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Tipps für die erste Zeit – Teil I: Im Krankenhaus

Tipps für die erste Zeit – Teil I: Im Krankenhaus

Meine Cousine erwartet diesen Monat ihr erstes Kind und hatte mich bei unserem letzten Telefonat nach unseren Erfahrungen gefragt und auch, was wir beim zweiten Kind anders machen würden. Es wurden dann ein paar mehr, sodass ich sie hier gerne nochmal zum Nachlesen aufschreibe. 

Teil 1: Im Krankenhaus

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Schon im Krankenhaus ist euer Kind euer Kind.

Ich schreibe das so deutlich, weil wir die Erfahrung gemacht haben, dass insbesondere die Schwestern denken, sie wissen manches besser. Sicher haben sie viel Erfahrung und schon viele Neugeborene gesehen, während man selbst vielleicht zum ersten Mal ein so kleines Baby im Arm hält. Aber jedes Baby ist anders und braucht etwas anderes und ich glaube eine Mutter, auch wenn sie ganz frisch Mutter geworden ist, weiß am besten was ihr Kind braucht.

  • Fiebermessen: Unsere Hebamme im Geburtsvorbereitungskurs hatte gemeint, dass bei den Neugeborenen jeden Tag Fieber gemessen wird. Die ersten zwei Tage ist das auch sinnvoll, um zu überprüfen, ob das Baby die Temperatur halten kann, aber danach müsste man, wenn alles normal verläuft, nicht mehr Fiebermessen. Wir sollten uns daran erinnern, wie angenehm das ist, ein Thermometer im Po stecken zu haben; das Baby muss das nicht erleben, wenn es nicht nötig ist. Die Schwestern kamen also jeden Tag an und wollten messen und wir meinten immer, dass wir schon in der Früh gemessen hätten. „War 36,8°C“. Dann waren sie zufrieden und konnten wieder was in ihre Tabellen schreiben.
  • Bonding: Dass es nach der Geburt ganz wichtig ist, mit dem Baby Körperkontakt zu haben, am liebsten nacktes Baby auf nackter Brust, ist denke ich mittlerweile im Klinikalltag angekommen. Wir haben das allerdings nicht auf die Zeit nach der Geburt beschränkt, sondern hatten die Kleine immer bei uns (wir hatten ein Familienzimmer) im Bett. Die Schwestern haben dann beanstandet, dass die Kleine nie in ihrem Bettchen liegen würde. Naja, war halt so. Nachts haben wir sie auf ein großes Kissen zwischen uns gelegt. Im Bettchen war sie viel zu weit weg fand ich.
  • Rausgehen: ich weiß nicht, ob das so üblich ist, aber wir  mussten erst um Erlaubnis fragen, bevor wir mit der Tochter an die frische Luft durften. Haben wir auch brav gemacht, und die Schwester meinte ja, kein Problem, aber nur in ihrem Bettchen. Als wir sie dann brav in ihr Bettchen gepackt hatten und sie warm eingemummelt war, kam eine andere Schwester und meinte, was wir vorhätten. Wir könnten nicht raus gehen mit dem kleinen Baby. Aber die andere Schwester hätte das doch „erlaubt“, meinten wir. Achsoo, na dann „dürfen“ wir doch. Aha. Nach welchen Regeln das bestimmt wurde…? Unsere Tochter war ab Tag 1 immer mit dem Papa an der Luft und ihr Billirubin-Wert hat sich so schnell verbessert, dass die Schwester zweimal nachgemessen hat, weil sie dachte, das Gerät ist defekt. UV Licht ist einfach super!
  • Stillen: Jetzt auch mal was positives über die Schwestern: die Stillberatung war super hilfreich und die Schwester war ein Goldstück. Sie hat mir tolle Tipps gegeben und mir gezeigt, wie man richtig anlegt. Aber irgendwie meint beim stillen jeder zu wissen wie’s geht. Die Hebammeschülerin im Kreißsaal konnte mir gar nicht helfen, wollte aber unbedingt. Mit ihren „Tipps“ hatte die Tochter mir Blutergüsse am Vorhof gesaugt. Die Kinderärztin wollte mir sagen, dass man dem Baby die Nase freihalten muss, damit es beim stillen Luft bekommt (das ist Quatsch, Baby Nasen sind extra egonomisch so platt geformt, dass sie auch voll „abgetaucht“ im Busen noch wunderbar Luft bekommen). Sie hatte frisch desinfizierte Hände und hat damit direkt vor der Nase der Tochter am Busen rumgedrückt. Mit diesem scharf beißenden Geruch hat sie gefühlt direkt dem Neugeborenen die Schleimhäute weggeätzt. Ich habe sie dann auch sofort gebeten, die Hände wegzunehmen. Sie konnte es aber irgendwie nicht lassen und wollte ihre Autorität untermauern… Irgendwann waren die Hände dann auch wieder weg, aber ich war sauer.
  • Tipps zum stillen: bei mir hat es nicht gleich geklappt, ich war aber trotzdem mega entspannt, mein Mann total angespannt. Ich hatte nämlich irgendwo gelesen, dass ein Neugeborenes mit so viel „Reserve“ auf die Welt kommt, dass es drei Tage ganz ohne Nahrung auskommt. Deshalb dachte ich mir, wenn das jetzt nicht sofort in den ersten Stunden klappt, ist es überhaupt nicht schlimm, dem Baby gehts trotzdem gut. Ich hatte aber vergessen, die Info an meinen Mann weiterzugeben. Als er mich dann ein paar Tage später fragte, wie ich es geschafft hätte, so entspannt zu sein, meinte er, die Info hätte ihm auch geholfen… Sorry nochmal! Also einfach entspannt bleiben. Babys sind zum stillen gemacht und auch Mütter sind zum stillen gemacht, es braucht nur manchmal ein bisschen Anlaufzeit; nur nicht aufgeben! Und mit dem Fencheltee warten, der wurde und ständig angeboten, wir sollten doch „zufüttern“. Am Ende des Tages hatten wir immer drei unbenutzte Fläschchen Fencheltee am Nachttisch stehen. Auch Zeit geben! Stillen ist sooo schön! Gute Option: Stillhütchen. Habe ich die erste Woche gebraucht, ohne hat es nicht funktioniert, auch wenn ich es immer wieder probiert habe. Als wir dann daheim waren, ging es ohne.
  • Auch die Brustwarzen müssen sich erst an ihre neue Aufgabe gewöhnen. Was sehr gut hilft: eine Tasse schwarzen Tee mit zwei Beuteln kochen und abkühlen lassen. Am Nachttisch stehen lassen und nach jedem stillen einen Beutel auf die Brustwarze legen. Der Tee wirkt entzündungshemmend und kühlt angenehm.
  • Kühle Wickel nach dem stillen sind auch sehr angenehm, wenn es zum Milcheinschuss kommt. Allerdings lieber mit einem kühlen Waschlappen, als mit Eisbeutel behandeln, und immer nur kurz, da sonst die Milchbildung gehemmt wird.
  • Jede Menge Brustwarzensalbe parat haben. Ich habe in der ersten Woche eine ganze Tube gebraucht. Gibts sauteuer in der Apotheke und sehr billig mit den gleichen Inhaltsstoffen bei dm oder Rossmann.

Was wir beim zweiten Kind im Krankenhaus anders machen würden:

Eigentlich nichts. Ich würde wieder weitestgehend auf Besuch verzichten, in mich reinhören, mein Baby „beschützen“ und ganz eng bei Mama und Papa lassen und es nicht aus der Hand geben (außer für den Kinderarzt). Auch Oma und Opa können zwei Wochen warten, bis sie das Kind mal halten dürfen. Rumgereicht werden ist für ein Neugeborenes glaub ich nicht sehr schön.

Noch zwei allgemeine Sachen:

Ich habe jetzt hier ein bisschen über die Schwestern hergezogen, das ist aber nicht so gemeint. Die haben gute Arbeit gemacht und wir haben uns gut betreut gefühlt. Das Problem sind eher die Vorschriften, nach denen sie handeln müssen und was ihnen keinen Spielraum erlaubt. Ein Beispiel für den Irrsinn: ich hatte bei der Anmeldung im Krankenhaus keinen Streptokokken B Test und wenn die Mutter diesen Streptokokken Typ hat, kann sich das Kind im Geburtskanal anstecken. Um das zu kontrollieren, wird alle vier Stunden Temperatur gemessen. Auch wenn das Kind schläft; dann wird es aufgeweckt. Bei mir stand ja schon vorher fest, dass ich leider einen Kaiserschnitt bekommen muss, und deshalb hatte ich den Test nicht gemacht, da mein Kind den Geburtskanal ja gar nicht berühren würde. Es könnte sich also gar nicht anstecken! Trotzdem wurde mir gesagt, ohne Test: alle vier Stunden Fiebermessen! Ist eben Vorschrift. Ich hab mich dann bisschen aufgeregt und diskutiert, und die Schwester hat das auch bestätigt, dass es eine unsinnige Regelung ist, sie müssten sich aber trotzdem daran halten. Naja, dann hab ich den Test noch gemacht, da war ja nichts dabei, es ging mir einfach um den Unsinn hinter der Vorschrift. Aber die Schwestern machen auch nur ihren Job und man selbst macht auch seinen Job (als Mutter oder Vater) und man muss sich irgendwie miteinander arrangieren.

Als zweites möchte ich Mut machen, auf das eigene Bauchgefühl zu hören. Sich in die Lage des Kindes reinzuversetzen; was würde ich wollen in der Situation. Was fühlt sich besser an: allein im Bett liegen wenn man gerade eine ganz anstrengende Reise hinter sich hat und sich ganz fremd fühlt oder am Bauch der Mama, deren Geruch man schon durch das Fruchtwasser kennenlernen konnte?Wenn man die Situationen so hinterfragt, kann man gut erahnen, was das Baby braucht.

Über die Ankunft zu Hause und die ersten Tage schreibe ich im nächsten Teil.

 



1 thought on “Tipps für die erste Zeit – Teil I: Im Krankenhaus”

  • ich habe schon oft davon gehört) das sich eltern im spital stänig gegen pflegepersonal (gibt ja mittlerweile auch männer die das machen 😉 ), ärzte und vorschriften zur wehr setzen müssen. ich stelle mir das super anstrengend vor! klar haben die ihre regeln, aber es geht um uns und unsere babys!

    ich hatte eine hausgeburt geplant, die dann leider ins spital verlegt werden musste (noch bevors richtig los ging). mir ist dann schön zum schichtwechsel die fruchtblase geplatzt und ALLE kamen sich in dem moment vorstellen. dabei hab ich die neue hebamme erst nach ca. 1h wirklich begrüsst, da ich so mit den wehen beschäftigt war. da hätten sie ruhig warten können. auch das auspulsieren lassen der nabelschnur wollten sie möglichst schnell hintersich bringen. und ist das normal, das die scheidenrisse sofort genäht werden, bevor ich meine kleine richtig wahrnehmen konnte? ich hab ihr dann hald das erstmal die brust gegeben, wärend sie mich unten zusammengebastelt haben. auch wurden wir den ganzen tag genervt, was denn nun der name ist. dabei kann das in der schweiz 3 tage warten.
    aber ansonsten war ich positiv überrascht. zb haben sie uns ganz viel allein gelassen mit ihr um uns kennen zu lernen. trotzdem war ich froh, war es nur eine ambulante geburt und konnte ich 7h nach der geburt nach hause. eine meiner hebammen kam jeden tag vorbei und waren auch telefonisch tag und nacht erreichbar. mehr brauchte ich nicht und würde ich auch wieder nicht wollen. das mit dem fiebermessen zb ist mir neu!
    ich würde auf jedenfall wieder eine hausgeburt anstreben! manchmal bin ich etwas traurig, dass das nicht geklappt hat. aber alles ist gut gegangen, und das ist wichtiger…

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