über: junges familienleben, nachhaltiges und gemeinschaftliches leben, gehbehinderung, bedürfnisorientiertes aufwachsen

Ein durchwachsener Tag

Heute war irgendwie ein doofer Tag. Morgens fing es ziemlich gut an, das Baby war gut drauf und ich habe den Haushalt gemacht, während es auf dem Boden oder dem Bett lag und mir zugeschaut hat. Dann haben wir einen Spaziergang gemacht, und ab da war es doof. Das Leben in einer Kleinstadt ist auf Dauer nichts für mich; jedes Mal wenn ich aus der Tür gehe, kriege ich die Krise. Heute war mein Mann mit dabei,  ich mit meinem Stock. Da gucken die Leute ja immer!

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Seht ihr meinen Stock? Fällt doch eigentlich gar nicht so sehr auf oder?!

Und vor der Schule wurden gerade die Kinder abgeholt, und als wir vorbeigingen standen da zwei Frauen und glotzten sich die Augen aus dem Kopf. Also das jeder immer schaut ist ja okay, ich schau auch wenn jemand „anders“ geht oder aussieht, aber dieses Glotzen kann ich echt nicht haben. Ich hab dann ziemlich laut irgendwas gesagt, so „ja noch auffälliger kann man ja gar nicht schauen!“ oder so, weiß ich jetzt nicht mehr genau. Und denkt ihr die hätten weggeguckt? Also mit der größten Überwindung überhaupt haben sie dann so ein ganz klein bisschen zur Seite guguckt. Gucken sich da mit den hier typisch gefärbten Haaren die Augen aus dem Kopf und es ist ihnen noch nicht mal unangenehm. Also ich hab nichts gegen gefärbte Haare, aber die Menschen hier regen mich einfach manchmal extrem auf. Das der Mensch auf der anderen Straßenseite auch irgendwelche Gefühle hat, davon haben die noch nichts gehört glaube ich. Wenn das nächste Mal jemand so glotzt, dann geh ich da direkt hin und quatsch den darauf an. Ich hab echt oft das Gefühl, dass mich nicht die Gehbehinderung einschränkt sondern die Reaktion der Menschen. Dann waren wir wieder daheim, und mein Bein tat richtig weh (war wahrscheinlich auch beleidigt oder was weiß ich), das Baby wollte nur getragen werden und ich hatte mir morgens viel zu viel vorgenommen, was man mit Baby auf dem Arm aber alles nicht machen kann (Klamotten aussortieren, Wohnzimmer umstellen, Wäsche machen, …). Dann war eine Stunde irgendwie doof und dann hab ich die Kleine ins Tragetuch gepackt; seitdem wir die als Kreuztrage binden, findet sie es auch gut, weil sie alles sehen kann und plötzlich ging es wieder.

Und ich hab sogar noch was geschafft:

Immer wenn Leute das erste Mal zu uns kommen, zeigt mein Mann ihnen stolz die Küche, die echt super schön ist! Mein Mann hat das alles selber gemacht, Wände mit Lehm verputzt, Küchenplatte selber gemacht, Spülsystem zusammengepuzzelt, etc. Stelle ich euch beizeiten nochmal vor. Und dann erzählt er immer, dass über den Herd noch ein Hängeschrank kommt, und davor hängt noch das Kabel aus der Wand, an das dann indirektes Licht angeschlossen wird. Ich schmunzle dann immer ein bisschen, weil ich da nicht mehr so wirklich dran glaube. Wenn man mal eingezogen ist, dann sieht man die „Baustellen“ irgendwie nicht mehr. Das Kabel fällt mir schon gar nicht mehr auf.

Aber es fehlt ein bisschen Stauraum, weshalb sich auf dem Regal über der Spüle der Tee und die Gewürze ein Regalbrett teilen müssen. Im Sommer als wir einzogen ging das noch, aber jetzt im Winter ist so viel Tee dazugekommen, dass es richtig eng wird. Der Tee fällt ständig runter, wenn man was rausnimmt und die Gewürze sind so doof übereinander gestapelt, dass man nie, nie was auf Anhieb findet. Kurz: es nervt mich morgens beim Tee machen und abends beim kochen. Also hab ich jetzt kurzerhand nach einer Lösung gesucht, die mit Baby im Tragetuch durchführbar war. Erst waren wir im Keller, da gabs allerhand, aber nichts ohne aufhängen (geht schlecht wegen dem Lehm). Also hab ich einfach eine von den Paletten genommen und sie hat zufällig genau die Breite vom Kühlschrank gehabt. Ich muss zugeben, es ist ziemlich dilettantisch, und mein Mann wird sicher bemängeln, dass es nicht abgeschliffen wurde, aber als Notlösung geht es finde ich durch. Ich hab noch ein paar Bilder drangepinnt, damit die olle Palette ein bisschen doller aussieht ;).

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3 thoughts on “Ein durchwachsener Tag”

  • Hey du,
    hab gerade deinen beitrag über das schlafen neben bzw. unter deiner tochter gelesen😉. Da stand auch was wegen finger nuckeln. Also bei uns war sowohl die schlafsituation als auch das nuckeln am finger echt ganz ähnlich. Hab noch nie jemanden getroffen bei dem es auch so war. Falls du noch ein paar erfahrungen brauchen kannst: also ich find das finger nuckeln war zwar arg mühsam-hatten zum schluss beide (mann und ich) hornhaut auf den fingern, und auch gebissen wurden wir häufig, dazu kam noch das komische gefühl, dass die leute komisch schaun wenn wir unseren sohn am finger nuckeln liessen- ich muss jedoch sagen dass es die baby arbeitsteilung extrem erleichtert hat. Ich konnte so gut wie immer raus um mal pause zu machen und auch die nächte, die oft echt hart waren, konnten wir uns super teilen. Irgendwann kam dann der zeitpunkt, da unser sohn meinen finger zu bevorzugen begann. Ich denke das war so mit einem jahr oder auch etwas jünger, und ich wollte irgendwie kein fingernuckeln mehr. Zu dem zeitpunkt hat er sich den finger schon hergewischt wenn er ihn gebraucht hat. Ich hab dann einfach probiert wie es ist wenn ich ihm immer wenn er den finger nuckeln möchte die brust anbiete, und überraschenderweise hat er innerhalb von zwei tagen mit dem fingernuckeln aufgehört und seither nie mehr gebraucht. Es war natürlich so, dass er ab da prinzipiell häufiger stillen wollte, was auch wieder eine umstellung war. Heute hab ich das gefühl, wenn ich mir so andre kinder anschau, dass unser kindl wahrscheinlich ein grosses saugbedürfnis hat. Er ist auch sehr aufgeweckt, aufmerksam und tut sich nach wie vor manchmal schwer abzuschalten. Jetzt kennen wir ihn aber schon so gut, dass uns viel schneller etwas einfällt wie wir ihm helfen können.
    Alles gute dir und deiner familie und liebe grüsse aus graz
    marion

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