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Das Glück einer guten Nacht I

Kopie von IMG_20160930_124535.jpgDie Tochter war heute morgen nach dem Stillen schon um sieben hellwach. Normalerweise schläft sie dann nochmal eine Runde, aber die Nacht war wohl nicht nur für mich so erholsam, sondern auch für die Kleine. Ich schlief heute in einem separatem Bett als die Tochter, denn mein Mann und ich hatten die Vermutung, dass die Stillabstände dann größer wären. Außerdem hatte sich in den letzten Wochen etwas eingeschlichen, was wir gerne wieder abgewöhnen würden: die Tochter braucht mehrmals nachts etwas zum Nuckeln im Mund, um wieder einzuschlafen. Da wir gegen den Schnuller sind (warum, erkläre ich an anderer Stelle), nehmen wir unseren kleinen Finger. Damit beruhigt sie sich wieder sehr schnell und schläft weiter. Allerdings wird unser Schlaf dadurch sehr zerstückelt; ungefähr zwei Stunden nach dem letzten Stillen wird sie das erste Mal unruhig und sucht, steckt sich dann immer panischer die kleinen Hände in den Mund, um sich zu beruhigen, aber schafft es nicht. Wenn wir ihr nur die Hand auf den Bauch legen, ihr beruhigend zureden oder ihr leise etwas vorsingen, hilft das nicht. Sie wird dann wach und weint. Aber wenn man ihr etwas zum Nuckeln gibt, schläft sie wieder ein. Ich habe sie dann auch schon oft an die Brust genommen, sie wieder gestillt, um zu sehen, ob sie dann länger schläft, aber sie hat dann nicht wirklich Durst und möchte nicht trinken. Also haben wir ihr den kleinen Finger angewöhnt… Kennt jemand von euch dieses „Problem“? Eigentlich sehe ich es nicht als Problem an, es funktioniert im Grunde sehr gut, aber geht damit einher, dass sie 1. bei uns im Bett schläft und nicht mehr im Beistellbettchen. Was wir beide nicht schlimm finden, nur habe ich Angst, dass im Schlaf meine Decke auf ihr landet. Obwohl sie mit dem Kopf immer weiter oben liegt, auf der Höhe meines Kopfkissens, und zwischen uns liegt das Stillkissen. Durch meine Angst habe ich einen sehr wachsamen Schlaf, was auf Dauer nicht sehr erholsam ist.

2. Liegt sie neben mir und riecht dadurch leckere Milch. Das ist so verlockend, dass es oft alle zwei bis drei Stunden trinken will. Von Saugverwirrung kann hier keine Rede sein, sie macht sehr deutlich, wann ihr der Finger zum Nuckeln reicht, und wann es an die Brust will. Unser Bett zuhause ist 2x2m groß, also genug Platz für uns drei, sodass auch der Papa mal neben der Kleinen schlafen kann. Mit dem Stillkissen dazwischen kann eigentlich nichts passieren, und der Papa hat auch einen sehr ruhigen Schlaf und wälzt sich nicht. Aber trotzdem habe ich immer ein bisschen Angst und ganz wohl ist es mir nicht, dass die beiden so eng nebeneinander schlafen. Ich glaube einfach, dass Väter einen tieferen Schlaf haben als Mütter…

Die Idee war deshalb, in ein separates Bett auszuwandern, damit Kind und Papa genug Platz hatten, ich mir keine Sorgen machen musste, die Tochter keine leckere Milch riecht und länger schläft und vielleicht sogar weniger Nuckeln möchte. Wir wollten also ziemlich viele Fliegen mit einer Klappe schlagen… Das Ergebnis? Für mich war die Nacht sehr gut, bis auf das Einschlafen, da fehlte mir die Kleine nämlich sehr. Ich lausche dann immer auf ihren ruhigen Atem und kontrolliere, ob sie auch gut liegt und gut atmet, etc. Da bin ich ein bisschen overprotective muss ich zugeben. Ich hatte die Kleine abends um halb zehn gestillt, da ist sie dann auch endlich eingeschlafen (ist nämlich eine kleine Nachteule und geht selten vor zehn schlafen) und das nächste Mal kam sie erst um halb drei und dann wieder um kurz vor sieben. War also eine Traum-Nacht. Der Papa hat nicht so gut geschlafen, weil er zwischendurch öfter mal den Finger geben musste, aber es hat seine Laune nicht getrübt. Jetzt hat er mal so geschlafen, wie ich die letzten Wochen immer, meinte er nur in der Früh und stellte fest, dass man dadurch nicht so erholt aufwacht am Morgen. Aber er war glücklich, dass ich mal ausgeschlafen und guter Dinge war in der Früh. Auch das Glückskind war ausgeschlafen am Morgen und so fit, dass es um sieben aufstehen wollte. Nach dem Anziehen und frisch machen hat es sich fröhlich eine Viertelstunde selbst beschäftigt (mit bunte-Muster-anschauen-und-dem-Muster-Geschichten-vorbrabbeln) und ich konnte ins Bad gehen, während mein Mann Kaffee kochte und sich mit einem Buch in den Lesesessel setzte. Ziemlich Bilderbuchmäßig.  Das Nuckel-Problem mit dem Finger konnten wir noch nicht lösen, aber das haben wir auch nicht erwartet nach einer Nacht. Die Tochter wird es irgendwann auch lernen, sich selbst wieder zu beruhigen, wenn es aufwacht. Und wir werden versuchen, es langsam und mit Liebe umzugewöhnen, dass es vielleicht doch reicht, die Hand auf den Bauch zu legen und beruhigende Laute zu machen. Das wäre nämlich definitiv bequemer, als in einem schiefen Winkel mit verkrampfter Hand den kleinen Finger so zu biegen, dass er sich ergonomisch an den Gaumen des Glückskindes anpasst, um die beste Saugwirkung herzustellen und sich dann fünf Minuten nicht zu bewegen und dann ganz langsam den Finger wieder rauszuziehen, um zu hoffen, dass die Dauer gereicht hat, das Glückskind tief schläft und nichts bemerkt… Wir probieren dieses Schlafmodell jetzt ein paar Nächte, und ich werde berichten, ob sich etwas verändert…

Hat jemand noch andere Ideen oder Erfahrungen?



4 thoughts on “Das Glück einer guten Nacht I”

  • Das „Problem“ mit dem Finger nuckeln hatten wir bei unserer ersten Tochter auch. Wir wollten ebenfalls keinen Schnuller geben, da die Tochter jedoch ein starkes Saugbefürfnis hatte und dies zur Beruhigung brauchte, empfahl uns unsere Hebamme, ihr unseren kleinen Finger zu geben. Das klappte auch wunderbar. Wir gewöhnten es ihr jedoch so sehr an, dass sie es bis zum Alter von 3 1/2 Jahren zum Einschlafen benötigte. Das Finger nuckeln löste nämlich irgendwann das in den Schlaf stillen ab und sie brauchte es einfach. Sich selbst beruhigen, ihren eigenen Finger nehmen, kannte und konnte (oder später wollte) sie nicht. Aber: Wir haben das bei unserem ersten Kind alles sehr genossen. Wir hatten immer eine große Nähe zu ihr und liebten es, sie so in den Schlaf zu begleiten. Wenn ihr es also ebenfalls genießt und es euch nicht stört, es die nächsten drei, vier Jahre weiter so zu machen, dann ist alles wunderbar! 🙂 Alles Liebe für eure kleine Familie.

    • Liebe Mamamagie, wie schön, dass du hier gefunden hast, ich verfolge deinen Blog schon seit längerem :).
      Es stört uns nicht, meiner Tochter tut es sehr gut und wir finden es besser, wenn sie sich durch das nuckeln bei uns beruhigt, als wenn man die Kinder Schnullern lässt und sie dabei keine Nähe erfahren, dir die vielleicht brauchen.
      Die Nächte sind zur Zeit auch besser, weil wir festgestellt haben, dass sie oft noch Luft drückt wenn sie nuckeln will. Wir nehmen sie heut kurz hoch, dann kommt ein kleines bäuerchen und dann schläft sie (meistens) ruhig weiter… Mal schauen 😉 die Routine ändert sich ja gefühlt alle paar Tage 🙂

  • Hallo, ich habe das hier gerade gelesen und weiß ja gar nicht, ob es noch aktuell ist. Aber falls ja, wollte ich dir nur sagen, dass du dir keine Sorgen machen solltest. Selbst wenn ihr beengter schlafen würdet, ist deine Tochter in eurem Bett gut aufgehoben, und 2m sind wirklich viel Platz. Ich weiß, dass Eltern aus den verschiedensten Gründen nervös sind, oft wegen ganz unterschiedlicher Dinge, aber das Miteinander-im-Bett-schlafen ist so natürlich und mit Stillkissen dazwischen doch extra sicher. Je ruhiger du wirst mit der Schlafsituation und je mehr du darauf vertraust, dass das so richtig ist, desto besser wird es funktionieren. Ich habe zwei Kinder und meine Erfahrung ist, dass das, was allen eine ruhige Nacht verschafft, auch das richtige ist. Guter Schlaf ist genauso wichtig wie Vertrauen, und beides ist eng miteinander verknüpft. Alles Gute!

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