über: junges familienleben, nachhaltiges und gemeinschaftliches leben, gehbehinderung, bedürfnisorientiertes aufwachsen

Einschlafdramen

Einschlafdramen

Ich habe diesen Text gestern Abend geschrieben; heute war das Zubettgehen friedlich. Mein Mann hat die Tochter im Wohnzimmer zum Einschlafen gebracht. Dadurch war die Situation für sie wohl positiver belegt. 

Wer zur Zeit zwischen sieben und acht Uhr Abends an unserer Wohnungstür vorbeigeht, der denkt wahrscheinlich, wir misshandeln unser Kind. Wir versuchen nämlich, die Tochter wieder daran zu gewöhnen mit dem Papa ins Bett zu gehen. Das hat früher mal ganz gut geklappt, dann hat er oft abends lange gearbeitet und ich war abends fürs Zubettgehen zuständig und habe sie zum einschlafen gestillt. Jetzt würde sie sich wünschen, dass das auch so bleibt. Ich habe da auch nichts dagegen, aber ich verstehe, wenn mein Partner sie auch ins Bett bringen möchte und unterstütze das auch.

Aber mir tut die Kleine so leid, wenn sie so schreit und weint und tobt. Und ich verstehe auch, warum sie sich so gebärdet. Sie hat doch keine anderen Möglichkeiten, als ihren Unmut über das Weinen auszudrücken. Sie möchte so gern an die Brust und fordert das ein. Andererseits möchte ich auch meinem Mann nicht die Möglichkeit nehmen, sie ins Bett zu bringen. Wenn ich der Vater wäre, würde ich auch gerne die Tochter ins Bett bringen können. Ich finde diesen Wunsch sehr legitim! Jetzt stehen wir hier vor einem Problem: Ich ertrage das Weinen nicht. Wenn ich höre, wie sie jammert und heult und sich kurz beruhigt und herzzerreißend schluchzt, dann sitze ich im Wohnzimmer und könnte gleich mitheulen. Ich weiß, dass sie keinen Hunger hat, ich stille sie jetzt immer um sechs Uhr  nochmal, damit ich sicher sein kann, dass es kein Hunger ist, der sie so weinen lässt. Aber es geht ja um viel mehr beim Stillen. Es geht um die Wärme, die Nähe und die Entspannung durch die Milch.

Und da komme ich an die Grenze des bedürfnisorientierten Aufwachsens. Ja, ich möchte, dass meine Tochter bedürfnisorientiert aufwächst. Für mich ist attachment parenting das, was sich am natürlichsten anfühlt und ich mache das ganz intuitiv, ich habe mir das nicht angelesen oder vorgenommen. Doch was, wenn das Bedürfnis des Kindes nach Brust dem Bedürfnis der Eltern nach Gleichberechtigung und gewisser Flexibilität entgegen steht? Muss dem Bedürfnis des Kindes dann nachgegeben werden? Sie wird ja nicht alleine gelassen, der Papa ist bei ihr, trägt sie, beruhigt sie, singt ihr Lieder, lässt sie Nuckeln, hält sie fest und bleibt so ruhig und geduldig, wie ich es niemals könnte.

Ich frage mich, was geht da in dem Vater vor? Wenn er mit dem Kind die Schwelle zum Schlafzimmer betritt und das Kind fängt auf der Stelle an zu schreien? Wie bleibt er ruhig und strahlt eine Gelassenheit aus? Wie kann er eine Sicherheit ausstrahlen, die auf das Kind beruhigen wirkt? Er weiß ja, dass ich im Nebenzimmer auf heißen Kohlen sitze und am liebsten kommen würde und sowohl Vater als auch Kind erlösen würde. Aber es wäre keine echte Erlösung, es wäre für den Vater eine Enttäuschung und für das Kind?

Ich hoffe, dass sich die Tochter sehr bald mit dem neuen Zubettgeh-Ritual anfreunden wird. Wir sind jetzt beim fünften Abend und vier davon hat sie geschrieen. Einer ging wunderbar ohne Weinen; keine Ahnung was da anders war. Ich möchte nicht, dass sie so weinen muss. Es tut mir so weh für die Tochter. Bestimmt spürt sie das auch, dass ich da nicht voll dahinter stehe und hat es deshalb so schwer, sich damit abzufinden. Ich bin ja der Meinung, dass Kinder so etwas immer spüren, so feinfühlig wie sie sind. Liegt es also auch an mir, meine Einstellung zu ändern? Aber wie soll ich das machen? Es tut mir auch so leid für meinen Mann. Ich sage ihm immer wieder, dass es nicht daran liegt, dass sie zu mir will. Da mache ich mir doch nichts vor. Wenn ich versuche sie ins Bett zu bringen, ohne ihr die Brust zu geben, habe ich es mit noch einem größeren Gezeter zu tun. Sie will an die Brust und gestillt werden, das hat mit der Mama/Papa Person per se nichts zu tun. Ich würde ihm wünschen, dass sich die Tochter auch bei ihm schneller entspannen kann und ohne Weinen in den Schlaf finden kann.

Mittlerweile ist Ruhe eingekehrt im Schlafzimmer. Nach zwanzig Minuten hat sich die Tochter beruhigt. Auch zwischendurch gab es immer wieder ruhigere Phasen, aber sie hat dann doch wieder zum Weinen angefangen. Ihr Schlaf ist auch noch so leicht, wenn sie nur durch das Nuckeln zum Einschlafen gebracht wird. Oft wird sie danach noch öfter wach und will nuckeln und schläft erst durch eine Brustmahlzeit um neun dann wirklich tief ein.

Ich hoffe, dass die nächsten Abende besser werden.

 

 



2 thoughts on “Einschlafdramen”

  • ich kann total gut verstehen, dass es schwer für dich ist, deiner tochter beim „leiden“ zu zu hören. vorallem wenn „die lösung“ so einfach wäre. doch ich möchte dich/euch darin bestärken, dass der papa sie ins bett bringen kann. (über den weg dahin könnt nur ihr entscheiden)

    ich bin alleine mit meiner kleinen und sie schläft generell nur gestillt ein. natürlich könnte auch ich es anderst versuchen, mache ich auch ab und an. jedoch rieche ich nach milch, hab den busen und mittlerweile fordert sie den auch, indem sie ihn auspackt. und was solls, ich werde in nächster zeit eh jeden tag und abend und jede nacht mit ihr verbringen. hoffentlich. denn was, wenn mal was passiert und ich zb im spital bin? ……
    ich weiss es wirklich nicht, irgendwie würde es schon gehen, aber es wäre bestimmt horror, für alle, aber besonders für sie. hoffentlich müssen wir nie herausfinden wie das wäre.
    vielleicht kannst du dir das noch nicht vorstellen. aber die momente an denen du lieber noch am tisch sitzen bleibst und weiter quatschst, wärend die kleine ins bett gebracht wird, werden kommen. schön, wenns nicht erst dann geübt werden muss.

    und noch was, genies es, das der papa das von sich aus gerne möchte. ich kenne leider genug vor der elternschaft emanzipierte päärchen, die sehr schnell in den alten rollenmuster versofen sind…

    ich wünsche euch allen, dass ihr bald ruhige abende habt.

  • Klar, es kann irgendwann irgendwie mal irgendwas eintreffen, das es nötig macht, dass jemand anderes das Kind zu Bett bringt. Das war bei mir gsd in 2,5 Jahren noch nicht der Fall.
    Und so lange das nicht der Fall ist, gib deinem Kind einfach was es braucht. Sind die Gefühle des Papas wirklich wichtiger als die des Kindes? Wenn du es ihm ruhig und verständlich erklärst, wird er sicherlich deiner Meinung sein und weiterhin dahinter stehen, dass sie zurzeit von dir zu Bett gebracht werden will. Egal welches Schreien (wütend, traurig, ängstlich) es ist immer ein Ausdruck der Verzweiflung, wie sonst sollte das Kind dir seine Gefühle mitteilen?
    Und glaub mir, viel schneller als befürchtet, lässt sich das Kind von anderen zu Bett bringen. Nach Beendigung unserer stillzeit mit knapp zwei Jahren, wird nun mit Geschichte, Lieder und Streicheln eingeschlafen. Und wenn er die Wahl hat, bevorzugt er es sogar von Papa oder Oma ins Bett gebracht zu werden, weil die nämlich die besseren (und längeren) Geschichten erzählen 😉 Mich hat das mit dem Einschlafstillen manchmal auch ziemlich genervt, hätte auch gern mal einen Film geschaut oder mal nicht vor dem Baby eingeschlafen. Jetzt, bei meinem zweiten Kind, wo ich weiß, das das ganze auch ein Ende hat, sehe ich das viel entspannter.
    Ich möchte dich mit meinem Kommentar dazu ermutigen, dass du einfach auf dein Bauchgefühl hörst, einfühlsam mit deinem Mann sprichst und deinem Kind genau das gibst, was es (zur Zeit) braucht.

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