Text wird irre lang, ich merk das schon. Aber eine Sache ist noch wichtig. Wir können nur so „frei“ entscheiden, weil wir gewillt sind, auch Einschränkungen zuzulassen. Unsere Wohnsituation wird höchstwahrscheinlich alternativ. In einer Gemeinschaft, mit wenig Privatraum und viel Gemeinschaftsraum. Weil wir das genießen und auch, weil es billig ist. Würden wir an unser Leben Ansprüche stellen wie 3-Zimmer Wohnung in der Stadt, teurer Freizeitspaß und Urlaubsreisen, müssten wir uns auch an die gesellschaftliche Norm des Arbeitsmarktes halten.

Schwierige Entscheidungen. Es fühlt sich super schwierig an, weil man nicht alleine von diesen Entscheidungen betroffen ist, sondern auch der Partner und das Kind. Die ganze Familie muss sich entscheiden. Und bei uns müssen wir uns beide entscheiden. Wo wollen wir wohnen? Wie wollen wir leben? Wollen wir eine 50/50 Aufteilung? Oder 70/30? Festangestellt oder Selbstständig? Studium/Ausbildung oder Berufseinstieg? Jetziger Wohnort, Deutschland oder Ausland? Uns geistern in den letzten Wochen so viele Fragen im Kopf herum, dass ich sie einmal zusammenfassen muss, um wieder einen klareren Kopf zu bekommen.

Unsere Möglichkeiten:

  • Masterstudium. Ist sowohl an unserem jetzigen Wohnort möglich, als auch an anderen Orten in Deutschland. Die Ortswahl ist abhängig von der Schwerpunktausrichtung. Welcher Schwerpunkt kommt in Fragen? Wie hoch sind die Anforderungen? Welches Ausgaben hätten wir an einem anderen Ort?
    • Pro: Studium und Kind lässt sich einfacher verbinden als eine Festanstellung mit streng geregelten Arbeitszeiten.
    • Pro: Bessere Berufsqualifikation
    • Contra: Man verdient kein Geld.
    • Contra: Nochmal zwei bis drei Jahre studieren fühlt sich ein bisschen nach Zeitverschwendung an.
  • Berufseinstieg: Sucht man deutschlandweit? Nur der eine Partner, oder der andere oder beide zusammen? Beide Teilzeit? Einer Teilzeit, der andere Selbstständig? Einer Vollzeit, der andere gar nicht? Einer Vollzeit, der andere Teilzeit?
  • Ausbildung: Was, wenn es noch andere Interessen gibt? Wenn das Studium nicht dem Berufswunsch entspricht? Und auch hier: Wo sucht man?
    • Pro: Herzensarbeit nachgehen
    • Contra: In der Hierarchie als Lehrling nochmal ganz unten stehen
    • Contra: Vollzeit arbeiten für wenig Gehalt
  • Gemeinschaftsleben: Wir suchen nach einer gemeinschaftlichen Wohnform mit anderen gleichgesinnten Familien. Sucht man jetzt nach einem Ort, an dem das möglich ist? Oder nach anderen Familien? Und konzentriert sich basierend auf dieser Entscheidung auf die berufliche Orientierung an diesem Ort?
  • Freiberuflich: Alle Wege stehen offen, auch die Selbstständigkeit ist eine Möglichkeit.
    • Pro: Flexible Zeiteinteilung
    • Pro: Gute Möglichkeit, um Beruf und Familie zu vereinbaren
    • Contra: Unsicheres Einkommen
    • Contra: Viel Eigeninitiative gefragt
    • Contra: Eigenkapitel und Risiko

 

Alles ist offen. Wir warten auf eine Entscheidung, bevor wir wieder selbst in Aktion treten können und überlegen, was der nächste Schritt ist.

Der Berufseinstieg mit Kind ist gar nicht so einfach. Wir werden Kompromisse eingehen müssen. Schaffen wir es, dass jeder seinen Interessen nachgeht, ohne die Tochter bald in Fremdbetreuung geben zu müssen? Oder gibt es Möglichkeiten, dass unser Berufseinstieg/Studium/Ausbildung so flexibel abläuft, dass wir uns die Zeit 50/50 aufteilen können? Wie kann ich als Mutter die Mamarolle ausfüllen, die mir vorschwebt, ohne meine beruflichen Interessen vernachlässigen zu müssen? Wer wird der Hauptversorger? Und was macht der andere? Wann wollen wir das zweite Kind? Will ich davor im Beruf Fuß fassen? Wäre ein zweites Kind im Masterstudium nicht eher vereinbar, als frisch nach dem Berufseinstieg (zu blöd für den Arbeitgeber). Oder lieber länger warten, aber dann sind die Geschwister so weit auseinander?

Was brauchen wir, um glücklich zu sein? Was brauchen wir als Einzelperson, was als Mama, als Papa? Was braucht unsere Tochter?

Wie soll man aus dieser Vielzahl an Möglichkeiten überhaupt eine Entscheidung treffen? 

 

Zu all diesen Möglichkeiten kommt bei jedem Punkt noch eine entscheidende Sache hinzu: Unsere „Ideale“. Es geht nicht darum, einfach einen Job zu finden. Wir wollen einen Job finden, für den wir einstehen können. Ein Arbeitsverhältnis wollen wir dann eingehen, wenn wir unsere Aufgabe darin als nachhaltig gut sehen.

Die Welt steht vor so vielen Problemen und sie sind alle bekannt. Wer sich informiert und recherchiert, weiß, dass man durch sein Handeln die Missstände etwas korrigieren kann. Oder sie zumindest nicht unterstützen muss. Siehe Massentierhaltung und billiges Fleisch aus dem Supermarkt kaufen. Birnen aus Südafrika. Auch günstig hergestellte Kleidung zählt darunter.  Glasflaschen statt PET. Licht aus, wenn es nicht gebraucht wird. Es gibt tausend Beispiele und die wenigen, die ich jetzt genannt habe, kann man im privaten ändern.
Wenn der Job einen Großteil der Lebenszeit einnimmt, finden wir es genauso wichtig, nach solchen Kriterien zu handeln. Es ist so schwierig, sich für die Ideale zu entscheiden, die uns am wichtigsten sind. Wenn man das Fass mal aufmacht, wird man eigentlich nicht mehr froh… Was gäbe es nicht alles zu beachten, was müsste man nicht alles tun. Aber ein paar Dinge sind uns besonders wichtig. Umweltschonend. Ökologisch handeln. Ethisch korrekt. Faire Bedingungen. Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Ressourcen schonend. Naturnah. Heimische Materialien. Regionale Kreisläufe, kein internationales Ausbeuten.

Es ist ein Luxus, dass wir so viel Entscheidungsmöglichkeiten haben. Und es ist ein noch größerer Luxus, dass wir bei all diesen Möglichkeiten noch an unsere Ideale denken können. Dass ich meinen Traum noch nicht aufgeben musste.

Wir sind komplett frei und doch wahnsinnig gebunden.

Mal sehen, was wir daraus machen.

 



4 thoughts on “Ich habe einen Traum – Berufseinstieg mit Familie”

  • Liebe Victoria, deinen Blog lese ich jetzt schon ein paar Wochen. Warum, genau aus diesen ideologischen Ideen, die du hier beschreibst. Wir wohnen ebenfalls in Gemeinschaft, eine gemeinsame Wohnung,3 Familien bzw. 5 Erwachsene und mittlerweile 6 Kinder. Wir suchen ebenfalls, einen anderen Ort, eigentlich genau das, was du beschreibst von eutem Wohnort, außerhalb bzw angrenzend an die Stadt mit viel Spielraum für Ideen. Ich bin zwar nicht mehr im Studium aber auch wit stehen wieder vor der Jobfrage. Momentan ist es klassisch aufgeteilt, ich bin mit dem 2.Kind in Elternzeit, mein Freund arbeitet 75% nach
    3 Monaten, die wir gemeinsam hatten. Am Ende geht er nochmals für 3 Monate und ich baue wieder etwas Aug, selbstständig oder angestellt aber max 50%, für mich das Ideal. Der Job soll natürlich nicht nur zum Geld verdienen anregen sondern zukunftsweisend sein. Selbständig ist dies bei mir prekär aber möglich. Ich bin gespannt, wie ihr euch entscheidet, wobei dies sich
    Wahrscheinlich sehr oft neu anpassen wird.

    • Liebe Katja,
      danke für deinen Kommentar! Wie klappt das mit einer Wohnung und so vielen Mitbewohnern? Das finde ich ja spannend! Ist bestimmt immer viel los 🙂 Und wo sucht ihr?
      Liebe Grüße,
      Veronika

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*