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„Was machst du eigentlich so den ganzen Tag?“

Meine kinderlosen Freundinnen fragen mich oft, was ich eigentlich so den ganzen Tag mache. Das hab ich mich auch immer gefragt, bevor ich selbst ein Kind hatte… was machen Mütter eigentlich den ganzen Tag? Ich weiß nie, was ich dann sagen soll. Also nutze ich diesen Sonntag für ein kleines Experiment und schreibe alles auf.

6:30 Uhr: Das Baby ist wach und muss aufs Klo. Ich stehe mit der Kleinen auf und halte sie ab. Danach wickle ich sie.

7:00 Uhr: Ich stille sie und sie schläft nochmal ein, schläft aber sehr unruhig. Ich bleibe bei ihr liegen und döse noch ein bisschen.

8:00 Uhr: Jetzt ist sie richtig wach und wir stehen auf. Ich ziehe mich an, während sie in der Schaukel liegt und schalte die erste 30°C Wäsche an. Dann mache ich Frühstück. Die Tochter quengelt, und will nicht in der Schaukel liegen, also lasse ich sie zusehen, und bereite mit einer Hand die Sachen vor. Das dauert dann etwas länger.

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8:30 Uhr: Ich wecke den Papa, und wir frühstücken zusammen. Wir planen den Tag und er geht ins Büro ans andere Ende des Hauses, um an seiner Bachelorarbeit zu arbeiten und für die letzte Klausur zu lernen.

Anmerkung: An 80% der Tagen ist es umgekehrt, da steht mein Mann eher auf und nimmt die Tochter, damit ich noch ein Stündchen schlafen kann. Aber heute war die Nacht so gut, dass ich ihn gerne ausschlafen lassen möchte. 

9:30 Uhr: Ich wickle die Kleine, sie ist schon wieder ganz müde.

10:00 Uhr: Sie wird gestillt und schläft auf dem Sofa ein. Ich gehe ins Bad und putze mir die Zähne. Dabei kommt mir die Idee für diesen Text und ich fange an zu tippen.

10:15 Uhr: Das Nickerchen ist schon wieder vorbei, die Kleine wird unruhig. Während sie langsam wach wird, lasse ich sie nuckeln und lese ein paar Seiten. Ich halte sie ab und lasse sie nackig unter dem Wäscheständer strampeln, während ich die 60°C Wäsche von gestern abhänge.

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11:00 Uhr: Um ein bisschen Haushalt zu machen packe ich die Tochter ins Tragetuch. Wir decken den Frühstückstisch ab und räumen die Küche auf. Anschließend lüfte ich das Schlafzimmer und bringe den Müll raus. Dabei treffe ich meine Mitbewohner auf dem Flur und wir tauschen uns über den gestrigen Tag aus. Sie waren auf der „Wir haben’s satt“ Demo in Berlin, ich erzähle von unserem Tag Urlaub im Gondwana-Land gestern in Leipzig. Leider waren diesmal nur 18000 Teilnehmer auf der Demo in Berlin. Ich erinnere mich an die TTIP Demo in Berlin letzten Sommer, auf der wir in 100 000 Teilnehmern dreimal Leute von der Hochschule getroffen haben; das war ein verrückter Zufall.

11:40 Uhr: Der Tochter wird das ganze rumgerödel zu viel, sie quengelt und braucht eine Pause. Ich nehme sie wieder aus dem Tuch und lege mich mit ihr hin. Sie nuckelt ein bisschen und ihr fallen die Augen zu, während ich weiter an diesem Text schreibe und mich über die verschiedenen Kita Angebote informiere.

12:10 Uhr: Jetzt ist die Kleine wieder wach und ich singe ein bisschen mit ihr. Wir „unterhalten“ uns ein wenig, dann beschließe ich Kekse zu backen. Ich lege sie in die Schaukel und schaffe es gerade so, die Zutaten in die Schüssel zu füllen, da hat die Kleine schon genug vom selber spielen und möchte wieder auf den Arm. Ich setze sie auf meinen Schoss und lasse sie mitbacken. Dabei passiert ein kleines Malheur. Danach merke ich, dass es schwierig wird, mit einer Hand zu backen und frage meine Mitbewohnerin und ihre Schwester die gerade zu Besuch ist, ob sie Zeit haben, mir zu helfen. Sie wollen noch fertig frühstücken (es ist 12:45 Uhr ;)) und mir dann helfen.

12:45 Uhr: Ich stille die Tochter und halte sie danach ab. Mein Mann macht kurz Pause und bietet sich an, unsere Unordnung sauber zu machen, während ich die Wäsche aufhänge und die Tochter mir dabei wieder von ihrem Fell aus zuschaut.

13:00 Uhr: Meine Mitbewohnerin und ihre Schwester kommen und unterhalten die Tochter. Ich backe meine Kekse. Nach einer Weile wird die Kleine aber unruhig, sie lässt sich von den beiden nicht beruhigen und ich nehme sie wieder auf den Arm. Die Mädels übernehmen die Kekse.

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14:00 Uhr: Die Tochter schläft in der Schaukel ein, die Kekse sind im Ofen und ich räume die Küche auf. Es ist das erste Mal heute, dass ich sie für längere Zeit ablegen kann, ohne das sie quengelt. Heute morgen habe ich gesehen, dass ihr Zahnfleisch an einer Stelle schon ganz weiß wird. Ich denke, unten rechts kommt bald der erste Zahn. Im „Oh je, ich wachse“ Buch ist über ihrer aktuellen Woche ein Blitz, sie macht gerade den nächsten Sprung. Es kommt also viel zusammen, und dafür ist sie wirklich lieb und brav.

14:25 Uhr: Die 1.Fuhre Kekse sind fertig, und die Tochter ist viel zu früh wieder wach. Ich esse eine Schüssel Nudeln von gestern Abend, wickle danach die Tochter.

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14:45 Uhr: Wir wollen endlich ein Runde rausgehen und ich hoffe, dass die Kleine dann etwas länger schläft. Sie ist müde und nicht gut drauf. Meine Mitbewohnerin und ihre Schwester wollen Containern gehen und ich schließe mich an. Warum und wie wir das machen, erzähle ich nächste Woche in einem Blogeintrag.

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Der Nachbarhund war mal wieder bei uns im Garten… oder doch der erste Wolf?

Nachdem ich noch schnell etwas im Garten erledige, ziehen wir los. Schon als wir das Grundstück verlassen, ist die Tochter im Wagen eingeschlafen. Ich habe mich für den Kinderwagen entschlossen, da ich sie heute schon genug getragen habe. Bei uns ist der Tag sehr neblig und alles ist mit Raureif bedeckt.

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15:45 Uhr: Als die Tochter aufwacht, mache ich mich schnell auf den Heimweg, da ich schon befürchte, dass sie Hunger hat. Aber es geht nicht schnell genug: sie schreit die ganze Straße zusammen und ich kann gar nicht schnell genug laufen. Daheim angekommen stille ich sie, aber sie ist so aufgebracht, dass sie ganz hastig trinkt und furchtbar viel Luft schluckt. Als der erste Hunger gestillt ist, wird es besser und bei der zweiten Brust kann sie mich schon wieder schelmisch angrinsen. Bei Baby’s liegt Freud und Leid so nah bei einander!

16:20 Uhr: Ich halte sie ab und wickle sie und mein Mann kommt und spielt mit ihr.

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16:30 Uhr: Ich bereite unser Wohnzimmer für die Hausversammlung vor, spüle Geschirr ab und friere einen Teil der Kekse ein; immer zehn Stück, das ist eine gute Menge, um sie wieder aufzutauen. Ich mache eine 60° Wäsche an. Dann nehme ich die seit drei Tagen eingefrorenen Wollüberhosen aus der Gefriertruhe, die dort gegen den möglichen Mottenbefall kämpfen sollen. Sie werden aufgetaut und dann nochmal eingefroren… Hoffentlich hilft es!

17:00 Uhr: Mein Mann singt mit der Tochter „We will rock you“ und sie kreischt vor Vergnügen. Langsam kommen die Mitbewohner zusammen, um 16:15 Uhr sollte die Hausversammlung eigentlich anfangen.

18:30 Uhr: Die Versammlung ist zu Ende. Die Tochter hat währenddessen noch ein kleines Nickerchen gemacht. Als sie aufwacht ist sie kurz schlecht drauf, will aber nicht trinken.

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18:45 Uhr: Mein Mann hält die Tochter ab und wickelt sie. Unsere Mitbewohner sehen sie das erste Mal auf der Toilette sitzen und beeiern sich vor Lachen… Es ist sehr lustig.

Dann geht mein Mann ein bisschen mit ihr Klavierspielen. Ich telefoniere kurz mit meiner Mutter. Dann arbeite ich ein bisschen am Blog, am meisten Zeit geht noch dafür drauf, dass ich mit dem Handling der Website immer noch nicht so gut klar komme. Ich finde den Aufbau nicht wirklich benutzerfreundlich und muss immer ewig nach allem suchen. Wie komme ich zum Beispiel zur Mediathek, um Bilder zu bearbeiten? Ich weiß, ich war da schon mal, aber jetzt suche ich schon zehn Minuten und gebe schließlich auf. Es nervt mich. Gibt es das Foto halt nicht. Ich höre die Tochter in der anderen Küche drüben im Haus nörgeln, so ganz glücklich scheint sie nicht zu sein.

19:30 Uhr: Der Papa kommt mit der Tochter zurück, sie ist müde und sabbert ganz viel. Die eine Wange ist ganz rot; ihre Zähnchen machen ihr zu schaffen. Mein Mann versucht, sie ins Bett zu bringen. Unsere Mitbewohner kümmern sich ums Abendessen; in einer Stunde soll es fertig sein… Ich hab schon ziemlichen Hunger.

19:45 Uhr: Ich hole die 60° Wäsche und hänge sie auf.

20:00 Uhr: Die Tochter hat jetzt doch Hunger; ich übernehme und stille sie. Beim Bäuerchen-machen ist sie wieder hellwach und singt vor sich hin. Es macht noch keinen Sinn, sie ins Bett zu bringen, also halte ich sie noch ab und wickle sie. Mittlerweile ist auch das Essen fertig, ein richtiges Festmahl wurde zubereitet! Die Tochter darf dabei sein und quäkt fröhlich vor sich hin.

20:30 Uhr: Jetzt ist aber Bettzeit. Ich bringe sie rüber und sie schläft in ihrer Lieblings-Einschlaf-Position ein.

21:00 Uhr: Unsere Mitbewohner sitzen noch bei uns im Wohnzimmer zusammen; ich nutze die Babyfreie Zeit und gehe in Ruhe Duschen.

21:30 Uhr: Es liegt noch ein bisschen Bürokram an; ich mache noch ein paar Briefe fertig, die ich morgen wegschicken muss.

22:30 Uhr: Feierabend! Mal sehen, wie die Nacht so wird…



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