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Mit Anlauf in die Elternfalle

Mit Anlauf in die Elternfalle

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Kinder vergleichen: die Elternfalle

Gestern hatte ich mich mit zwei Mamas und ihren Babys getroffen, die ungefähr im gleichen Alter sind wie meine Tochter. Die Gespräche kreisen dann ja meistens um die Kinder und ich finde es sehr schön, sich auszutauschen, aufzumuntern oder bei Sorgen einfach zuzuhören. Oftmals vergleicht man dann auch, was die Kinder schon können und wer wann was gemacht hat oder macht. Dabei hatte ich gestern das Gefühl, dass diese Vergleiche uns nicht unbedingt schlauer, dafür aber unzufriedener gemacht haben. Ich jedenfalls bin mit Anlauf in die Elternfalle getappt.

„Und, schläft die Tochter schon durch?“

Schlafen ist ja immer ein großes Thema. Ich werde auch oft gefragt, ob die Tochter schon durch schläft… Ja, in meinen Träumen schläft sie schon durch!
Die beiden Mamas haben gestern beim Schlaf-Thema erzählt, dass ihre Jungs nur noch zweimal die Nacht gestillt werden und fünf Stunden-Abstände haben. Damit haben sie mich sehr neidisch gemacht. Als meine Tochter dann heute Nacht mit Stillabständen von 1,5-2 Stunden ankam, war ich nicht nur hundemüde, sondern auch sauer. Ich hatte sie um 22:45 Uhr gestillt und als sie dann um kurz nach Mitternacht schon wieder trinken wollte, habe ich mir gedacht, dass kann doch jetzt nicht ihr Ernst sein. Also habe ich versucht, sie ohne Stillen wieder zum Schlafen zu bewegen. Nach einer halben Stunde habe ich dann aufgrund der Proteste von Kind (Busen!!) und Mann (Ruhe/Schlafen!!) aufgegeben und sie gestillt. Hätte wahrscheinlich auch wirklich keinen Sinn gemacht, es anders zu versuchen. Sie kam dann um halb drei nochmal zum Trinken, hatte dann Probleme mit dem Einschlafen, sodass ich mich erst um halb vier wieder hingelegt habe. Um fünf musste sie dann aufs Klo (mit danach wickeln und stillen wieder fast eine Stunde wach) und um halb sieben war sie dann wieder wach, hat dann aber nochmal bis acht geschlafen. Puh, da hab ich also keine zwei Stunden am Stück geschlafen. Dementsprechend war ich ganz schön gerädert heute morgen. Die Nacht war also nicht besonders gut, aber ich glaube, dass ich das normalerweise einfach so hingenommen hätte. Mit dem Vergleich der anderen Kinder gestern allerdings war ich mega genervt und dachte mir, warum schläft mein Kind nicht??

Positive Vergleiche ziehen

Wie ich dann so wütend wach war nachts, ist mir bewusst geworden, dass ich bei den Gesprächen gestern die guten Nächte der anderen rausgefiltert habe. Von all den Themen habe ich nur das negative gesehen und das als den Maßstab genommen, wie es laufen sollte. Als mir das klar wurde, konnte ich davon wieder Abstand nehmen und danach war es wieder in Ordnung, dass die Tochter so oft trinken wollte. Das Problem lag an meinen Ansprüchen und an meiner Einstellung der Sache gegenüber. Ich dachte mir, bei den Vergleichen sollte man nicht nur die Dinge sehen/hören, die nicht so gut klappen. Jeder Kind ist nun mal anders. Meine Tochter ist motorisch schon weit, sie greift ganz fleißig nach allem, was in ihrer Nähe ist, ist super fit was die Bauchlage, das Kopfhalten und dabei rumstrampeln angeht und ist sehr aufmerksam und interessiert. Nachts trinkt sie eben in guten Nächten im drei Stunden Rhythmus und oftmals auch öfter. Ich hoffe einfach, dass sich das in den nächsten Wochen und Monaten langsam steigert.

Warum vergleicht man überhaupt?

Ich denke, die Vergleiche dienen oft dazu, die eigenen Fragen und Unsicherheiten zu klären. Sie sind auch nützlich, um durch die Erfahrungen der anderen ein paar Tipps und gute Ratschläge mitzunehmen. Wenn sie allerdings eher verunsichern, oder dazu führen, dass man sein Kind unter Druck setzt, sollte man das Ganze hinterfragen. Es ist gut, wenn man dann kurz innehält und sich bewusst macht, dass die Entwicklung jedes Kindes auf unterschiedliche Art und Weise und in eigenem Tempo stattfindet. Dabei spielen schon im frühen Alter die charakterlichen Ausprägungen eine Rolle. Das eine Kind hat einen Entdeckungsdrang, das andere ist eher schüchtern und vorsichtig. Ist doch logisch, dass die beiden sich unterschiedlich schnell an neue Fähigkeiten herantasten. Irgendwann „verwachsen“ sich die Unterschiede, als Eltern muss man da ein bisschen Geduld mitbringen.

Babys entspannt aufwachsen lassen

Beim Schreiben dieses Textes wurde mir gerade klar, dass sich die Vergleiche mit anderen durch unser Leben ziehen. Die Noten in der Schule, die „richtigen“ Klamotten (ich hatte immer die falschen…) oder Elektrogeräte, oder der Vergleich mit den Geschwistern. Später vergleicht man dann vielleicht die Auslandserfahrungen/Reisen, die Größe von Wohnung und Haus, die Jobs, etc. Es geht in Kindergarten und Schule früh genug damit los, also sollten wir bei unseren Babys damit noch nicht anfangen.
Lassen wir unsere Babys entspannt aufwachsen lassen, der Druck etwas „können zu müssen“ kommt früh genug im Leben!



1 thought on “Mit Anlauf in die Elternfalle”

  • oje, das kenne ich nur zu gut. eigentlich mag ich das austauschen super gerne und es tut mir gut, und doch bleibt der fahle beigeschmack von „ist das den gut so bei uns, mach ichs richtig?“ hängen. meine kleine (8mt) ist auch eine nachts dauernucklerin. mein tip, nicht auf die uhr schauen, kein licht, nicht zählen wie oft und nur wenn unbedingt nötig selber ganz aufwachen. so bin ich morgens viel entspannter….
    und ja, alle sind anderst. heute hat meine 10min alleine im anderen zimmer gespielt und ist erst zu mir gekrabbelt, als ich nachschauen ging. da kam der mama-stolz: die fühlt sich doch ganz wohl =D

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