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Tipps für die erste Zeit – Teil II: die ersten Tage zuhause

Tipps für die erste Zeit – Teil II: die ersten Tage zuhause

Meine Cousine erwartet diesen Monat ihr erstes Kind und hatte mich bei unserem letzten Telefonat nach unseren Erfahrungen gefragt und auch, was wir beim zweiten Kind anders machen würden. Es wurden dann ein paar mehr, sodass ich sie hier gerne nochmal zum Nachlesen aufschreibe. 

Noch genießt der neue Erdenbürger die mütterliche Bauchwärme, also rasch an den zweiten Teil, bevor das Schlüpfen beginnt!

Teil 2: Ankunft Zuhause

Über die ersten Tage zuhause muss ich erstmal kurz nachdenken. Wie war das denn nochmal…
… also erstmal hatte ich durch den Kaiserschnitt noch ziemliche Schmerzen, sodass ich das Wickeln und rumtragen in den ersten Tagen gerne meinen Mann habe übernehmen lassen. Er hat nachts auch neben der Tochter geschlafen, weil ich mich so schlecht aufsetzen konnte, und das hochnehmen aus dem Beistellbettchen ging die ersten vier Wochen gar nicht wegen der Schmerzen im Bauch. Aber trotz aller Schmerzen und Wehwehchen, die eine Geburt mit sich bringt, habe ich mir viel zu wenig Ruhe gegönnt. Ich dachte, jetzt ist das Baby endlich da, jetzt geht’s los! Endlich kann man sich wieder normal bewegen und schnauft beim Treppensteigen nicht mehr wie ein Walross, also wird täglich ein Spaziergang gemacht, frische Luft ist schließlich wichtig fürs Kind! Damit habe ich mich ein bisschen übernommen, und als die Kleine zwei Wochen alt war, habe ich gejammert, dass ich mir das Wochenbett ganz anders vorgestellt hätte…. mit viel mehr im Bett liegen und gemeinsam Baby anschauen, und kuscheln und sich bekochen lassen. Ab da haben wir dann unsere „Strategie“ umgestellt, haben uns eingeigelt und eine Woche lang nur zu dritt die neue Situation genossen. Das war auch sehr gut, denn in der Zeit fingen bei mir auch die Heultage an. Recht spät, sodass ich eigentlich dachte, ich bleibe davon verschont. Sie kamen spät und dafür sehr heftig. Ich verbrachte den halben Tag mit Heulen, durchlebte noch ganz oft die (für mich) schlimme Geburt, war mit dem Stillen überfordert („man kommt ja zu nichts mehr. Ich werde nie wieder in Ruhe aufs Klo/Duschen/zum Bäcker gehen können“), hatte keinen Plan für die nahe und ferne Zukunft, fühlte mich einerseits überfordert und andererseits nicht ausgelastet. Zudem war ich der festen Überzeugung, dass die Heftigkeit der Heultage sicher nicht normal sei, und ich hatte furchtbar Angst, für immer depressiv zu sein. Ich hatte einfach noch von keiner Frau gehört, dass die Heultage so schlimm sind. Auch ich habe das mittlerweile einfach vergessen, und hätte es ohne Nachfragen gar nicht mehr erwähnt. Man verdrängt die nicht so schönen Sachen doch sehr schnell.

img_20170212_220429Das Wochenbett ging dann sehr schnell rum, hier ein paar unserer Erfahrungen:

  • Zum Schlafen hat unsere Hebamme uns gute Tipps gegeben. Wir haben die Tochter abends immer in eine quadratische, etwas dickere Baumwolldecke gepuckt. Viele Neugeborenen fühlen sich wohler, wenn sie eine feste Hülle umgibt, und gerade in der Anfangszeit bestätigte sich dieser Eindruck. Unsere Tochter wollte allerdings die Arme immer frei haben, also haben wir die nicht mit eingepuckt. Damit sie beim Liegen eine Begrenzung spürt, haben wir das Stillkissen als dichtes U aufgeschüttelt, eine kleine Kuhle geklopft und sie seitlich daraufgelegt. Die Kinderärzte im Krankenhaus und auch die Hebamme meinte, das seitliche Liegen wäre besser für die Kopfform als das Liegen auf dem Rücken. Wir legten sie nach jedem Stillen abwechselnd auf die linke oder die rechte Seite.
  • Das allabendliche Schreien: wird gerne mit den Dreimonatskoliken erklärt, es ist aber nicht erwiesen, dass das abendliche Schreien wirklich mit Bauchschmerzen zusammenhängt. Tatsache ist wohl, dass rund um den Planeten die Säuglinge im Alter von zwei bis zwölf Wochen abends weinen, meistens zwischen 17 und 20 Uhr. Manche mehr, manche weniger, mit einem Schreihöhepunkt um die 6.-8. Woche. Danach wird es dann deutlich weniger und bei den meisten Säuglingen hört es nach zwölf Wochen auf. Ich lese gerade „Kinder verstehen“ von Herbert Renz-Polster, der für das allabendliche Schreien mehrere Theorien aufstellt; wirklich wissen, warum Säuglinge es den Eltern während dieser Zeit so schwer machen, tut man aber noch nicht. Es ist unabhängig davon, ob eine Mutter schon mehrere Kinder hat und somit Erfahrung hat, ob Junge oder Mädchen, ob gestillt oder ungestillt. Für uns war diese Zeit am Anfang sehr anstrengend, besonders für mich, weil ich es einfach gar nicht ertragen konnte, wenn die Kleine so geweint hat. Ich musste dann immer gleich mitweinen. Wir haben alles mögliche versucht: Wärme auf den Bauch, Bauchmassage mit Bauchwehöl, Heilwolle mit in die Windel auf den Bauch, verschiedene Trageposititionen. Ich habe auf alles mögliche verzichtet (Kohl, Brokkoli, Zwiebeln, Knoblauch,…), dann hab ich literweise Fenchel-Anis-Kümmel-Tee getrunken, bis die Hebamme meinte, vielleicht mal Kamille probieren, also hab ich Kamillentee getrunken bis mir schlecht wurde, … die Tochter hat einfach geweint, egal was wir gemacht haben. Und das hat es dann leichter gemacht, weil man wusste, man kann jetzt nur für sie da sein, aber sie muss da wohl alleine durch. Also haben wir sie stundenlang in der Fliegerposition rumgetragen und wenn es ganz schlimm war, habe ich ihr ein Kümmelzäpfchen von WALA gegeben, das half dann auch. Und jeden Tag abends war der Spuk dann wieder vorbei und sie hat wieder gelacht und war fröhlich. Es war besser, wenn wir während der Zeit keinen Besuch hatten und zuhause waren, weil es erst durch die Anwesenheit und die Tipps von anderen richtig anstrengend wurde. Da verkrampft man dann, weil man denkt, das Kind darf doch nicht schreien, es ist zu laut, und dann überträgt sich das aufs Baby und es geht ihm damit noch schlechter. Mein Tipp ist da einfach die Ruhe bewahren und für die Kleinen da sein, sie halten und lieb haben und wenn es einem zu viel wird, und man sie gerade dem Partner nicht geben kann, das Kind sicher hinlegen, kurz den Raum verlassen und durchatmen. Lieber schreit das Kind mal ein paar Minuten allein, und man selbst geht ans Fenster und atmet frische Luft und kriegt den Kopf wieder frei!
  •  Stillen nach Bedarf: das Stillen hat zuhause dann ohne Stillhütchen geklappt und hat auch immer gut geklappt, ich hatte nur viel zu viel Milch am Anfang, die habe ich dann abgepumpt. Ich wollte nach Bedarf stillen und habe mich dann doch verunsichern lassen von der Meinung, dass Stillabstände unter zwei Stunden zu noch mehr Bauchschmerzen führen würden. Die Milch könne dann nicht verdaut werden, und wenn immer neue Milch dazu käme, würden die Bauchschmerzen nur noch schlimmer werden. Das klang für mich plausibel, deshalb habe ich die Kleine am Anfang unter zwei Stunden nicht angelegt. Wenn sie geweint hat, dachten wir immer, das müsse etwas anderes sein und haben einfach alles versucht, bis ich sie dann irgendwann doch angelegt habe. Ich war da sehr verunsichert. Mein Mann fragte immer wenn ich sie anlegen wollte: „Bist du sicher, dass sie Hunger hat?“, und diese Frage hat mich so gestresst, weil Nein! Ich war mir überhaupt nicht sicher, aber für mich als Mama klang das einfach als ein Schrei nach Busen. Und es kam mir auch so ungerecht vor, dass ich immer die Brust zücken konnte, während mein Mann sich einen abgestrampelt hat, sie zu beruhigen. Also habe ich auch versucht, sie irgendwie anders zu beruhigen. Jetzt im Nachhinein weiß ich, dass das ein total irres Unterfangen war; wenn das Kind an die Brust will, dann hilft einfach nichts anderes, da kann man sich auch auf den Kopf stellen. Und auch heute, mit fast fünf Monaten, trinkt meine Kleine manchmal noch in kürzeren Abständen als die besagten zwei Stunden.
    Wir hatten im Krankenhaus die Auflage bekommen die Still- und Wickelzeiten aufzuschreiben und hatten deshalb ständig die Uhr im Auge. Und zuhause führten wir das irgendwie so weiter. Auch heute noch ertappe ich mich manchmal dabei, erst auf die Uhr zu schauen, bevor ich die Tochter anlege, obwohl es für mich jetzt gar keinen Unterschied mehr macht, ob das eine Stunde oder drei Stunden her ist. Wenn sie Hungerzeichen macht, dann bekommt sie die Brust. Und auch wenn es kein Hunger ist und sie an den Busen möchte, bekommt sie die Brust.
    Ich denke, dass es ihr manchmal auch bei der Verdauung geholfen hätte. Als sie noch kleiner war, hat sie nämlich oft dann, wenn sie gestillt wurde, in die Windel gemacht. Dann konnte sie sich entspannen und loslassen und plötzlich ging’s.
  • Die „Technik“ des Stillens: Am Anfang läuft es vielleicht noch nicht so rund, aber das Baby und du, ihr werdet das so oft üben, dass es bald ganz automatisch abläuft. Jetzt sind die Stillzeiten auch immer Ruhephasen für mich. Sonst würde ich wahrscheinlich den ganzen Tag rumhampeln und irgendwelche Sachen machen, aber beim Stillen kommt man immer kurz zur Ruhe, kann (wenn man dann etwas Übung hat) etwas lesen, mit dem Handy spielen, kurz die Augen zumachen oder (mache ich immer noch sehr, sehr gerne) sein Baby anschauen und es bewundern.
    Meine Tochter hat sich am Anfang gerne „überessen“, da ich ihre Signale noch nicht kannte. Wenn sie genug hat, dockt sie nicht einfach ab, sondern fängt an zu quengeln, und ich dachte am Anfang, ich müsste ihr den Weg an die Brust wieder zeigen. Dadurch habe ich sie zu mehr trinken animiert, am Ende war sie „übervoll“ und hat oft gespuckt. Aber bald hatte ich da den Dreh raus und danach hatten wir keine Probleme mehr mit dem Spucken.
  • Essen und Trinken: Bei den „Stillplätzen“ immer eine Flasche Wasser bereit halten, man bekommt dabei immer einen mords Durst. Über den Tag verteilt kleine Portionen essen, denn meine Hebamme meinte, es ist normal, am Anfang gar keinen Appetit zu haben. Trotzdem braucht man durch den Schlafmangel, das Stillen und die ständige Präsenz sehr viel Energie. Da kann man sich auch mal ohne schlechtes Gewissen etwas liefern lassen oder eine Pizza in den Ofen schieben. Solange man zwischendurch auch Obst und Gemüse isst, wird das Kind dadurch sicher keinen Schaden nehmen.
  • Schlafentzug: Den Schlafentzug habe ich am Anfang überhaupt nicht als schlimm empfunden. Man ist mit Adrenalin und Glückshormonen so vollgepumpt, dass man das ganz gut wegsteckt. Ich habe mich aber auch tagsüber immer mit der Kleinen hingelegt, hab es genossen, sie auf meinem Bauch zu spüren und ihr beim Schlafen zuzuschauen und dabei auch selbst oft die Augen zugemacht. Am Anfang schlafen die Kleinen ja noch so viel, das sollte man wirklich nutzen.
    Die Nächte waren anfangs anstrengend, aber es ging, wir hatten eine gute Arbeitsaufteilung. Ich habe gestillt, mein Mann hat gewickelt. Da die Kleinsten noch bei quasi jedem kleinen Geschäft auch Stuhlgang haben, haben wir immer nach der ersten Brust gewickelt, dann die zweite Brust gestillt. In einer vollen Windel schlafen ist sicher nicht angenehm, vor allem gibt das, glaube ich, sehr schnell einen wunden Po. Das Bäuerchen-machen hat am Anfang immer noch große Probleme gemacht, und das war der Teil, bei dem man dann nachts wach war und genervt und schlafen wollte, das Kind übermüdet war und die Luft unerbittlich feststeckte und nicht rauskommen wollte. Aber auch da ist jedes Kind unterschiedlich. Unsere Hebamme im Geburtsvorbereitungskurs meinte, dass gestillte Kinder kein Bäuerchen machen müssen. Meine Tochter ist da ein anderer Fall, sie hat heute noch Probleme mit dem Bäuerchen und wacht deshalb in manchen Nächten alle 15 Minuten auf, weil sie irgendwas drückt. Das ist anstrengend und da denke ich mir nachts immer, ich muss mal einen Blogeintrag über dieses blöde Bäuerchen schreiben, vielleicht machen wir auch einfach grundsätzlich etwas falsch…
  • Besuch: Wir hatten nach einer Woche den ersten Besuch über ein paar Tage (weil wir ja von aller Familie so weit weg wohnen) und das war ein bisschen zu früh. Man braucht als junge Familie doch ein bisschen, um sich kennenzulernen und die Zeit würde ich mir auch nehmen.
  • Sexualität: Darüber redet man zwar eigentlich nicht, mach ich jetzt aber mal trotzdem. Nicht umsonst sagt man, dass man die acht Wochen warten soll, bis das Wochenbett rum ist und man keinen Ausfluss mehr hat. Da ich dachte, ich muss eine super Mama sein UND eine super Frau, habe ich darauf nichts gegeben und dachte, das geht auch anders. Ich wollte es mir quasi beweisen, dass es nicht so sein muss, wie alle immer sagen; das ein Kind automatisch Flaute im Bett heißen muss. Hätte ich doch bloß gewartet! Ich war eigentlich gar nicht in der Stimmung und es tat ziemlich weh. Danach hat es so viele Gespräche gebraucht! Reden, reden, reden hilft! Heute kann ich offen sagen konnte: „Ich habe keine Lust. Lass uns schlafen/Ich will lesen/…“ Mein Mann hat da vollstes Verständnis, aber ein Mann ist trotzdem ein Mann und hat Lust. Er stillt eben nicht und steht nicht unter dem hormonellen Einfluss der sexuellen Lustlosigkeit, was die Natur so eingerichtet hat, damit die Frau nicht gleich wieder schwanger wird. Das war für mich ganz schwer zu akzeptieren, da hab ich wohl noch irgendein altes Frauenbild im Kopf, dass die Frau den Mann in dieser Hinsicht glücklich machen muss oder was weiß ich. Jedenfalls hilft es nichts; was in den Büchern steht stimmt, das Sexleben ist danach einfach nicht mehr das gleiche wie es mal war. Und mal sehen, wie lange das noch so bleibt…

Was ich beim zweiten Kind anders machen würde:

  • Ich würde öfter stillen. Vielleicht trinken die Kleinen dann auch kleinere Portionen und können die besser verdauen, was zu weniger Bauchschmerzen führt??
  • Das Baby von Anfang an genau beobachten: was sind seine Hungersignale, wie schnell danach ist es wieder müde, in welcher Position mag es getragen werden, …
    Das haben wir zwar auch gemacht, aber ich glaube, jetzt würde ich noch genauer hinschauen.
  • Mit Besuch noch etwas länger warten.
  • Mehr Essen vorkochen und einfrieren.
  • Mit dem Sex gaaanz lange warten.

Ich hoffe, dass die erste Zeit so magisch wird, wie ihr euch das vorstellt und das wird sie bestimmt. Auch wenn es manchmal stressig und laut zugeht und man müde ist. Der neue Lebensabschnitt beginnt und man muss versuchen entspannt zu bleiben und die erste Zeit zu genießen. Euer Baby wird euch zeigen, was es braucht. Ihr müsst „bloß“ gut hinsehen.

Alles Liebe und eine gute Geburt wünsche ich dir, liebe E.! <3



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