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Wie wir wickeln: Zwischen Stoffwindeln und Teilzeit-Windelfrei

Wie wir wickeln: Zwischen Stoffwindeln und Teilzeit-Windelfrei

Frische Windel angezogen: und kurz darauf richtig reingemacht. Kind nachts komplett umziehen, weil bei den Wegwerfwindeln die Kacke immer den Rücken hochwandert. Wunder Popo trotz zig Salben. Und eigentlich weiß man ja ungefähr, wann die Kinder aufs Klo müssen…. All das waren die Beweggründe dafür, dass ich die Tochter ganz spontan eines Nachmittags abgehalten habe. Es hat sofort geklappt und seitdem haben wir unser „System“ umgestellt. Wir wickeln tagsüber mit Stoffwindeln, verwenden nachts Wegwerfwindeln und halten ab.

Wickeln mit Stoffwindeln

„Stoffwindeln“, das kann so viel bedeuten. Ich habe mich in der Schwangerschaft gefühlt eine Woche durch sämtlich Vergleichs-Seiten und Youtube-Videos gewühlt, um herauszufinden, was es eigentlich heißt „mit Stoffwindeln zu wickeln“. Bei den Second-Hand-Seiten stand oft „wir verkaufen unser Set, weil wir uns doch für ein anderes System entschieden haben“, und ich dachte immer „aha, und was ist euer System und warum das eine System und nicht das andere…?“. Irgendwie war mir das alles zu kompliziert und zu teuer, ich wollte etwas ganz simples und letztendlich habe ich mich für „unser“ System aus zwei Gründen entschieden:

  • Es ist wesentlich günstiger als die All-In-One-Systeme (auch wenn die zum Teil echt super hübsch sind, aber eine Windel für 30€-60€ und ich brauche mindestens 20 davon?? Das konnte ich mir gar nicht leisten! Aber wenn ich mal reich bin… dann hol ich mir die wunderschönen von der Windelmanufaktur… *träum*).
    Ich habe unser System gebraucht bei Mamikreisel gekauft und habe für 25 Windeln mit Einlagen und zehn Überhosen (da braucht man verschiedene Größen) ungefähr 150€ ausgegeben. Wenn wir nur mit Pampers wickeln würden, müsste man mit 50€ im Monat kalkulieren, hab ich mal ausgerechnet. Lohnt sich also durchaus, und auch die Wasser- und Stromkosten machen das nicht wett.
  • Es wächst mit, man braucht nicht verschiedene Größen zu kaufen

Wir wickeln also mit einem System aus einfachen Bindewindeln, einer Einlage aus einem Moltontuch, einem Windelvlies und über diese 3-Komponenten-Windel kommt eine Wollüberhose oder eine Überhose aus irgendeinem Plastikmaterial (Polyurethan und Polyester oder so).

Die Bindewindel faltet man in der Mittel ein Mal und klappt den oberen, breiten Teil auf die richtige Größe um. Anschließend legt man die Molton-Einlage und das Windelvlies darauf, und legt das Baby auf die Windel, sodass die Füße in die Richtung der Bänder zeigen. Für uns steht heute Milbert Nagel Model, der das in der Schwangerschaft schon fleißig mit mir geübt hat und deswegen weiß, wie das geht.
Im zweiten Schritt wird dann die Molton-Einlage nach oben geklappt und die Flügel über den Bauch des Babys gelegt, um die Einlage festzuhalten.

Dann wird der untere Teil der Windel nach oben geklappt, die Bänder einmal um das ganze Windelpaket gewickelt und mit einer Schleife befestigt. Überhose an und fertig.

Wickeln mit Wegwerfwindeln

Nachts bekommt die Tochter Wegwerfwindeln angezogen, weil wir sie nur einmal wickeln und sie durch die direkte Nässe am Körper durch die Stoffwindeln einmal einen ganz schlimmen Ausschlag bekommen hat. Der Urin hat die Haut da zu sehr gereizt. Auch wenn wir unterwegs sind nehmen wir Wegwerfwindeln, nicht weil es einfacher ist, sondern weil man für einen Tag unterwegs mit fünf Stoffwindeln einen halben Meter Stoff in einer Reisetasche mit sich rumtragen muss. Platzsparend ist das nicht wirklich.

Abhalten oder Teilzeit-Windelfrei

Das Abhalten habe ich ganz spontan eines nachmittags ausprobiert und es hat sofort funktioniert. Wenn man sein Kind gut beobachtet, weiß man wann es „muss“. Die Kinder geben Zeichen, sie winden sich, werden unruhig, halten kurz inne, oder quengeln. Ich habe die Signale am Anfang noch nicht so gut gekannt, aber wusste, dass nach dem Stillen immer eine recht gute Erfolgsgarantie besteht. Also habe ich angefangen mit der Tochter nach dem Stillen und nach dem Aufwachen aufs Klo zu gehen. Ich erkläre meiner Tochter ganz oft, dass sie mir ein Zeichen geben soll, wenn sie muss. Ich glaube, dass sie das auch versteht. Am Anfang haben wir sie über dem Waschbecken abgehalten, aber sie ist mittlerweile so schwer, dass uns das zu anstrengend ist.

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Jetzt setzen wir uns mit ihr immer aufs Klo – sie kann ja noch nicht alleine sitzen, man kann sie sicher halten und so ist es auch für uns am bequemsten.

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Heute kennen wir ihre Zeiten, ich weiß zum Beispiel, dass sie nachts immer zwischen vier und fünf Uhr groß muss. Sie wird dann auch wach und unruhig und ich setze mich dann mit ihr aufs Klo, sie macht ihr großes Geschäft, bekommt eine neue Windel, wird danach gestillt und schläft weiter. Davor mussten wir sie nachts immer komplett neu anziehen, weil die Wegwerfwindel die Kacka nicht aufgehalten hat, sondern immer alles den Rücken hochgewandert ist. Das war immer eine Schweinerei!
Teilzeit-Windelfrei nenne ich es deshalb, weil sie meistens eine Windel trägt und auch wenn wir es schaffen, dass mittlerweile jeder Stuhlgang im Klo landet und wir keine stinkenden Windeln mehr wechseln müssen (juhuu!), passiert es doch oft, dass Pipi in der Windel landet. Ich finde das auch nicht schlimm wenn es passiert, wir werden ja immer besser.
Ich mache immer „psst psst“-Laute wenn wir am Klo sitzen und mittlerweile klappt es auch gut, dass ich sie abhalte, wenn sie gar keine Zeichen gemacht hat und es eigentlich „außer Reihe“ ist, aber gerade gut passen würde. Weil wir danach los wollen und ich dann vielleicht keine Möglichkeit habe, sie abzuhalten oder weil ich denke, eigentlich müsste sie doch mal wieder… und dann setze ich mich mit ihr aufs Klo und mache „psst psst“ und merke, dass sie die Laute mit dem Akt verknüpft, locker lässt und dann macht. Ich bin immer wieder selbst erstaunt, dass das klappt. Außerdem habe ich die Hoffnung, dass sie, wenn sie ein paar mehr Laute von sich geben kann, vielleicht so mit uns kommuniziert… mal sehen!

Wann wir abhalten:

  • Nach dem Stillen
  • Nach dem Schlafen. Babys pinkeln im Schlaf nicht, außer sie schlafen sehr tief. Nach dem Aufwachen gehen wir mit ihr aufs Klo – 100% Trefferquote garantiert!
  • Bevor wir rausgehen und wenn wir wiederkommen.
  • Wenn sie zwischendurch unruhig wird und aus keinem „ersichtlichen“ Grund quengelt.

Wir halten sie im Schnitt vielleicht alle zwei Stunden einmal ab und kommen dadurch oft mit einer trockenen Windel durch den halben Tag. Wie gesagt, Pipi geht auch manchmal in die Windel, das ist nicht weiter tragisch. Der Tochter gefällt es auf dem Klo ganz gut, sie erzählt dann immer Geschichten und spielt mit ihren Füßen und auch wenn es manchmal zehn Minuten dauert, bis sie endlich fertig ist, denke ich man spart sich insgesamt die Zeit, die man später fürs Töpfchentraining aufwenden würde.

Ein kleines Nachwort: Das Abhalten ist nicht dafür gedacht, dass Kinder früh „sauber“ werden. So kleine Kinder können noch gar keine Kontrolle über ihre Ausscheidungen haben. Aber ich denke, es ist sicher nicht angenehm, in einer vollen Windel zu sitzen und sei es auch nur für kurze Zeit. Wenn man mit den Kindern gut kommuniziert, sie beobachtet und aufmerksam begleitet, ist das Windelfrei-System ganz natürlich. Es fühlt sich zumindest für uns ganz natürlich an. Beim zweiten Kind würde ich das auch von Anfang an praktizieren, da die Signale noch deutlicher sind, je kleiner das Kind ist. Wenn man mit einem zehn Monate altem Kind erst anfängt, wird es sehr, sehr schwierig, da es für die Kindern dann schon so normal ist, einfach in die Windel zu machen, dass sie es nicht mehr kommunizieren. Es scheint, als würden sie die Verbindung zu ihren Körpersignalen verlieren, je älter sie werden. Deshalb ist es auch so schwierig, sie sauber  und trocken zu bekommen, denn sie müssen das erst wieder erlernen.

Die Reaktionen auf das Abhalten

Ich bin unterwegs immer noch ein bisschen gehemmt, weil ich nicht weiß, wie darauf reagiert wird. Ob die Leute das komisch finden, oder eklig… Meistens sind die Reaktionen aber positiv-überrascht. Letztendlich ist es ja egal, was andere davon halten. Für uns klappt es sehr gut, wir haben weniger Wäsche und keinen wunden Po mehr.

Mehr Tipps findet ihr auf diesem Blog und eine ausführliche Erklärung gibt es hier.



5 thoughts on “Wie wir wickeln: Zwischen Stoffwindeln und Teilzeit-Windelfrei”

  • Wir wickeln meinen Kleinen (7 Monate) auch mit Stoffis. Ich nehme Mullwindeln als Einlage und Pul Überhosen. Anfangs war ich auch mit WWW unterwegs. Aber gerade beim Tragen halten die ja überhaupt nicht. Meist bin ich nicht so lang unterwegs, dass es nicht zu viel Gepäck ist und ich mich bei den Stoffis drauf verlassen kann, dass alles ist bis zur nächsten Wickelmöglichkeit drin bleibt 😉
    Nachts hatten wir auch Probleme. Mein Kleiner war ewig rot, die ganze Front. Da haben wir auch erstmal WWW genommen. Irgendwann später hab ich es nochmal probiert und jetzt hat er gar keine Probleme mehr. Das reguläre morgendliche Geschäft schaffen wir auch oft abzuhalten. Aber sonst ist es mir mit dem großen Bruder einfach zu viel. Das Schöne ist ja, dass es so viele Möglichkeiten gibt. Man muss nur erstmal den richtigen Weg für sich finden.
    Wie mobil ist denn deine Kleine schon? Bei uns geht’s mittlerweile schon ganz schön zappelig beim Wickeln zu. Ist das mit der Bindetechnik trotzdem gut zu schaffen? Frohes Wickeln/Abhalten weiterhin 🙂

    • Hallo ClaSa, woran mainst du liegt es, dass er jetzt nicht mehr rot wird nachts? Wir haben es seitdem nicht mehr probiert…
      Meine Kleine strampelt schon eifrig, aber mit ein bisschen Ablenkung durch Spielzeug klappt es noch ganz gut mit den Bindewindeln. Mal sehen, wie das noch wird!

      • Ich kann mir nicht erklären, wieso es plötzlich ging…Ich lege noch ein Trockenfleece rein. Es gab schon Nächte,da haben wir nicht gewickelt und alles war super! Und das, obwohl er sonst sehr empfindliche Haut hat….Manche Dinge bleiben ein Geheimnis 😉 Mach weiter so, mir ist dein Blog sehr sympathisch! Vor allem nicht so konsumorientiert. Viele Grüße

  • Vielen Dank für die guten Tipps. Für mich sind es gute Anregungen, denn ich bin immer noch am überlegen wie es dann wird. In zwei Monaten wir das kleine Menschlein zu uns kommen und wir sind schon sehr gespannt. Bei uns sind schon die stoffwindeln da und ich habe auch zwei von der windelmanufaktur die ich glücklicherweise von meinen Schwestern übernehmen darf.

    • Hallo Johanna, das freut mich :). Ich wünsche dir dann viel Spaß beim ausprobieren! Wir haben die ersten zwei-drei Wochen erstmal mit Wegwerfwindeln gewickelt; wollten uns da am Anfang keinen Stress machen. Als wir dann schon bisschen eingespielt waren, haben wir dann auf Stoffwindeln umgestellt.

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